«Bestimmt», sagt Marie-Josée Büttikofer von der Brautboutique Josy, «Grenchen ist kein einfaches Pflaster und viele Geschäfte gehen zu. Dass wir in unserer Stadt dennoch ein interessantes Angebot haben, geht dabei aber vergessen.»

Die Geschäftsführerin ist sicher, dass man in Grenchen «fast alles» bekommt, wenn man dem Einkaufsstandort eine Chance gibt. Sie bricht eine Lanze für die Gewerbetreibenden, die trotz Schwierigkeiten dazu beitragen, dass es in Grenchen nicht einfach «nichts» mehr gibt.

Büttikofer selbst bietet an der Solothurnstrasse gegen 700 Kleider für Hochzeiten, Bälle, Partys und andere Gelegenheiten an, in allen Grössen und seit bald 30 Jahren. Viele Leute aus der Region wüssten einfach nicht von den vorhandenen Angeboten und fahren stattdessen nach Zürich oder Biel. «Wenn sie dann bei mir reinschauen, sind sie ganz verdutzt, weil sie hier eigentlich genau das Richtige hätten finden können.»

In einer aktuellen Umfrage dieser Zeitung bestätigen andere Gewerbetreibende Büttikofers Eindruck. «Man findet zwar nicht alles, aber viel», sagt Gabi Maegli von der Bijouterie Maegli am Marktplatz. Ladennamen wie Wirt, Digirama, Sergio, Silhouette, Olivia, Guex, Stadtchäsi oder Neuhaus werden genannt und sollen stellvertretend für jene stehen, die seit Jahrzehnten für den Einkaufsstandort kämpfen. Die Bijouterie Maegli gibt es seit 51 Jahren. «Man muss sich gut um seine Kunden kümmern, die Geschäfte leben fast ausschliesslich von Stammkundschaft, aber es kann funktionieren», sagt Gabi Maegli.

Gutes Produkt und guter Service

Viele Probleme der Gewerbler sind nicht grenchenspezifisch, dennoch lassen sich beispielsweise die vielen leer stehenden Ladenlokale um den Marktplatz nicht wegdiskutieren. Da Frequenzen fehlen, müsse man sich über die Produkte, aber vor allem über den Service profilieren, sagt Fritz Wirth vom Sportfachgeschäft Wirth, das seit 32 Jahren existiert.

«Es gibt qualitativ sehr gute Läden hier, die nur überleben, weil sie den Kunden einen super Service bieten.» Wirth glaubt, die Leute gehen nicht woanders einkaufen, weil sie dort das bessere Angebot finden. «Letztlich hat sich auch das Einkaufsverhalten stark verändert, die Leute wollen es billig und bequem. Sie wollen shoppen, käfelen und flanieren. Aber das gibt es in Grenchen so nicht.» Fazit: In einzelnen Branchen bietet der Einkaufsstandort sehr viel. Ohne die harte Arbeit und die vielen Überstunden der selbstständigen Gewerbler wäre dies aber nicht möglich.

Selbst der Grenchner kauft auswärts

Geschäfte wie die Brautboutique Josy leben zu guten Teilen von auswärtigen Kunden. Der Grenchner selbst kauft oft auswärts ein, obwohl er sich öffentlich für den Platz Grenchen starkmacht, bestätigen die Gewerbetreibenden. «Etwas doppelzüngig», meint beispielsweise Stephan Buser, Geschäftsführer des Fernseh- und Elektrogeschäfts EPDigirama, das heuer sein 25-Jahr-Jubiläum feiert. Kein einfacher Kunde sei der Grenchner, bestätigt die Runde. Nur wenn man sich genügend um ihn bemüht und ihn umwirbt, «dann ist der Grenchner ein guter Kunde», sagt Bijoutière Maegli. Mit Bösartigkeit habe das nichts zu tun, meint Buser von EPDigirama. «Das war immer so.» Das Fazit hier: Die Gewerbler müssen hart um Kundschaft buhlen, allzu oft vergessen selbst Einheimische, dass sie das Gewünschte quasi vor der Haustüre finden könnten.

Obwohl letztlich nur einzelne Aspekte und Faktoren angesprochen werden können, trotz allem zeigt die Umfrage: die mangelnde Kundenfrequenz, ein fehlendes Einkaufserlebnis, ein schlechter Ruf – diese Probleme sind Realität. Ganz glücklich ist das Gewerbe nicht. Aber: Verloren ist es deshalb noch lange nicht.