Der Bestand von Personenwagen in Grenchen hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen – im vergangenen Jahr sogar sprunghaft. 2015 waren erstmals mehr als 10 000 Fahrzeuge in Grenchen eingelöst, das heisst im Durchschnitt mehr als jeder zweite Einwohner (Säuglinge und Greise eingerechnet) hat ein Auto.

Und dies, obwohl in den letzten Jahren viel für die Fussgänger gemacht und der Autoverkehr kanalisiert bzw. tendenziell zurückgedrängt wurde. Was auch immer wieder zu Diskussionen führte. «Grenchen ist eine Autostadt», nannte Robert Gerber, langjähriger Polizeikommandant, bei seinem Rücktritt denn auch eine Besonderheit des Ortes, der eigentlich als Uhrenstadt bekannt ist.

Wir machten die Probe aufs Exempel und befragten eine Handvoll Grenchner Politiker zu ihrem Verhältnis zum fahrbaren Untersatz. Hubert Bläsi (FDP), Andreas Kummer (CVP), Nicole Hirt (GLP), Remo Bill (SP) und Ivo von Büren (SVP) gaben bereitwillig Auskunft, darüber, wie sie automobil sozialisiert wurden und wie sie heute zum Auto stehen. Im Laufe dieses Sommers werden zudem einige Grenchner besondere Fahrzeuge und ihre Geschichte hier vorstellen.

Autoprüfung: 1975, im ersten Anlauf, «Ich hatte einen guten Fahrlehrer.» Erstes Auto: roter VW Golf Auto heute: BMW 3er Touring «Zumindest eine Stadt mit vielen Autos ist Grenchen schon», räumt der FDP-Politiker und angehende Schuldirektor ein. Und es gebe «auffällig viele junge Leute, die mit Autos der Luxusklasse unterwegs sind», so Hubert Bläsi. Er selber brauche das Auto «immer, wenn es nötig ist», will heissen, wenn ein weiterer Weg ansteht oder es etwas zu transportieren gebe. Bläsi legt ansonsten Wert auf ein «Nebeneinander» von verschiedenen Verkehrsteilnehmern. «Die Autofahrer kommen nicht zu kurz», meint er zur Frage, ob in Grenchen die Autofahrenden benachteiligt werden. «Der motorisierte Individualverkehr entspricht einem Bedürfnis und dies werde auch in Zukunft so bleiben. Diese Freiheiten dürften nicht durch «Extremmassnahmen» unnötig eingeschränkt werden. Die Autos der Zukunft würden aber mit «alternativen Betriebsstoffen» angetrieben und es gebe mehr technische Hilfe beim Fahren.

Hubert Bläsi (FDP): «Auffällig viele Junge sind mit Autos der Luxusklasse unterwegs»

Autoprüfung: 1975, im ersten Anlauf, «Ich hatte einen guten Fahrlehrer.» Erstes Auto: roter VW Golf Auto heute: BMW 3er Touring «Zumindest eine Stadt mit vielen Autos ist Grenchen schon», räumt der FDP-Politiker und angehende Schuldirektor ein. Und es gebe «auffällig viele junge Leute, die mit Autos der Luxusklasse unterwegs sind», so Hubert Bläsi. Er selber brauche das Auto «immer, wenn es nötig ist», will heissen, wenn ein weiterer Weg ansteht oder es etwas zu transportieren gebe. Bläsi legt ansonsten Wert auf ein «Nebeneinander» von verschiedenen Verkehrsteilnehmern. «Die Autofahrer kommen nicht zu kurz», meint er zur Frage, ob in Grenchen die Autofahrenden benachteiligt werden. «Der motorisierte Individualverkehr entspricht einem Bedürfnis und dies werde auch in Zukunft so bleiben. Diese Freiheiten dürften nicht durch «Extremmassnahmen» unnötig eingeschränkt werden. Die Autos der Zukunft würden aber mit «alternativen Betriebsstoffen» angetrieben und es gebe mehr technische Hilfe beim Fahren.

