Gegen Littering
Gesucht: «Raumpaten» sammeln in Grenchen herumliegenden Abfall ein

Rund 20 Familien, Einzelpersonen und Betriebe haben sich seit Februar dazu bereit erklärt, in der Stadt Grenchen etwas gegen Littering zu tun. Das Projekt ist gut angelaufen und zeigt sichtbaren Erfolg, wie an einem Treffen der Beteiligten mitgeteilt wurde.

Oliver Menge
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Die Raumpatinnen und -paten an ihrem Treffen.

Die Raumpatinnen und -paten an ihrem Treffen.

zvg

Das Projekt Raumpatenschaften der IG saubere Umwelt (IGSU) haben SP-Grenchen-Präsidentin Angela Kummer und Xenia Hediger, Präsidentin der Grünen in Grenchen, initiiert (wir berichteten). Bereits nach wenigen Monaten gab es im Werkhof einen Apéro für alle 20 Familien, Einzelpersonen und Betriebe, die eine Raumpatenschaft in Grenchen übernommen hatten. Trotz Hitze war gut die Hälfte aller Raumpatinnen und -paten anwesend.

Nach der Begrüssung durch Stadtpräsident François Scheidegger, welcher den im Projekt mitarbeitenden Frauen, Männern und Kindern herzlich für ihr Engagement dankte, führte Mitinitiantin Angela Kummer durchs Programm. Die anderen beiden Initiantinnen Xenia Hediger und Energiestadt-Koordinatorin Sandra Marek führten aus, dass das Projekt sehr erfolgreich gestartet sei. Seit Februar haben sich 20 Raumpatenschaft-Teams registriert, welche gemeinsam 25 unterschiedliche Quartiere abdecken. Einige hatten auch davor schon jahrelang Abfall eingesammelt, auch weil es «einfach nervt», wenn Abfall oder Zigarettenstummel achtlos zu Boden geworfen werden und danach jahrelang die Böden und Gewässer belasten oder Tiere vergiften.

Bewegung dank Abfallsammeln

Der Erfahrungsaustausch zwischen den Teilnehmenden war interessant. Eine aktive Frau hatte sich beispielsweise ein riesiges Gebiet vorgenommen, total vier Strassen. Sie schaffe das, indem sie wöchentlich eine andere Tour mache, sodass sie jede Stelle mindestens einmal im Monat aufräumen könne. Eine ältere Frau sagte, sie mache auch deshalb beim Littering-Projekt mit, weil sie vom Arzt erfahren habe, dass sie mehr Bewegung brauche. Sie verbinde das Abfallsammeln jetzt direkt mit regelmässigen Spaziergängen, obwohl sie nicht mehr so gut zu Fuss unterwegs sei.

Ein Highlight des Treffens für alle war Werkhofleiter Daniel Staufer, der den Raumpatinnen und -paten mitteilte, dass das Werkhofteam eine echte Verbesserung in den gereinigten Gebieten bemerkt habe. Der Werkhof unterstützt die Freiwilligen sehr unkompliziert mit Material und bei Fragen zur Abfallentsorgung. Man könne beobachten, dass überall, wo die Umwelt sauber ist, es die Leute mehr Überwindung kostet, Abfall einfach zu Boden zu werfen, sagte Staufer.

Selten werden Abfallsünder in flagranti erwischt

Christian Ambühl, Kommandant der Polizei Stadt Grenchen, händigte Taschenaschenbecher aus. Bussen gegen Littering seien schwierig zu verteilen, da man die Leute «in flagranti» erwischen müsse. Darum setze auch die Polizei auf Prävention. Die neuen mobilen Taschenaschenbecher verteilt sie den Rauchenden nun selbst in Parks und an öffentlichen Orten.

Xenia Hediger berichtete von den Ergebnissen einer Umfrage, die auf nationaler Ebene bei Raumpatinnen und -paten durchgeführt wurde, und sammelte in einer grösseren Fragerunde die Anliegen und Beobachtungen, die man hier in Grenchen gemacht hatte. Beispielsweise wurde gefragt, ob der Werkhof Kleber zur Verfügung stellen könnte, damit man den eingesammelten Müll mit dem restlichen Müll mitgeben könnte. Die Antwort lautete: Bei der normalen Kehrichtabfuhr braucht es Kebag-Säcke oder -Bündelmarken, die sind kostenpflichtig. Die kostenlose Entsorgung des eingesammelten Abfalls sei aber für Raumpatinnen und -paten möglich bei Abgabe im Werkhof.

Clean-up day in Grenchen 2020. Von links: Xenia Hediger, Sandra Marek und Angela Kummer.

Clean-up day in Grenchen 2020. Von links: Xenia Hediger, Sandra Marek und Angela Kummer.

Oliver Menge

Am Wochenende liegt Putzen nicht drin

Jemand merkte an, dass am Wochenende die öffentlichen Mülleimer öfter geleert werden sollten. Es sei schade, wenn der Müll schliesslich wieder am Boden landet, weil der Mülleimer überfüllt war. Die Antwort darauf war wenig ermutigend:

«Das ist eine Kostenfrage, früher war mehr Personal vorhanden und man konnte in den Frühlings- und Sommermonaten regelmässig Wochenendreinigungen durchführen.»

Aus der Mitte der Versammelten tauchte auch der Wunsch nach Flyern auf, die man eventuell abgeben könnte, wenn man auf der Tour sei, um vielleicht noch mehr Leute für das Projekt zu gewinnen. Es wurde versprochen, dass man bei IGSU abklären wolle, ob es solche Flyer gebe, ansonsten die Organisatoren selber welche kreieren werden.

Am 18. September ist Clean-up-Day

Nun wünschen sich die Organisatorinnen jedoch zuerst noch mehr Raumpatinnen und -paten sowie viele Engagierte, welche am 2. «Grenchner Clean-up-Day» vom Samstag, 18. September 2021, mitmachen.