Evaluation

Grenchen möchte eine kinderfreundliche Stadt sein

Freizeitangebote wie der Spielplatz Schmelzi gehören zu den Stärken von Grenchen.

Freizeitangebote wie der Spielplatz Schmelzi gehören zu den Stärken von Grenchen.

Die Stadt Grenchen prüft, sich für das Unicef-Label «Kinderfreundliche Gemeinde» zu bewerben – die Arbeiten dazu laufen bereits. Doch wie kinderfreundlich ist die Stadt überhaupt?

Wie kann Grenchen sein Angebot und seine Dienstleistungen für Kinder optimieren und gleichzeitig sein Image als familienfreundlicher Wohnort weiterstärken? Dieser zwei zentralen Fragen hat sich die Stadt angenommen. Nach einer ersten Standortbestimmung im Jahr 2009 werden demnächst Workshops organisiert, bei der Kinder und Jugendliche deponieren können, was ihnen passt, was weniger und vielleicht auch, was sie sich konkret wünschen würden.

Auf der Basis dieses Ergebnisses soll ein Aktionsplan für die Stadt Grenchen ausgearbeitet werden, welcher Verbesserungsvorschläge macht. Fernziel: das Erlangen des Unicef-Labels «Kinderfreundliche Gemeinde», welches im Kanton Solothurn bis heute erst die Gemeinde Laupersdorf erlangt hat.

Kinder fördern und ernst nehmen

«Was können wir tun, dass sich die Kinder in unserer Stadt bestmöglich entwickeln können und damit sie wirklich ernst genommen werden», fasst Stadtschreiberin Luzia Meister die Idee hinter dem Label zusammen. Meister ist sicher, dass Grenchen bereits sehr viel für die Kinder und Familien tut. Allein schon die gegenwärtigen Abklärungen im Zusammenhang mit dem Label tragen Früchte. Als konkretes Beispiel fügt sie die Broschüre für Kleinkinderbetreuungsangebote an, die nach der ersten Standortbestimmung, die sich noch rein verwaltungs- und behördenintern abspielte, eingeführt wurde.

Worum geht es bei dem Label? Vereinfacht gesagt bricht Unicef damit die Pflichten der UN-Kinderrechtskonvention auf lokale Ebene runter. Das Kind wird ins Zentrum gestellt. Zur Umsetzung der Kinderrechte – so Unicef – komme gerade der Gemeinde eine gewichtige Rolle zu, beispielsweise bei Themen wie Zugang zur Schule, Gesundheitsvorsorge, Schutz vor Gewalt und Missbrauch, genügend Freizeitangebote, kinderfreundliche Verkehrskonzepte et cetera sowie insgesamt eine höhere Lebensqualität. Das Label fördert gezielt Prozesse zur Steigerung der Kinderfreundlichkeit. Prozessorientiert bedeutet in diesem Fall auch, dass kein zwingender Handlungsbedarf gegeben sein muss, man aber dennoch nach Optimierungsmassnahmen sucht und diese vor allem organisatorisch festlegt.

In 7 Schritten zum Label

Zur Auszeichnung «Kinderfreundliche Gemeinde» gelangt eine Ortschaft in sieben Schritten. Der erste und zweite Schritt sind die Standortbestimmung anhand eines Fragebogens durch die Gemeinde selbst und die anschliessende Auswertung durch Unicef. Diese Schritte hat Grenchen bereits gemacht, wobei auch Stärken und Schwächen analysiert wurden. Besonders gut schnitt die Stadt im Bereich «Freizeit» ab, was das Angebot der Stadt und ihrer Institutionen auszeichnet. Auch im Bereich der Schulen, vor allem auf Primarstufe, wurden gute Ergebnisse erzielt. Schlechte Ergebnisse gab es beispielsweise in Bezug auf ein fehlendes Leitbild. Als Optimierungsmassnahmen wurden unter anderem die Forcierung von Gesundheitsprojekten, eine bessere Koordination zwischen Gemeinden und den diversen Betreuungseinrichtungen sowie das Einrichten von Schülerräten in den Schulen vorgeschlagen. Unicef stellt aber auch fest, dass das «pragmatisch Gute», welches die Gemeinde unternimmt und was in der Standortbestimmung noch nicht erfasst wurde, während der Workshops noch sichtbar werden wird.

Bereits hat die Gemeinderatskommission einen Projektkredit gesprochen (Schritt 3), damit die Workshops, welche von einer externen Fachperson organisiert und begleitet werden, durchgeführt werden können (Schritt 4). Es wird eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die sich aus Vertretern der Stadtkanzlei, Schulen und der Jugendkommission zusammensetzt. Schritt 5 wird die Ausarbeitung eines Aktionsplanes mit konkreten, verpflichtenden Massnahmen sein. Entscheidet der Gemeinderat dann, sich das 15000 Franken teure Label leisten zu wollen, folgen Schritt 6, die Auswertung durch Unicef und letztlich Schritt 7, die Auszeichnung selbst und damit das Recht, für vier Jahre mit dem Logo und Slogan «Kinderfreundliche Gemeinde» werben zu dürfen.

Ob man so weit geht, stehe noch nicht fest, sagt Stadtschreiberin Luzia Meister. Das sei ein politischer Entscheid. Sicher sei, dass Grenchen von den bisherigen und folgenden Arbeiten profitieren kann, weil aufgrund der IST-Analyse auch Lücken gefunden und Massnahmen werden können – ob mit, oder ohne Unicef-Label. Im Zentrum steht ja auch nicht das Label, sondern das Kind.

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