Beim Velodrome ist es kurz nach 14 Uhr noch relativ ruhig. Unten an der Neumattstrasse wurde schon am Morgen das «Village» eingerichtet, die Zeltstadt mit den Sponsoren, welche die Tour an allen Etappenorten begleiten. Inklusive des VIP-Bereiches mit grandiosen Buffets, Cüplibars und freundlichen, aber dezidierten jungen Damen am Eingang, die genauestens kontrollieren, ob man zugangsberechtigt ist oder nicht. Einigen lokalen VIPs wird Einlass gewährt, man gönnt sich ein Gläschen oder zwei.

Die Zuschauer marschieren auf

Gleich gegenüber auf dem Vorplatz des Velodrome haben sich die «Lokalen» eingerichtet. Nicht zu übersehen BMC, bei welcher man Kalender, Caps und Karten gewinnen kann. Auch Grenchen Tourismus ist da, ebenso der Turnverein, der für seine Aktivitäten wirbt. In der Festwirtschaft von Fotra riecht es lecker nach Hamburger und Bratwurst. Edith Mettler dreht Ballontiere.

Gegen halb vier füllt sich das Gelände, die Zuschauer sichern sich einen guten Platz hinter der Abschrankung bei der Zieleinfahrt. Viele, zumeist Herren älteren Semesters, haben sich in Rennmontur geworfen und sind mit dem eigenen Bike angekommen. Man kennt sich, auch Dagobert Cahannes’ Stimme aus den Lautsprechern ist vertraut. Dann tönt es plötzlich vermehrt welsch, die ersten Lautsprecherwagen treffen ein.

Nach dem Bucheggberg nach Grenchen

Eine halbe Stunde vor den Rennfahrern erreicht der Werbetross Grenchen und überquert ein erstes Mal die Ziellinie. Geschenke werden verteilt, die Zuschauer mit grünen und weissen Caps und Klatschhänden eingedeckt. Dann der erste Höhepunkt: Drei Fahrer – darunter Marcus Burghardt vom Lokalmatadoren-Team BMC – haben ein paar Minuten Vorsprung herausgefahren und werden vom Publikum bei der ersten Durchfahrt frenetisch bejubelt. Auch der Tross, der drei Minuten später folgt, wird kräftig angefeuert. Die Tour macht noch eine Schlaufe durch den Bucheggberg und durchquert anschliessend die Stadt.

Tour de Romandie durch Grenchen

Die Tour de Romandie in Grenchen

Zwischen Coop und Zytplatz haben sich ein paar Hundert Fans eingefunden. Auch bei der Löwenkreuzung und entlang der Kirchstrasse steht viel Publikum. Die drei Ausreisser haben viel von ihrem Vorsprung eingebüsst, liegen nur noch etwas mehr als eine Minute vorne.

Viele Kinder sind da, sie haben schulfrei bekommen und freuen sich über die Give-aways, die sie erhalten haben. Die Spitzengruppe wird angefeuert, kurz darauf folgt der Tross mit 163 Fahrern. Die enge Kurve bei der Löwenkreuzung macht den Radrennfahrern weniger Mühe, als den Dutzenden von Begleitfahrzeugen, die folgen. Aber alles ist tipptopp organisiert, die Stadt hat ganze Arbeit geleistet und sich für die Tour de Romandie herausgeputzt.

Beim Velodrome ist Zieleinfahrt

Auf dem Löwenparkplatzhat Metzger Neuhaus einen Grillstand eingerichtet, das Geschäft läuft, das Baracoa ist ebenfalls gut besetzt. Hier wird man bis in die Nacht weiter festen, denn schliesslich gibts am Abend noch Fussball: Basel – Chelsea. Aber jetzt ist hier für kurze Zeit Rad das Thema. Denn so schnell sie kommen, so schnell sind sie wieder weg, die Rennfahrer, sie drehen noch eine Runde über die Jurahöhen, bevor es beim Velodrome zum dritten und letzten Mal über die Ziellinie geht.

Kurz nach 17.30 Uhr wird die 2. Etappe im Sprint entschieden. Der BMC-Mann ist nicht mehr unter den Ersten, die Verfolgergruppe wurde eingeholt. Mittlerweile haben sich etwa 1500 Personen im Zielgelände eingefunden und jubeln den Fahrern zu. Die Siegerehrung ist durchorganisiert, und zwar so starr, dass Stapi Boris Banga keine Blumen übereichen darf. Auch die Grenchner Ehrendamen dürfen nicht auftreten, die Sponsoren der TdR haben eigene.

Beste Werbung für Grenchen

Die Sonne brennt stark, und wer kann, sucht sich einen Schattenplatz. Angebote wie das Geschicklichkeitsfahren werden nun rege benutzt. Die Festwirtschaft ist fast bis auf den letzten Platz besetzt: Organisatoren, Ehrengäste, Eltern mit ihren Kindern, Helfer, Gemeinderäte, Leute vom Werkhof und deren Chefs lassen den Tag Revue passieren. Man ist sich einig: Das war für die Stadt ein Top-Ereignis und beste Werbung.