Grenchen
Grenchen hat Angst, aufs Abstellgleis geschoben zu werden

Die Stadt Grenchen prüft eine Resolution zur Aufrechterhaltung der Bahnlinie Genf-Biel-Grenchen Nord-Delémont-Basel. Es soll Indizien geben, wonach die direkte Bahnlinie von Genf bis Basel nicht mehr als vorrangige SBB-Linie geführt werden soll.

Patrick Furrer
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Der Bahnhof Nord mit seinem Anschluss an den Jura und Basel ist für Grenchen wichtig

Der Bahnhof Nord mit seinem Anschluss an den Jura und Basel ist für Grenchen wichtig

Oliver Menge

Viele Bahnfahrer sind beunruhigt. Auch die Stadt Grenchen prüft aktuell eine Resolution zur Aufrechterhaltung der Bahnlinie Genf-Biel-Grenchen Nord-Delémont-Basel, denn nach dieser soll es Indizien geben, wonach die direkte Bahnlinie von Genf bis Basel nicht mehr als vorrangige SBB-Linie geführt, eventuell sogar komplett gestrichen werden soll. Die Linie soll über Olten geführt werden, der Bahnhof Grenchen Nord dadurch aufs Abstellgleis geraten. An der Gemeinderatssitzung von vergangenem Dienstag reichte die SP-Fraktion prophylaktisch eine Resolution ein, welche von den anderen Parteien gestützt wurde. Eine Schliessung der Strecke würde der Stadt und dessen Einwohnern, Pendlern, Studierenden, Geschäftsleuten schaden können. Der Gemeinderat soll sich für den Erhalt der Linie starkmachen.

Ist an den Befürchtungen etwas dran?

Allerdings: Noch ist überhaupt nicht sicher, ob sich die eidgenössischen Räte, die Regierung und die SBB überhaupt mit der Resolution beschäftigen werden müssen. Die Stadtverwaltung und die Baudirektion prüfen derzeit, ob an den Befürchtungen etwas dran ist. «Nach ersten Abklärungen mit dem Kanton können wir sagen, dass die Befürchtungen im Widerspruch zu anderen, positiven Indizien stehen, welche eher auf eine Verbesserung der Situation hinweisen», sagt Stadtbaumeister Claude Barbey. Dazu gehörten der Bau der TGV-Linie Porrentruy-Belfort sowie die Verdichtung der S-Bahnstrecke Basel-Laufen-Delémont.

Ursprung im Jura

Die Besorgnis um die Bahnlinie von Genf nach Basel ist nicht neu. Offenbar wurden die Gerüchte im Kanton Jura in die Welt gesetzt und sind nun in den Kanton Solothurn übergeschwappt. Im Schwarzbubenland sind den SBB sogar Protestschreiben und Plakataushänge gemeldet worden, auf denen die Aufhebung der Linie über Grenchen Nord prophezeit war. Die Abklärungen der Stadt aber lassen hoffen, dass doch alles nur ein Sturm im Wasserglas ist.

Auf Nachfrage dieser Zeitung nahmen auch die SBB Stellung. Gemäss Auskunft handelt es sich um blosse Gerüchte. «Wir wissen, dass die Verunsicherung gross ist. Aber an den ganzen Vermutungen ist definitiv nichts dran», sagt Mediensprecher Christian Ginsig. Es gebe keine Pläne, nach denen die Züge dieser Linie anders geführt werden sollen als bisher. «Die Leistungen bleiben dieselben», so der SBB-Mediensprecher.

Keine Gerüchten aufsitzen

Dennoch bleibt bis zum Abschluss der Abklärungen der Stadt offen, ob die Resolution eingereicht wird. Die grundsätzlichen Absichten zum Schutz des Bahnhofs leuchten ein: «Viele Fahrgäste kommen zur Arbeit oder fahren zur Arbeit nach Basel, Biel, Neuchâtel oder Bern. Der Wirtschaftsraum Grenchen braucht leistungsfähige Bahnverbindungen. Das erhöht die Beweglichkeit der arbeitenden Bevölkerung und der Studierenden. Sie trägt auch zur Ansiedlung von Unternehmen bei und fördert den sanften Tourismus.»

Deshalb will auch Stadtpräsident Boris Banga nicht alles gleich als heisse Luft beurteilen. Natürlich wolle die Stadt nicht irgendwelchen Gerüchten aufsitzen, allerdings gelte es natürlich auch, vorausschauend zu agieren. Vor 20 Jahren habe ihm schliesslich auch niemand glauben wollen, dass das Spital Grenchen geschlossen wird.