Autoprüfung: «Kurz nach meinem 18. Geburtstag, zur Überraschung des Fahrlehrers im ersten Anlauf.» Erstes Auto: Mitsubishi Colt, blau, «ziemlich rostig» Auto heute: Audi A4 Avant 2.0T «Mein liebstes Auto war ein orangefarbener Käfer, Jahrgang 1974 («Flower Power»), der je nach Tagesform gelaufen ist oder nicht. Es existiert noch und steht bei meinem Bruder in der Garage», erinnert sich Andreas Kummer. Heute brauche er das Auto im Alltag sehr wenig («die Kosten-Nutzen-Rechnung sähe bei mir wohl nicht so gut aus»). Auf die Frage, ob die Autofahrer inzwischen zu kurz kommen, meint Kummer: «Nein, sie geniessen immer noch viele Freiheiten.» Das Nebeneinander, wie beispielsweise in der Begegnungszone, habe sich bewährt. Noch mehr aussperren vom Zentrum würde er die Autos allerdings nicht. «Damit würde man das Zentrum zu Tode beruhigen», so Kummer, der jetzt seine politische Karriere im Gemeinderat beendet hat. Die Zukunft des Autos stellt er sich «hoffentlich schon bald umweltneutral» vor, mit selbstfahrenden, elektrischen Autos, die per Handy bestellt werden und sich per Kreditkarte in Gang setzen. «Adieu Käfer-Romantik - hallo gesundes Klima!»

Andreas Kummer (CVP): «Die Autofahrer geniessen noch immer viele Freiheiten.»

Autoprüfung: «Kurz nach meinem 18. Geburtstag, zur Überraschung des Fahrlehrers im ersten Anlauf.» Erstes Auto: Mitsubishi Colt, blau, «ziemlich rostig» Auto heute: Audi A4 Avant 2.0T «Mein liebstes Auto war ein orangefarbener Käfer, Jahrgang 1974 («Flower Power»), der je nach Tagesform gelaufen ist oder nicht. Es existiert noch und steht bei meinem Bruder in der Garage», erinnert sich Andreas Kummer. Heute brauche er das Auto im Alltag sehr wenig («die Kosten-Nutzen-Rechnung sähe bei mir wohl nicht so gut aus»). Auf die Frage, ob die Autofahrer inzwischen zu kurz kommen, meint Kummer: «Nein, sie geniessen immer noch viele Freiheiten.» Das Nebeneinander, wie beispielsweise in der Begegnungszone, habe sich bewährt. Noch mehr aussperren vom Zentrum würde er die Autos allerdings nicht. «Damit würde man das Zentrum zu Tode beruhigen», so Kummer, der jetzt seine politische Karriere im Gemeinderat beendet hat. Die Zukunft des Autos stellt er sich «hoffentlich schon bald umweltneutral» vor, mit selbstfahrenden, elektrischen Autos, die per Handy bestellt werden und sich per Kreditkarte in Gang setzen. «Adieu Käfer-Romantik - hallo gesundes Klima!»

Autoprüfung: 1982, «auf Anhieb» Erstes Auto: Nissan Micra – «erst ab 1992, vorher Velofahrerin» Auto heute: Skoda Fabia Nicole Hirt braucht das Auto täglich und legt bei durchschnittlich kurzen Distanzen etwa 12 000 km im Jahr zurück. Für längere Wege nehme sie den Zug. «Ein Auto bedeutet mir nichts. Ich will von A nach B damit, fertig», sagt die grünliberale Kantons- und Gemeinderätin. Sie erinnert sich allerdings an ein Erlebnis mit einem Occasions-Ford auf einer USA-Reise. «Manchmal roch es plötzlich seltsam. Beim Nachsehen fanden wir heraus, dass der Garagist den kaputten Auspuff mit dem Loch nach oben montierte. Das gab ein Riesenloch in den Hintersitz. Wir fanden dann auf dem Autoabbruch einen intakten Rücksitz und konnten den Wagen am Ziel sogar wieder verkaufen.»Zur Frage, ob Grenchen eine Autostadt ist, meint Hirt dezidiert: «Nein, es gibt zwar viele Fahrzeuge, aber Grenchen ist die Technologiestadt im Grünen.» Die Zukunft des Autos ist für Hirt elektrisch, mit Strom aus Photovoltaikanlagen auf dem Hausdach oder aus Stromtankstellen mit erneuerbarer Energie.

