Flugschulen

Grenchen bleibt Ausbildungs-Standort für Swiss-Piloten

Die Maschinen von Swiss Aviation Training (SAT) starten und landen weiterhin in Grenchen.

Die Maschinen von Swiss Aviation Training (SAT) starten und landen weiterhin in Grenchen.

Aufatmen am Grenchner Flughafen: Lufthansa-Tochter Swiss setzt weiterhin auf den Ausbildungsstandort Grenchen. Die Flugschule bleibt erhalten, muss sich aber dem Preiswettbewerb stellen.

Im Januar hatte der Lufthansa-Konzern angekündigt, dass er die Ausbildung von Piloten und Flugbegleitern in einer Organisation in München (Lufthansa Aviation Training) konzentriert.

Was dies für für Grenchen bedeutet, wo die Lufthansa-Tochter Swiss ihre Piloten ausbildet, war bis Montag unklar. Jetzt wurden die Flughafen-Verantwortlichen von der Swiss über die getroffenen Dispositionen orientiert. Fazit: Grenchen bleibt Ausbildung-Standort der neu zu gründenden «European Flight Acadamy», des Ausbildungsverbundes mit Flugschulen in Deutschland, der Schweiz und in den USA.

Uschi Roth, Sprecherin von Swiss Aviation Training (SAT) bestätigt diese Informationen. Zwar sei in der Schweiz eine Umstrukturierung bzw. eine Veränderung des Angebotes vorgesehen, zurzeit ergäben sich aber keine Änderungen. Insgesamt soll aber die Ausbildung standardisierter werden und (auch für Drittkunden) «zu wettbewerbsfähigen Preisen» erfolgen.

Das heisst: die Flugschulen (auch Grenchen) müssen sich einem wirtschaftlichen Benchmark stellen. «Mit wachsenden Flugzeugflotten steigt auch die weltweite Nachfrage nach gut ausgebildeten Besatzungen», wird zudem der designierte CEO von Lufthansa Aviation Training, Rainer Hiltebrand, zitiert.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor

Flughafen-Sprecher Conrad Stampfli freut sich, denn: «Die Swiss Aviation Training ist für den Flughafen Grenchen ein bedeutender Kunde.» Die Streichung von Grenchen als Ausbildungsort hätte für uns namhafte Einbussen zur Folge gehabt». Diese wären sowohl finanzieller wie auch ideeller Art. «20 Prozent der Flugbewegungen in der Schweiz sind Ausbildungsflüge. In Grenchen sind es sogar 60 Prozent», umreisst Stampfli die Bedeutung der Branche für den Flughafen.

Zwar machen die Landetaxen den Braten nicht feiss, weil der Flughafen im Sinne der Ausbildungsförderung dort für Sichtflüge die Gebühren erlässt und für Instrumentenflüge reduzierte Tarife verrechnet. Beim Flugbenzinverkauf sei SAT aber ein bedeutender Kunde und die Präsenz der Swiss-Ausbildungsabteilung in Grenchen sei nicht zuletzt auch eine Prestige-Angelegenheit. «Wenn die nationale Airline unsere Infrastruktur nutzt, hat das für uns mehr als nur finanzielle Bedeutung», meint Stampfli.

Bis 80 Piloten jährlich

Kommen die Arbeitsplätze im und um den Flughafen dazu, die mit den Flugbewegungen einhergehen: Hangarplätze für Flieger, Restauration, Büros etc. Eine Wertschöpfungsstudie des Flughafens spricht von 26 Mio. Fr. und 210 Arbeitsplätzen für den gesamten Flughafen und sein Umfeld. Wenn davon 20 Prozent verschwinden, ist das kein Klacks.

SAT-Mediensprecherin Uschi Roth beziffert die Anzahl Mitarbeiter in der Pilotengrundausbildung bei SAT auf insgesamt 100 Personen (inklusive Teilzeitmitarbeiter und Freelancer) Diese sind an den drei Standorten Kloten, Grenchen und Vero Beach in Florida (USA) tätig. Jährlich bilde SAT für die Swiss rund 60 bis 80 neue Piloten aus.

«Grösster Ausbildungsflughafen»

«Grenchen ist der grösste Ausbildungsflughafen der Schweiz», betont Stampfli. 50 Prozent aller Ausbildungsflüge mit Flugsicherung würden ab Grenchen geflogen. Sowohl SAT als auch eine weitere Flugschule haben den Status einer Fachhochschule. «Deshalb kämpfen wir natürlich mit dafür, dass der Ausbildungsplatz Schweiz für die Pilotenausbildung gesichert wird.»

Apropos Flugsicherung: Hier liegt eine weitere «Baustelle», auf welcher der Flughafen Grenchen sich zurzeit engagiert - engagieren muss. Denn der Schweizer Flugsicherungs-Monopolist Skyguide hat zurzeit vom Bund einen Sparauftrag über 7 Mio. Fr. Die Hälfte davon soll bei den Regionalflughäfen eingespart werden. Auch wenn der Verteilschlüssel zurzeit erst ausgearbeitet wird: Grenchen ist davon substanziell betroffen.

GPS statt Skyguide?

«Es ist ein Problem, das wir offensiv angehen», meint Stampfli dazu. So engagiere sich der Flughafen Grenchen an einem Pilotversuch mit GPS-geführten Anflügen. Dies mit dem Ziel, auf weniger Dienstleistungen bzw. Präsenzzeit von Skyguide-Mitarbeitern im Grenchner Tower angewiesen zu sein.

Doch diese Dienstleistungen können nicht einfach beliebig reduziert werden, denn gerade auch die Pilotenausbildung der SAT ist auf die Präsenz von Skyguide angewiesen. «Für eine professionelle Ausbildung ist eine funktionierende Flugsicherheitsinfrastruktur zwingend notwendig», meint SAT-Sprecherin Uschi Roth. Falls diese reduziert würden oder wegfallen, «müsste überprüft werden, ob sämtliche Flugplatzaktivitäten dort noch durchführbar wären.»

Dennoch zeigt sich Conrad Stampfli zuversichtlich, dass für das Skyguide-Problem eine Lösung gefunden wird, da der Flughafen selber aktiv an der Ausgestaltung einer künftigen Flugsicherung an den Schweizer Regionalflughäfen mitarbeite. Dass die Swiss weiter in Grenchen ausbilden will, stärke Grenchen gegenüber allfälligen Abbauplänen von Skyguide zudem den Rücken.

Erneute Verschärfung

Mehr Bauchschmerzen macht ihm die dritte Baustelle. Ab Herbst werden die Vorschriften für (privat betriebene) Business-Jets nochmals verschärft. Dies aufgrund einer neuen europäischen Regelung, welche die Schweiz übernehmen muss. Sie schreibt vor, dass die Flughöhe am Pistenanfang noch mindestens 50 Fuss (rund 15 Meter) betragen muss. Dies würde laut Stampfli beim Einhalten der vorgegebenen Sinkraten Anflüge von Westen her praktisch verunmöglichen.

Immerhin: der Kantonsrat hat unlängst die Regierung explizit nicht davon entbunden, für eine Verbesserung der Sicherheit auf der die Pistenachse querenden Archstrasse eine Untertunnelung zumindest zu prüfen. Dies könnte am Ende in ein paar entscheidenden zusätzlichen Meter Flughafenpiste münden. Zu der ja bekanntlich auch die (im Osten erfolgreichen) Gegner Hand bieten würden.

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