Auch in der Arbeiterstadt Grenchen gab es während vielen Jahrzehnten eine Literarische Gesellschaft, organisiert in Vereinsform. Genau gesagt existiert sie auf dem Papier immer noch, sie ist aber seit Jahren nicht mehr aktiv oder sonst in irgendeiner Form in Erscheinung getreten.

«Als ehemaliger Präsident wurde ich immer wieder auf diesen Umstand angesprochen», sagt Jean-Pierre Thomsen, der den Verein vor längerer Zeit während etwa 10 Jahren präsidierte.

Nun möchte Thomsen den Verein reaktivieren, da dieser nämlich im nächsten Jahr sein 100-jähriges Bestehen feiern könnte. Thomsen schwebt keine pompöse Jubiläumsfeier vor. «Aber ich fände es schön, wenn der Verein auf diesen Zeitpunkt hin wieder aktiv werden könnte – in welcher Form auch immer.»

Aufs Echo gespannt

Als ehemaliger Präsident hat er jetzt die Zügel in die Hand genommen und den früheren Mitgliedern einen Brief geschickt. «Bitte melden Sie sich insbesondere, wenn Sie bereit sind, aktiv mitzuarbeiten», schreibt Thomsen. Denn ohne aktive Menschen lasse sich ein Verein nicht wiederbeleben. Einige wenige Interessierte seien ihm bereits bekannt. «Ich warte jetzt mal zwei, drei Wochen und bin gespannt, was das Schreiben für ein Echo auslöst.»

Früher habe die Literarische Gesellschaft regelmässig mehrere Anlässe pro Jahr durchgeführt, meist Autorenlesungen. Auch habe man Bücher unterstützt. «Ich kann mich noch gut an das 75-Jahr-Jubiläum erinnern, das mit einem Gala-Anlass gefeiert wurde», erinnert sich Thomsen. Doch die Aktivitäten seien allmählich eingeschlafen.

Wie eine Wiederbelebung konkret aussehen könnte, will Thomsen in dieser Phase offenlassen. «Es wurde auch schon die Idee eines Lesezirkels geäussert, was ich mir durchaus vorstellen könnte.» Thomsen, der heute die städtische Kulturkommission präsidiert, macht allerdings klar, dass er selber nicht mehr in die Vorstandsarbeit einsteigen möchte. Er sei zwar gerne bereit, «gewisse Koordinationsaufgaben wahrzunehmen und beim Neustart zu helfen.» Mehr aber nicht.

Einiges hat er schon in die Wege geleitet. So wurde eine Facebook-Seite eröffnet und per Mail kann man sich an die Adresse litererischegesellschaft
@bluewin.ch wenden, wenn man sich für eine Mitarbeit interessiert.

Und der bisherige Präsident? «Den habe ich leider trotz mehrmaligen Versuchen nicht erreicht», bedauert Thomsen. Es gehe aber nicht darum, Vorwürfe zu formulieren, betont er.

Präsident nicht erreichbar

Was denn auch im Schreiben an die ehemaligen Mitglieder nicht geschieht. Dennoch hätte auch diese Zeitung vom offiziell immer noch amtierenden Vereinspräsidenten gerne etwas über die Hintergründe der eingeschlafenen Vereinstätigkeit erfahren. Dies erwies sich allerdings bisher als unmöglich. Jürg Kübli, der in Solothurn wohnt, sagte am Telefon, er wolle zuerst das Schreiben von Thomsen studieren, bevor er etwas dazu sagen könne. Einen vereinbarten Gesprächstermin liess er danach platzen. Seither ist er nicht mehr erreichbar.