Serie Bachtelen
Giuseppe Mazzini findet Zuflucht im Bachtelenbad

Einer der wichtigsten Personen in der Geschichte des Bachtelen ist der italienische Revolutionär und Freiheitsheld Giuseppe Mazzini. Ein Rückblick in seine Zeit.

Rainer W. Walter
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Giuseppe Mazzini auf einer zeitgenössischen Fotografie

Giuseppe Mazzini auf einer zeitgenössischen Fotografie

Von Rainer w. Walter

Der Badwirt Josef Girard und sein Sohn, der Arzt Dr. Josef Girard, waren bekannt, dass sie zu den Liberalen gehörten. Dr. Girard führte die 200köppfige Grenchner Delegation 1830 zum Balsthaler Tag und unterschrieb hier die Liste der Forderungen, welche die revolutionären Solothurner der Regierung stellten. – Kein Wunder sollte hier im Bachtelenbad der Genuese Giuseppe Mazzini, der aus dem Piemont verbannt war und als gefährlicher Revolutionär gesucht wurde, die richtige Umgebung finden.

Metternich: «Ein Schuft von einem Italiener»

Der 1805 geborene Mazzini trat in jungen Jahren dem Geheimbund der Carbonari (der Köhler) bei. Weil er in seiner Heimat als gefährlicher Mann gesucht wurde, gründete er in Marseille 1831 das «Junge Italien». Fürst Metterrnich, einer der führenden Fürsten Europas, sagte einmal:» «Ich hatte gegen die grössten Feldherrn zu kämpfen; es gelang mir Kaiser, Könige, einen Zaren, einen Sultan, einen Papst zu einigen. Aber niemand auf Erden hat mir grössere Schwierigkeiten bereitet als ein Schuft von einem Italiener, mager, blass, zerlumpt, aber beredt wie ein Sturm, glühend wie ein Apostel, abgefeimt wie ein Dieb, frech wie ein Komödiant, unermüdlich wie ein Verliebter, und der hiess Mazzini.» Mit dieser Aussage war Mazzinis Ruf als gefährlicher Revoluzzer von europäischem Ausmasse hinlänglich begründet.

Teil 3

In dieser 10-teiligen Serie beleuchten wir die Geschichte und Aspekte des Bachtelen, das in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen feiert. Im letzten Teil beleuchten wir die Entstehung des Heilbades. Heute und in den beiden nächsten kommen wir auf den wichtigsten Grenchner Asylbewerber zu sprechen: Giuseppe Mazzini.

Auf seiner Flucht gründete Mazzini 1831 in Marseille einen neuen Geheimbund «Das junge Italien». Nach einem missglückten Einfall in Savoyen, rettete sich Mazzini zuerst nach Lausanne, dann nasch Bern und als er dort ausgewiesen wurde, nach Grenchen. Das Bachtelenbad war für ihn, den Flüchtenden, ein ideal gelegener Ort, etwas vom Dorfzentrum entfernt und nahe der Kantonsgrenze zu Bern. Hier gründete er eine ähnliche schweizerische Geheimorganisation, «Die junge Schweiz», dann mit Emigranten anderer Länder zusammen «Das junge Deutschland» und «Das junge Polen». 1835 wurden alle diese Organisationen zusammengefasst im «Jungen Europa».

Die Devise der politischen Bewegung, die aus diesen Organisationen herauswuchs, lautete: «Freiheit und Gleichheit, Menschlichkeit und Unabhängigkeit und Einheit.» Ihre Ideale stammten aus dem Ideenschatz der französischen Revolution, wie sie von Jean Jacques Rousseau und Condorcet, später von Fourier und St. Simon erarbeitet worden waren. Die Abneigung gegen den Materialismus trennte Mazzini von der damaligen sozialistischen Anschauung und Lehre. Gott, das Volk und die Brüderlichkeit waren seine Ideale.

Spion aus Wien

Der Wille Gottes zeigte sich im Streben des Menschen nach Freiheit Freiheit des einzelnen durch Überwindung des Egoismus, Freiheit von Anhänglichkeit an die Materie und schliesslich Freiheit des Volkes in einer umfassenden Bruderschaft. Diese Ideale sollten durch Erziehung, vor allem durch die Mittel der Presse und der Revolution, erreicht werden. – Das Bachtelenbad wurde als Zufluchtsort der Asylanten in Europa bekannt. Fürst Metternich entsandte einen Spion ins Bad, der ein wachsames Auge auf das dortige Geschehen halten sollte. Dieser berichtete nach Wien, es gehe hier im Bad zu und her wie in einem Bienenhaus.

Das Heilpädagogische Zentrum Bachtelen, die bedeutendste heilpädagogische Institution im Kanton Solothurn, feiert heuer ein Jubiläumsjahr: 125 Jahre Bestehen und 100 Jahre am Standort Bachtelen. Dieser hat eine wichtige Vorgeschichte.