Nicole Hirt (GLP): «Die Zukunft des Autos ist elektrisch.»

Autoprüfung: 1982, «auf Anhieb» Erstes Auto: Nissan Micra – «erst ab 1992, vorher Velofahrerin» Auto heute: Skoda Fabia Nicole Hirt braucht das Auto täglich und legt bei durchschnittlich kurzen Distanzen etwa 12 000 km im Jahr zurück. Für längere Wege nehme sie den Zug. «Ein Auto bedeutet mir nichts. Ich will von A nach B damit, fertig», sagt die grünliberale Kantons- und Gemeinderätin. Sie erinnert sich allerdings an ein Erlebnis mit einem Occasions-Ford auf einer USA-Reise. «Manchmal roch es plötzlich seltsam. Beim Nachsehen fanden wir heraus, dass der Garagist den kaputten Auspuff mit dem Loch nach oben montierte. Das gab ein Riesenloch in den Hintersitz. Wir fanden dann auf dem Autoabbruch einen intakten Rücksitz und konnten den Wagen am Ziel sogar wieder verkaufen.»Zur Frage, ob Grenchen eine Autostadt ist, meint Hirt dezidiert: «Nein, es gibt zwar viele Fahrzeuge, aber Grenchen ist die Technologiestadt im Grünen.» Die Zukunft des Autos ist für Hirt elektrisch, mit Strom aus Photovoltaikanlagen auf dem Hausdach oder aus Stromtankstellen mit erneuerbarer Energie.

Autoprüfung: 1985, «auf Anhieb» Erstes Auto: VW Käfer Auto heute: Jeep Cherokee, 4,2 Liter (Jahrgang 1989) «Ich habe viele interessante Autos gehabt», erinnert sich der Garagist und Auto-Enthusiast Ivo von Büren. Beispiel gefällig ? – «Monteverdi Sahara» (der Range Rover aus der Schweizer Nobelschmiede) und auch heute schlummert in seinen Garagen manch interessantes Fahrzeug meistens mit militärischem Hintergrund. Selbstverständlich ist er täglich mit dem Auto unterwegs und benutzt nie den öV. Dass Grenchen eine Autostadt sei, glaubt von Büren durchaus, «wenn auch auf dem absteigenden Ast». Die Nachkriegszeit bis in die 70er-Jahre sei die Blütezeit des Automobils in Grenchen gewesen. «Viele Leute kamen durch den Wirtschaftsboom zu Wohlstand und haben entsprechende Fahrzeuge gekauft – Autos, auch teure Wagen, die man sonst nur in Zürich oder Genf sah.»Doch heute sei nicht mehr viel davon übrig. Auch werde das Auto zurückgedrängt. «Auch wenn die Politik seit 25 Jahren dagegen kämpft, der Grenchner nimmt für alles das Auto. Da hat sich nichts geändert.» Genug oberirdische Parkplätze seien deshalb für das Überleben des Gewerbes unerlässlich. Von Büren glaubt übrigens auch nicht, dass sich Elektrofahrzeuge in den nächsten 50 Jahren durchsetzen werden. «Es gibt noch genug Öl für 100 Jahre.»

Ivo von Büren (SVP): «Es gibt noch genug Öl für die nächsten 100 Jahre.»

Autoprüfung: 1985, «auf Anhieb» Erstes Auto: VW Käfer Auto heute: Jeep Cherokee, 4,2 Liter (Jahrgang 1989) «Ich habe viele interessante Autos gehabt», erinnert sich der Garagist und Auto-Enthusiast Ivo von Büren. Beispiel gefällig ? – «Monteverdi Sahara» (der Range Rover aus der Schweizer Nobelschmiede) und auch heute schlummert in seinen Garagen manch interessantes Fahrzeug meistens mit militärischem Hintergrund. Selbstverständlich ist er täglich mit dem Auto unterwegs und benutzt nie den öV. Dass Grenchen eine Autostadt sei, glaubt von Büren durchaus, «wenn auch auf dem absteigenden Ast». Die Nachkriegszeit bis in die 70er-Jahre sei die Blütezeit des Automobils in Grenchen gewesen. «Viele Leute kamen durch den Wirtschaftsboom zu Wohlstand und haben entsprechende Fahrzeuge gekauft – Autos, auch teure Wagen, die man sonst nur in Zürich oder Genf sah.»Doch heute sei nicht mehr viel davon übrig. Auch werde das Auto zurückgedrängt. «Auch wenn die Politik seit 25 Jahren dagegen kämpft, der Grenchner nimmt für alles das Auto. Da hat sich nichts geändert.» Genug oberirdische Parkplätze seien deshalb für das Überleben des Gewerbes unerlässlich. Von Büren glaubt übrigens auch nicht, dass sich Elektrofahrzeuge in den nächsten 50 Jahren durchsetzen werden. «Es gibt noch genug Öl für 100 Jahre.»

