Grenchen ist von jeher eine Stadt, die stark von Zuwanderern geprägt ist. Menschen aus 85 Nationen leben in der Industriestadt. Diese Vielfalt brachte 2001 eine lose Gruppierung auf den Gedanken, die Kommunikation unter den Nationen verbessern zu wollen und Vorurteile abzubauen. 2003 entstand daraus der Verein Granges Mélanges.

Monika Bruder vom Kultur-Historischen Museum ist überzeugt, dass Grenchen unbedingt einen solchen Verein braucht: «‹Granges Mélanges› fördert vor allem die Integration der Frauen, während die Männer oft durch ihre Arbeit integriert werden. Viele ausländische Frauen würden ohne den Verein einsam zu Hause sitzen und gar nie richtig in Grenchen ankommen.»

So vielfältig wie seine Mitglieder ist auch das Angebot des Vereins. Es werden Deutschkurse durchgeführt, ein interkulturelles Sprachcafé ist Treffpunkt des lebendigen Austausches, daneben werden Workshops und Podiumsdiskussionen organisiert.

Stadtpräsident Boris Banga lobt an der Vernissage der Ausstellung das grosse Engagement: «Der Verein spricht nicht nur von Integration, er lebt sie.» Von Beginn an sei die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen gesucht worden, was zu nutzbringenden Synergien geführt habe. Ausserdem habe der Verein immer darauf geachtet, dass das sinnliche Moment nicht verloren geht, beispielsweise beim gemeinsamen Kochen. «Integration geht auch durch den Magen», ergänzt Banga schmunzelnd.

Für die Zukunft wünscht er dem Verein ungebrochen Enthusiasmus. Auch Hilda Heller Butt, Integrationsdelegierte des Kantons Solothurn, lobt «Granges Mélanges» in den höchsten Tönen: «Für die kantonale Integrationsarbeit ist diese Vernissage ein bedeutendes Ereignis.» Nicht zu Unrecht habe der Verein 2008 den Sozialpreis gewonnen.

Berührende Schicksale

Angela Kummer vom Museum spricht bei der Gastausstellung zum 10-Jahr-Jubiläum von einem Ausstellungsprojekt: «Vom Aufwand her hat die Ausstellung eine grosse Dimension angenommen, es gab sehr viel Vorarbeit. Schliesslich wurde gar noch ein Film realisiert.»

Die Ausstellung «angekommen in 2540 Grenchen» zeigt zum einen das Vereinsporträt von «Granges Mélanges». Zum anderen stellt Filmemacher Olivier Messerli zehn Lebensgeschichten von Migranten vor, jeweils zur Hälfte in Film und Audio. Alle Protagonisten brachten ausserdem einen Gegenstand aus der alten und neuen Heimat mit, von denen jeder seine eigene Geschichte erzählt.

Sie berichten von Chancen und Schwierigkeiten ihrer Integration in Grenchen, so beispielsweise die Agenda von Nathaly Meier Moreno aus Venezuela: «In der Schweiz musste ich mich zuerst an ein neues Zeitgefühl gewöhnen. Pünktlichkeit ist hier viel wichtiger.» Messerli skizziert in authentischer Weise zehn berührende Schicksale von Migranten, die in Grenchen angekommen sind und sich hier zu Hause fühlen. «Manche Geschichten sind mir persönlich sehr unter die Haut gegangen. Für mich war es eine äusserst bereichernde Arbeit, ich überlege mir sogar, das Projekt noch weiter zu verfolgen», so Messerli.

Die Ausstellung kann noch bis zum 21. September besichtigt werden.