Grenchen
Co-Piloten-Projekt der Caritas wird verlängert – neue Freiwillige gesucht

Die erste Gruppe in Grenchen ist trotz Pandemie erfolgreich unterwegs.

André Weyermann
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Die Piloten mit ihren Co-Piloten beim Fototermin.

Die Piloten mit ihren Co-Piloten beim Fototermin.

André Weyermann

Seit gut einem Jahr gibt es in Grenchen das Projekt zur Flüchtlingsbetreuung «Co-Piloten», welches 2016 von der Caritas Solothurn ins Leben gerufen wurde. Freiwillige (Co-Piloten) begleiten dabei erwachsene Flüchtlinge und Migranten (Piloten), die Aussicht haben, längere Zeit in der Schweiz verweilen zu dürfen.

Zehn Co-Piloten konnten in Grenchen gefunden werden

In unserer Gemeinde hat Stadtschreiberin und Integrationsbeauftragte Luzia Meister 2020 dieses Mentoring-Projekt aufgegleist. Mit schönem Erfolg. Zehn Personen, und damit ausreichend für eine Grenchner Gruppe, konnten gefunden werden, welche ihre «Schützlinge» (Einzelpersonen, Paare oder gar Familien) durch den schweizerischen Alltag begleiten, ihnen bei administrativen «Tücken» beistehen, bei der Wohnungs- oder Jobsuche, bei Prüfungsvorbereitungen und vielem mehr. Welche anstehenden Aufgaben und Herausforderungen die Partner angehen, ist ihnen selbst überlassen. Normalerweise bleiben die Partner ein Jahr zusammen.

Projekt wird um ein weiteres Jahr verlängert

Entsprechend sollte nun in einem Abschlussfest beim Lindenhaus Fazit gezogen werden. Daraus wurde aber ein «gewöhnliches», fröhliches Sommerfest. Die Verantwortlichen und die Co-Piloten sind nämlich übereingekommen, das Projekt, um ein Jahr zu verlängern. Dazu Luzia Meister:

«Der Hauptgrund liegt in der Pandemie. Unser Ziel war es, unter dem Motto ‹Grenchner helfen Grenchner› neben den individuellen Zusammenkünften auch als Gruppe etwas zu unternehmen und die Integration zu beschleunigen. Unter den gegebenen Umständen war dies nicht möglich. Da wir aber feststellen durften, dass es bei fast allen Partnern gut läuft, haben wir uns für eine Verlängerung entschieden. Parallel werden wir an einem Anlass am 18. August weitere Co-Piloten suchen.»

Die von Annette Lüthi von der Caritas moderierte und von den «Piloten» vorgetragene Zwischenbilanz förderte viel Erfreuliches zu Tage: Fortschritte in der Sprachbeherrschung, neue Kontakte auch in Vereinen, spannende Aktivitäten, bessere Integration bis hin zum Finden einer Wohnung oder gar eines Jobs und dem Bestehen des Lehrabschlusses. Natürlich gab es auch Rückschläge: So hatte eine Familie die Covid-Erkrankung zu überstehen, bei anderen drückt die Unsicherheit darüber, ob sie hier bleiben können, auf die Moral. Und trotzdem lässt sich kaum jemand unterkriegen. Ein Paar aus dem Tibet zum Beispiel, das nicht arbeiten darf, engagiert sich freiwillig im Sunnepark und im Sportverein.

Zwei Beispiele

Picken wir an dieser Stelle noch zwei «Statements» heraus. Konrad Schleiss ist soziales Engagement wichtig. «Wenn ich die Möglichkeit habe, Menschen in nicht einfachen Situationen den Lebensweg zu erleichtern, so will ich das auch tun.» Mit seinem Piloten, einem jungen Eritreer, hat er so einiges unternommen. Vor allem aber unterstützt er ihn bei schulischen Dingen. Dieser ist denn auch auf dem besten Weg, schon bald in einer Autowerkstatt mit dem Eidgenössischen Berufsattest (EBA) abzuschliessen.

Etwas steiniger war der Weg bei Anna Messerli und ihrem Schützling. Die Frau aus dem Iran hatte sich den Lehrgang Pflegehelfende SRK vorgenommen. «Sie war auch sehr fokussiert, in ihrer Heimat arbeitete sie immerhin als Lehrerin. Schliesslich scheiterte sie aber an der wirklich anspruchsvollen Deutschprüfung für diese Arbeit. Nun muss sie wieder Geld verdienen, sich mit kleineren Arbeiten begnügen, um die Familie über Wasser halten zu können. Natürlich unterstütze ich sie auch dabei.»

Das Projekt bringt Mehrwert für beide Seiten

Das Projekt Co-Pilot ist also ein aussichtsreiches Instrument zur besseren Integration. Gleichzeitig bringt es auch den Freiwilligen Mehrwert, indem sie Einblicke in andere Kulturen erhalten, Menschen mit ihrer Erfahrung helfen können. Der zeitliche Aufwand hält sich in Grenzen. Erwartet wird, dass man sich mindesten zweimal monatlich trifft. Es darf natürlich auch «es bitzeli mehr sein».

Mit «Co-Pilot» neue Welten entdecken

Freiwilliges Engagement ist spannend, eröffnet neue Welten und ermöglicht beglückende Momente.

Beim Projekt Co-Pilot engagieren sich Freiwillige als Mentorinnen und Mentoren für Einzelpersonen oder Familien mit Migrationshintergrund. Während eines Jahres treffen sich die Freiwilligen zwei- bis viermal pro Monat mit ihren «Piloten» und unterstützen diese dabei, sich bei uns zurechtzufinden. Nachdem schon letztes Jahr erfolgreich eine Gruppe für Grenchen und Umgebung starten konnte, soll nun eine weitere Gruppe gegründet werden, wiederum für ein Jahr. Die Caritas bietet den Freiwilligen eine sorgfältige Einführung, die Möglichkeit zur Teilnahme an Weiterbildungen und Vernetzungstreffen sowie eine Ansprechperson bei auftauchenden Fragen.

Informationsveranstaltung für eine neue Grenchner Gruppe: Mi, 18. August 2021, von 19.00–20.00 Uhr Aula Schulhaus IV, Schulstrasse 35, Grenchen. Die Teilnahme ist unverbindlich. Weitere Informationen unter: www.caritas-solothurn.ch