Autoprüfung: 1971 (2. Anlauf) Erstes Auto: militärgrüner Citroën 2 CV, Jahrgang 1964. Auto heute: Renault Kangoo Offen gibt der SP-Parteichef zu, dass er es erst im zweiten Anlauf zum Permis geschafft hat. «Als ich bei der gegenseitigen Vorstellung ‹freut mich› sagte, meinte der Experte: ‹freuen Sie sich nicht zu früh›. «Seitwärts parkieren war nicht meine Stärke und als mir vor dem Baseltor eine Fussgängerin vors Auto lief, hiess es zurück zur MFK», erinnert sich Bill. Das Datum seines Führerscheins zeigt dagegen, dass der SP-Fraktionschef inzwischen wohl die längste Fahrroutine der befragten Politiker hat. Der Döschwo mit Handkurbel-Anlasser habe jedenfalls Spass gemacht, erinnert er sich. Das geringe Gewicht, die dünnen Pneus und die spezielle Federung waren im Winter von Vorteil. «Dafür gefroren die Scheiben innen und aussen zu ...»Mehr als ein Transportmittel, um von A nach B zu kommen, ist das Auto heute für Bill nicht. Dass Grenchen eine Autostadt ist, glaubt er nicht. «Der Verkehr hat überall zugenommen, nicht nur in Grenchen.» Die Massnahmen zur Förderung von Fussgängern und Velofahrern unterstützt er. Er werde sich auch für mehr Tempo 30 in den Quartieren und für ein autofreies Stadtzentrum einsetzen. «Die Zukunft gehört emissionsfreien Fahrzeugen», glaubt Remo Bill.

Remo Bill (SP): «Der Verkehr hat nicht nur in Grenchen zugenommen.»

Autoprüfung: 1971 (2. Anlauf) Erstes Auto: militärgrüner Citroën 2 CV, Jahrgang 1964. Auto heute: Renault Kangoo Offen gibt der SP-Parteichef zu, dass er es erst im zweiten Anlauf zum Permis geschafft hat. «Als ich bei der gegenseitigen Vorstellung ‹freut mich› sagte, meinte der Experte: ‹freuen Sie sich nicht zu früh›. «Seitwärts parkieren war nicht meine Stärke und als mir vor dem Baseltor eine Fussgängerin vors Auto lief, hiess es zurück zur MFK», erinnert sich Bill. Das Datum seines Führerscheins zeigt dagegen, dass der SP-Fraktionschef inzwischen wohl die längste Fahrroutine der befragten Politiker hat. Der Döschwo mit Handkurbel-Anlasser habe jedenfalls Spass gemacht, erinnert er sich. Das geringe Gewicht, die dünnen Pneus und die spezielle Federung waren im Winter von Vorteil. «Dafür gefroren die Scheiben innen und aussen zu ...»Mehr als ein Transportmittel, um von A nach B zu kommen, ist das Auto heute für Bill nicht. Dass Grenchen eine Autostadt ist, glaubt er nicht. «Der Verkehr hat überall zugenommen, nicht nur in Grenchen.» Die Massnahmen zur Förderung von Fussgängern und Velofahrern unterstützt er. Er werde sich auch für mehr Tempo 30 in den Quartieren und für ein autofreies Stadtzentrum einsetzen. «Die Zukunft gehört emissionsfreien Fahrzeugen», glaubt Remo Bill.