Multifunktionshalle
Gibt es doch mehr Geld für das Velodrome?

Es könnte für die Stadt nicht bei den 2 Millionen Franken bleiben, die sie das Velodrome Suisse kostet. Zwar nicht an den Bau, aber an die Betriebskosten soll erneut Geld ausgeschüttet werden.

Patrick Furrer
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Treibende Kräfte hinter dem Velodrome: (v.l.) Die Stiftungsräte Andy Rihs und Boris Banga mit Verwaltungsratspräsident der Velodrome Suisse AG und Projektleiter Beat Zbinden. zvg/velodromesuisse

Treibende Kräfte hinter dem Velodrome: (v.l.) Die Stiftungsräte Andy Rihs und Boris Banga mit Verwaltungsratspräsident der Velodrome Suisse AG und Projektleiter Beat Zbinden. zvg/velodromesuisse

Mehrere voneinander unabhängige Quellen bestätigen, dass ein entsprechender Unterstützungsbeitrag geprüft wird. Eigentlich hätte das als vertraulich taxierte Geschäft an der letzten Gemeinderatssitzung behandelt werden sollen – es wurde allerdings wieder zurückgezogen.

Bereits vor längerer Zeit war eine Unterstützung Thema im städtischen Wirtschaftsrat. Gemäss dessen Vizepräsident Walter Sahli lag der Ball zuletzt bei der Wirtschaftsförderung. Wirtschaftsförderer René Goetz bestätigt, dass eine Vorlage ausgearbeitet wurde, in der es um eben eine solche Leistungsvereinbarung mit der Velodrome Suisse AG geht. Details oder Zahlen gibt er nicht bekannt, es gehe aber um eine niedrige sechsstellige Zahl, die über mehrere Jahre hinweg, «verbunden mit strengen Auflagen», ausbezahlt werden soll. «Der Betrag würde nicht pauschal anfallen. Er gilt maximal und ist an konkrete Ergebnisse wie die Durchführung von Veranstaltungen mit überregionaler Wertschöpfung und der Ansiedlung von Arbeitsplätzen gebunden.»

Und da es um eine Leistungsvereinbarung gehe, könne die Stadt profitieren, weil sie sich eine bessere Mitsprache erkauft und mitbestimmen kann, welche Anlässe im Velodrome stattfinden. Goetz hat berechnet, dass das Velodrome eine regionale, jährliche Wertschöpfung von 7 bis 10 Millionen Franken generiert, den Imagegewinn nicht einberechnet. «Wir sprechen von einem Beitrag, der zum Nutzen in einem vernünftigen Verhältnis steht», bekräftigt der Wirtschaftsförderer.

Kein einfaches Unterfangen

Bewusst ist sich René Goetz, dass das Anliegen, das von der Betreibergesellschaft des Velodromes kommt, politisch kein einfaches Spiel haben wird. Warum, ist klar: Als die Gemeindeversammlung im letzten Jahr den 2-Millionen-Beitrag an die Stiftung Velodrome Suisse beschloss, wurde von politischer Seite immer wieder betont, dass jegliche Nachschusspflicht ausbedungen wird.

Für Goetz heisst das jetzt: Selbst wenn die Idee sich tatsächlich rechnen würde, und selbst wenn der weitere Zustupf nicht an die Stiftung, sondern an die Velodrome Suisse AG gehen würde, wird auch mancher Politiker dieses Versprechen gebrochen sehen. Erschwerend kommt hinzu, dass erst vor wenigen Tagen publik wurde, dass auch der Bau der Multifunktionshalle teurer kommt, als man erwartet hatte. Goetz legt Wert auf die Feststellung, dass das Engagement der Investoren – allen voran Unternehmer und Ideengötti Andy Rihs – vorhanden sei. Das Projekt Velodrome Suisse stehe und falle deshalb auch nicht mit der angepeilten Leistungsvereinbarung.

Stadtpräsident Boris Banga (SP) wollte gestern inhaltlich keine Stellung nehmen, bestätigte aber: «Ich habe ein Geschäft absetzen lassen, weil die Zuständigkeiten nicht klar waren und weil es zu viele Fragen gibt, die noch geklärt werden müssen. Das Geschäft muss zurück ins vorberatende Gremium.» Davon, dass er das Geschäft nur zurückgezogen habe, weil er Gegenwind gespürt hat und den Beitrag nicht gefährden wolle, will Banga nichts wissen. Auch wenn böse Zungen dies vom Stadtpräsidenten, der gleichzeitig Mitglied des Stiftungsrats Velodrome Suisse ist, behaupten.

Volkswillen ernst nehmen

Ausweichend gibt sich nicht nur Banga, sondern auch die anderen Parteien. Immer wieder beruft man sich auf die Vertraulichkeit. Zur Grundsatzfrage allerdings, ob man einen weiteren Beitrag für das Velodrome unterstützen würde, sagt Hubert Bläsi von der FDP: «Meine Grundhaltung ist, dass mit den 2 Millionen Franken die Konditionen abschliessend geregelt sind. Es ist mir aber auch ein Anliegen, dass es mit dem Velodrome gut kommt.» Heinz Müller von der SVP erklärt grundsätzlich: «Die SVP wäre aufgrund der finanziellen Lage der Stadt nicht bereit, nochmals Geld ins Velodrome zu investieren. Das wäre gegenüber anderen Abteilungen, in denen zusammengestrichen wird, unredlich.» Zur Erinnerung: Die Stadt rechnet im Budget 2013 mit einem Defizit von 2,7 Millionen Franken.

«Das ist ein Budget, dass es nicht zulassen würde, irgendwelche privatwirtschaftlichen Extrawünsche zu berücksichtigen», sagt auch der CVP-Fraktionsvorsitzende Andreas Kummer. Für ihn stehe fest, dass das Versprechen, nicht mehr als 2 Millionen ans Velodrome zu zahlen, für die Bevölkerung wichtig war und noch ist. Noch einen Zustupf, in welcher Form auch immer, würde die Bevölkerung nicht goutieren.