Grenchen
Rot statt blau: Die Stadtmusik Grenchen präsentierte an ihrem Jahreskonzert ihre neue Uniform

Am Jahreskonzert trug die Stadtmusik Grenchen erstmals ihre neue Uniform – der Prozess, sie zu beschaffen, dauerte vier Jahre.

Hans Blaser Jetzt kommentieren
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Sarah Süess vom Atelier Büttiker erklärt die Details an der neuen Uniform.

Sarah Süess vom Atelier Büttiker erklärt die Details an der neuen Uniform.

Hans Blaser

Zwei Jahre ohne Konzert, zeitweise sogar ohne Proben – das war kaum zu bemerken. Eröffnet hat die Stadtmusik ihr Konzert noch in der alten Uniform mit den zwei verschiedenen Blautönen. Die kam 1988 beim Musiktag erstmals zum Einsatz. Sie hat sich zwar relativ gut gehalten, hat nun nach über 30 Jahren aber wirklich ausgedient.

Mit «Festival Spirit» von Christoph Walter wählte die Stadtmusik den passenden festlichen Einstieg in ein doch nicht ganz gewöhnliches Jahreskonzert. James Swearingens «Seagate Ouverture» hingegen ermöglichte ihr die einzelnen Register und teils auch einzelne Instrumente in den Fokus zu rücken.

In diesen geriet dann eher der Dirigent Dimitri Vasylyev: Er arrangierte die «Erinnerungen» von Archibald Joyce für die Stadtmusik neu. Gut gefallen hat der vom Euphonium geprägte Einstieg. Bei Ennio Morricones legendären Filmmelodien in «Moment for Morricone» fielen die an sich schon grossen Dirigiergesten von Vasylyev besonders gross aus. Da hätte wohl selbst Johan de Meij, der Arrangeur des Werkes gestaunt. Damit hatten Dirigent und Musikanten die Pause verdient.

Schwarzes Einstecktuch und Knöpfe als Akzente

Applaus brandete auf, als die Stadtmusik in der neuen Unform zum zweiten Teil einmarschierte. Sie setzte sich hin und begann mit Gilbert Tinners Arrangement zu «In the Stone» von Earth, Wind & Fire gleich zu spielen. Das war die richtige Musik, um die Ausführungen zur neuen Uniform einzuleiten.

Dass eine Uniform nicht einfach eine Kombination von Kleidungstücken sein kann, ist jedem klar. Die Beschaffung ist aufwändiger, als der Laie denkt: Vier Jahre dauerte der Prozess. Bei der Stadtmusik war besonders die eigens geschaffene Uniformkommission damit beschäftigt. Als Lieferant stand rasch das Atelier Büttiker AG in Pfaffnau fest. Ein Argument war dabei die Tatsache, dass die Uniform in der Schweiz produziert wurde. Zwar kein Argument, aber eine interessante Feststellung – die Firma Büttiker entstand 1953 in Grenchen und wuchs dort. Am ihrem heutigen Sitz in Pfaffnau verglich die Kommission der Stadtmusik zuerst Stile, Schnitte, Formen und später noch Farben. Nach rund zwei Jahren stand die Wahl fest.

Aber wie sieht sie nun aus , die Neue? Ins Auge sticht sofort das schöne Rot des Vestons. Aber erst die Details machen die Unform aus. Sarah Süess – ihr oblag Entwurf und Produktion bei Büttiker – erklärte sie. Sie freute sich, die Musikantinnen und Muskanten, die sie bisher immer nur mit der obligaten Maske gesehen hat, nun erstmals ohne diese zu sehen. Der sanft geschwungene Kragen des Vestons erinnert an einen Smoking. Er besteht aus schwarzem Seidengewebe und wird um den Hals schmal.

Eine Herausforderung für die Näherei war der dreifach schmal schwarz-rot schwarz abgesetzte Besatz der Taschenöffnungen. Er bildet mit dem schwarzen Einstecktuch und den schwarzen Stoffknöpfen die Akzente. Getragen wird dazu ein weisses Hemd mit verdeckten Knöpfen und eine schwarze Seidenfliege. Seide ist auch als schmaler Streifen an der schwarze Hose zu sehen.

Aber auch eine musikalische Besonderheit gab es im zweiten Teil. Bei John Williams Thema zum Film «Schindlers Liste» trat als Gastsolist Ruwen Kronenberg auf. Eindrücklich wirkte dabei die Zwiesprache seiner Violine mit dem Englischhorn der Stadtmusik. Das ist wohl auch das Verdienst von Dimitri Vasylyev. Er konnte sein Arrangement ganz auf die Besetzung seines Orchesters ausrichten. Auch wenn man die Unform wechselt muss man nicht alle Traditionen über den Haufen werfen. Nach einer ersten Zugabe markierte er auch diesmal den Schluss, der Marsch «Vo Gränche Bigott» von Walter Schild.

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