Umwelt
Gibt es in Grenchen bald auf jedem Dach eine Solaranlage?

In der letzten Zeit gab es auffallend viele Baugesuche für Solaranlagen – es sind so viele wie nie zuvor. Grenchen eignet sich für die grünen Anlagen vorbildlich.

Oliver Menge
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Hanglage, ideale Ausrichtung und dank der Abstufung wenig Schatten von anderen Häusern: Viele Grenchner Dächer eignen sich optimal für Solaranlagen. Oliver Menge

Hanglage, ideale Ausrichtung und dank der Abstufung wenig Schatten von anderen Häusern: Viele Grenchner Dächer eignen sich optimal für Solaranlagen. Oliver Menge

Solothurner Zeitung

«Seit Anfang Jahr sind bei uns bereits 20 Gesuche eingegangen», bestätigt Jürg Vifian, Chef Hochbau und stellvertretender Stadtbaumeister. «Das sind fast gleich viele wie im gesamten letzten Jahr. Damals wurden bei uns von Januar bis Ende Dezember 22 Gesuche bearbeitet.» 9 Gesuche für Photovoltaik-Anlagen, 6 für Warmwasseraufbereitung und 5 für noch nicht definierte Anlagen wurden bislang eingereicht. Und die Chancen für die Bewilligungen seien sehr gut, sagt Vifian. «Wir lösen allfällige Probleme meist bilateral und machen den Gesuchstellern Vorschläge für eventuell nötige Änderungen.»

Städte wie Solothurn hätten es da schwieriger, sagt Vifian. Denn anders als in Grenchen träten dort Interessengruppen wie der Heimatschutz, der Denkmalschutz und andere Institutionen in Aktion, wenn es darum gehe, auf einem historischen Dach eine Solaranlage zu montieren. In der Stadt Grenchen, die keine eigentliche Altstadt habe, stelle sich diese Problematik erst gar nicht.

Umdenken nach Fukushima

Einerseits habe, so Vifian, sicher die Atomkatastrophe in Fukushima eine wesentliche Rolle gespielt und ein Umdenken bei manchen Stromkonsumenten herbeigeführt. Andererseits sei ein auf Solaranlagen spezialisiertes Unternehmen aus der Region sehr aktiv mit Werbung und Direkt-Mailings – die Helion Solar GmbH aus Lohn-Ammannsegg. Fünf der zwanzig hängigen Gesuche sind von dieser Firma eingereicht worden.

«Grenchen ist für uns ein sehr gutes Pflaster», bestätigt Tony Heynen, Geschäftsleitungsmitglied von Helion Solar. Viele ideal ausgerichtete Einfamilienhäuser, am Hang gelegen, abgestuft und folglich nicht von anderen Häusern beschattet – das sei die beste Lage. «So erreicht man den optimalen Wirkungsgrad. Das ist in Grenchen vielerorts der Fall.»

Den Fukushima-Effekt bestätigt auch er: «Wir können klar feststellen, dass diejenigen Hauseigentümer, die vor Fukushima nicht so recht wussten, ob sie eine Solaranlage auf ihr Dach montieren wollten oder nicht, sich danach mehrheitlich dafür entschieden haben.» Denn habe sich der Kunde erst einmal richtig informiert, sei der Schritt zur Ausführung nicht mehr gross, sagt Heynen. Es gebe einen klaren Trend zu den stromerzeugenden Photovoltaik-Anlagen. Warmwasseraufbereitung mit Solarenergie komme meist erst dann infrage, wenn ein Boiler ersetzt werden müsse.

Fördergelder vom Bund

Und teuer sei das Ganze eben nicht: «In unseren Mailings machen wir einfache Rechnungsmodelle: Eine Photovoltaik-Anlage, welche die Energie für ein durchschnittliches Einfamilienhaus produziert, kostet fix fertig montiert rund 24000 Franken. Der Kanton steuert einmalig 2400 Franken bei. Solothurn ist übrigens diesbezüglich schweizweit führend. Nach Abzug der Steuern – ist das Gebäude älter als 5 Jahre sind dies 100 Prozent der Kosten – verbleiben rund 15000 bis 17000 Franken Investitionskosten.»

Vom Bund gebe es später auch noch Fördergelder, etwa die Kostendeckende Einspeisevergütung, die 2008 ins Leben gerufen wurde. Zwar sei die Warteliste der Interessenten noch sehr lang, aber auch hier habe Fukushima einen entsprechenden Effekt. Es sei gut möglich, dass die Gelder schneller fliessen als bisher und kleinen Stromproduzenten mit ihren Solaranlagen eher zugutekommen.

Stadt will auch Beiträge leisten

Auch die Stadt Grenchen möchte ab nächstem Jahr einen Beitrag zur Förderung der erneuerbaren Energieversorgung leisten, teilt Jürg Vifian von der Baudirektion mit: «Wer auf seiner Liegenschaft eine neue Solaranlage montiert, soll mit einem symbolischen finanziellen Beitrag der Stadt unterstützt werden – allerdings muss dieses Vorhaben noch den Gemeinderat passieren.» Angesichts dieser erfreulichen Entwicklung und der grossen Solar-Projekte beim Flughafen kann man getrost sagen, dass sich Grenchen zur Vorzeigestadt in Sachen Solarenergie entwickelt.