Demnächst wird die Stadt wohl wieder 17 000 Einwohner zählen. «Grenchen sollte akzeptieren, dass es als Stadt auch städtische Probleme hat und sich diesen stellen muss», sagt Stapo-Kommandant Robert Gerber. Dies ist auch sein Fazit aus der Studie «Sichere Städte 2025».

Die Studie des Schweizer Städteverbands ist kürzlich erschienen. Ziel der Studie war es, abzuschätzen, wie sich die Sicherheitslage in den Schweizer Städten im Jahr 2025 präsentieren wird und den Städten Strategien und Massnahmen zu liefern, um mit konkreten Gefährdungen umzugehen. 33 Schweizer Städte haben an der Studie mitgemacht. Grenchen hat in der Kategorie «Kleinere Kernstädte» mit 11 Mitgliedern teilgenommen, zusammen beispielsweise mit Délémont, Zofingen oder Lenzburg.

«Mord und Totschlag» nicht vorn

«Landläufige» Gefährdungen wie Tötungsdelikte oder Autounfälle werden laut der Studie auch in 12 Jahren noch nicht als grosses Sicherheitsrisiko eingeschätzt. Sie rangieren in der Aufzählung am unteren Ende der Skala. Die relevanten Gefährdungen sowohl heute wie auch 2025 heissen hingegen Littering, Alkoholmissbrauch in der Öffentlichkeit und Jugendgewalt. Gleich bleiben, auf Rang 9, dürften auch die Vermögensdelikte, während bei Drohungen und Nötigung (auch gegen Beamte) mit einer weiteren Zunahme gerechnet wird.

Die Resultate wurden einerseits per Einschätzung erhoben, anderseits auf die aktuelle Kriminalstatistik abgestellt. In einem Workshop wurden anschliessend die Resultate diskutiert. Polizeikommandant Robert Gerber hat die Stadt in der Studie vertreten.

Auffällig ist laut Gerber, dass die Resultate bei den kleinen und grossen Städten nicht stark differieren. Der Dialog mit anderen Stadtvertretern habe für ihn aber interessante Erkenntnisse gezeitigt. Die grösseren Städte hätten akzeptiert, dass sie urbane Räume sind, mit allen dazugehörigen Vor- und Nachteilen. «Bei uns will man auch öffentlichen Verkehr fast rund um die Uhr und lange Shop-Öffnungszeiten, ist aber nicht bereit, die damit verbundenen Nebeneffekte zu tolerieren», sagt Gerber. Hier brauche es in Kleinstädten wie Grenchen noch ein Umdenken.

Grossstädtische Probleme

Dabei habe Grenchen in vielen Bereichen schon Strukturen wie eine Grossstadt, beispielsweise beim Ausländeranteil (31 Prozent) oder bei der Arbeitslosigkeit.

Andererseits sei die Stadt gemessen an der Anzahl Delikten pro 1000 Einwohner nach wie vor die Sicherste im Kanton, betont Gerber. Unter anderem macht er die funktionierende Arbeitsteilung zwischen der Stadt- und der Kantonspolizei für diesen Umstand verantwortlich. «Wir haben das System 2010 vom ersten Tag an konsequent umgesetzt und es funktioniert gut.» Bei der Stadtpolizei arbeiten zurzeit 23 Personen.

«Es wird nicht besser»

Die Stadt müsse sich auf weiteren Wandel gefasst machen. «Besser wird es sicher nicht», sagt Gerber. So habe beispielsweise allein die Eröffnung der A5 die Kriminalitätsrate dauerhaft um 20 Prozent angehoben.

Wichtig für das Sicherheitsgefühl sei auch die subjektive Einschätzung. Aus diesem Grund hat die Stadtpolizei diesen Sommer die Aktion «Vorsicht wachsamer Nachbar» lanciert. Dabei wird die Bevölkerung aufgefordert, die Nachbarn kennenzulernen, ein Auge auf die Nachbarschaft zu werfen und verdächtige Beobachtungen gegenseitig bzw. der Polizei zu melden.