Grenchen
Grenchen feiert mit Poetry Slam und Orgelklängen den Neujahrstag

Texte und Musik gekonnt kombiniert:: Slam Poetin Daniela Dill und Organist Eric Nünlist lieferten in der Grenchner Zwinglikirche eine spannende Darbietung.

Nadine Schmid
Merken
Drucken
Teilen
Texte und Musik gekonnt kombiniert: Organist Eric Nünlist und Slammerin Daniela Dill.

Texte und Musik gekonnt kombiniert: Organist Eric Nünlist und Slammerin Daniela Dill.

Nadine Schmid

«‹To slam› heisst so viel wie schlagen, es kann sein, dass sich ein wenig vom Verputz löst», witzelte Organist Eric Nünlist in der Zwinglikirche zu Beginn des Anlasses und referierte damit auf die Gattung «Poetry Slam». Für den traditionellen Neujahrstag wurde im Rahmen der Abendmusiken in der Zwinglikirche eine packende Darbietung auf die Beine gestellt: Slam Poetin Daniela Dill trat mit ihren Texten auf, wobei Nünlist jeweils im Anschluss passend Stücke spielte, die sich in irgendeiner Weise auf die eben gehörten Worte bezogen.

Sprache meisterhafte umgesetzt
Bereits nach den ersten Sätzen wurde deutlich, dass die junge Baselbieterin die Sprache meisterhaft beherrscht. Ihre Texte besitzen einen fesselnden Rhythmus und sind poetisch. Gekonnt spielte sie mit der Sprache und ihrer Stimme, regulierte raffiniert das Sprechtempo und nutzte Gestik und Mimik. Es wurden diverse Themen auf die Schippe genommen, so die Entfremdung und Ausnützung der Natur durch den Menschen. Es wurden auch skurrile Bilder geschaffen. In «Dort änen am Berglein» beispielsweise will das achte «Geisslein» in der Familie in Cambridge Theologie studieren, während die Brüder Grimm ein Casting für Wölfe durchführen, um die beste Rolle für den Wolf ihres Märchens zu finden.

Nünlist führte darauf eine feinfühlige Improvisation vom bekannten Volkslied «Det änen am Bärgli» auf dem Flügel auf, die mit wohligen Klängen den Raum ausfüllte und mit Tempi spielte. Im Anschluss an den Text «Dampfschiff» von Dill gelang es Nünlist, auf der Orgel durch das «Präludium in e-Moll» (Johann Sebastian Bach) ein Ambiente einer stürmischen See zu schaffen. Immer tiefer tönten die Pfeifen der Orgel und schienen nicht nur den Orkan des Textes wiederzugeben, sondern auch die Töne des Schiffes.

Faszination der Bühne
Dill hat sich dem Poetry Slam verschrieben, weil es sie auf die Bühne zieht und sie von der Sprache und dem Schauspielern fasziniert ist. Gegen Schluss präsentierte sie zwei Texte auf Mundart. Diese regten die Lachmuskeln an und erzählten von nervenaufreibenden Fahrten mit dem öffentlichen Verkehr: Während in «Grüschteti Ärdbeeri» eine Frau im Zug von Olten bis Basel durchtelefoniert und scheinbar nur einmal Luft zu holen scheint, wird in «Wettisch der Nuggi» eine Mutter vorgestellt, die mit ihrem stillen, zweijährigen Kind unterwegs ist, mit diesem pausenlos redet und sich durch den Inhalt ihrer Worte bei den anderen Fahrgästen selbst lächerlich macht.
Der Anlass war sehr gut besucht und das Publikum begeistert. Dieses würdigte am Ende die beiden Künstler denn auch mit einer Standing Ovation. Nach einer Zugabe wurde zu einem gemütlichen Apéro geladen.