Begrüssung
Grenchen empfängt Neuzuzüger – oder wie man hierzulande Wurzeln schlägt

Die Stadt Grenchen führte erstmals einen Anlass für Einwohner aus anderen Kulturkreisen durch.

Andreas Toggweiler
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Erste Neuzuzügerbegrüssung für Fremdsprachige in Grenchen
13 Bilder
Dolmetscherin Angelica Briciu (mitte) übersetzt auf Rumänisch
Die Infostände waren rege besucht
Mehrere Dutzen besucher wurden begrüsst
Junge Männer machen sich schlau
Der Anlass fand in der alten Turnhalle statt
Richard Aschberger, Präsident der Integrationskommission, begrüsst
Jede Sprache hatte ihren Tisch
Infomaterial zum Mitnehmen
Auch rund 30 Kinder wurden im Lindenhaus betreut
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Erste Neuzuzügerbegrüssung für Fremdsprachige in Grenchen

Andreas Toggweiler

Die Stadt Grenchen erhält vom Kanton Geld, um ein Pilotprojekt mit Neuzuzügern durchzuführen. Seit gut einem Jahr werden Personen aus anderen Kulturkreisen zu einem Erstgespräch aufgeboten, wenn sie sich in Grenchen anmelden.

Laut Stadtschreiberin Luzia Meister, die auch Integrationsbeauftragte der Stadt ist, haben seit September 2016 schon rund 200 solche Integrationsgespräche stattgefunden, die meisten unter Beizug von Dolmetschern. Die Stadt und der Kanton erhoffen sich durch diese Erstgespräche eine bessere Integration.

Mehrere Dutzend Besucher

Zum Pilotprojekt «Startpunkt Integration» gehört auch ein Anlass für die neu nach Grenchen ziehenden Einwohnerinnen und Einwohner. Ein erster Anlass hat nun am Sonntag in der alten Turnhalle stattgefunden und wird von Meister als Erfolg gewertet. «Die Leute haben die Gelegenheit zur Informationsbeschaffung intensiv genutzt. Genau das war unser Ziel.»

Von den rund 300 eingeladenen Neuzuzügern hätte sich etwa jeder Dritte zum Anlass angemeldet. In der alten Turnhalle erwartetes sie Informationen zu verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen: Schule, Gesundheitswesen, Vereine, Sprachkurse etc. «Ich schätze, dass Menschen aus etwa 20 Nationen hier sind», erklärte Meister. «Einzelne, die sich angemeldet hatten, kamen nicht, dafür solche, die nicht angemeldet waren...»

Für die Dauer des Info-Anlasses wurden die Kinder – an die 30 an der Zahl – kostenlos vom Lindenhaus Team betreut. Letzteres war auch für die Verpflegung mit Bratwurst und Kartoffelsalat zuständig.

Die Besucherinnen und Besucher konnten sich nach Sprachgruppen an Tische zusammensetzen, wo sie von einer Dolmetscherin betreut wurden. «Die Organisation der Erstgespräche in Grenchen klappt hervorragend», lobte Angelica Bricin, Dolmetscherin bei der Organisation «Heks Linguadukt Aargau/Solothurn», welche Übersetzungen für Rumänisch und Ungarisch anbietet. Sie betreute an einem Tisch eine kleine Gruppe rumänischsprachiger Zuzüger.

Nachdem auch die letzten Latinos eingetroffen waren, begrüsste Stadtpräsident François Scheidegger die Gäste und Mitwirkenden. «Jedes Jahr ziehen mehrere Hundert Menschen nach Grenchen. Manche gehen wieder weg. Viele kommen aus dem Ausland, das war schon vor 100 Jahren so. Gerade Grenchen hat eine lange Integrationsgeschichte», sagte Scheidegger.

Heute sei allerdings anders, dass viele Leute aus fernen Ländern kämen, «mit Kulturen und Sprachen, die wir nicht verstehen. Das ist nicht einfach, weder für Sie noch für Menschen, die hier wohnen.»

Wohlstand selber erarbeitet

Die Schweizer Bevölkerung habe für die Attraktivität des Landes hart arbeiten müssen. Noch vor 100 Jahren habe es hier Hunger, Armut und Wohnungsnot gegeben. Bildung und stete Weiterbildung, Qualitätsdenken, Arbeitsmoral und Berufsstolz, Demokratie, Rechtssicherheit und die Respektierung andersdenkender waren einige der Faktoren, die Scheidegger aufzählte, welche für die Entwicklung der Schweiz wichtig gewesen seinen. Zentrales Element in einem hoch entwickelten Land ohne Bodenschätze sei aber die Bildung.

Scheidegger rief die Besucher auf, sich für ihre Integration zu engagieren, die Sprache zu lernen, Kontakte zu knüpfen. «Einige von Ihnen sind aus ihrem Herkunftsland geflüchtet; ich wünsche allen von herzen, dass Sie möglichst bald wieder nach Hause können.» Auch für Sie sei lernen wertvoll. «Wissen können Sie heim nehmen und dort etwas damit bewirken.»

Aufruf zur Kooperation

Richard Aschberger, SVP-Gemeinderat und neuer Präsident der Integrationskommission, doppelte in diesem Sinne nach. «Wir sind ein hoch entwickeltes Land und haben keine Arbeitsplätze für Personen ohne Ausbildung. Selbst wer bei uns einen Job hat, muss sich stetig weiterbilden.» Er rief auf, die von der Stadt angebotenen Hilfestellungen und Sprachkurse auch zu benutzen. Auch ehrenamtliches Engagement in Vereinen sei sehr hilfreich für die Integration. Wie Aschberger am Rande des Anlasses sagte, gelte es jetzt noch Lösungen zu entwickeln für Renitente. «Es geht nicht, dass wir Termine abmachen, einen Dolmetscher mit Kostenfolge aufbieten und dann taucht die Person nicht auf.» Dies komme leider immer wieder vor und diese Kosten müssten auf die Verursacher überwälzt werden.

Elisabeth Egli, Präsidentin von Granges Mélanges stellte den Verein vor der sich mit Themen rund um das fremd und heimisch sein in Grenchen befasst. Die rund acht Anlässe, darunter das Sprachcafé für Frauen seien eine ideale Plattform, um das in den Deutschkursen gelernte anzuwenden und Kontakte zu knüpfen.

Nach der Begrüssung konnten sich die Besucher an verschiedenen Informationstischen mit Unterlagen bedienen und unterstützt vom Dolmetscher Fragen stellen. Der Stadtpräsident dankte den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, insbesondere aus der Integrationskommission, welche diesen ersten Anlass überhaupt möglich gemacht hätten. Für Neuzuzüger, welche eine Landessprache sprechen oder aus dem «abendländischen» Kulturkreis stammen, soll am 1. August ein weiterer Anlass mit anderen Schwerpunkten stattfinden.