Zum Auftakt der Grenchner Wohntage fand die Preisverleihung sowie die Vernissage zum «Priisnagel Fotografie» statt. Bis zum Sonntag sind drei preisgekrönte Werke sowie eine Arbeit mit einer Anerkennung im Foyer des Kunsthauses zu sehen.

Ausgeschrieben wurde der Wettbewerb von der Sektion Solothurn des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins SIA. Mithilfe der freien fotografischen Auseinandersetzung mit dem gestalteten Lebensraum soll der Wandel der Zeit im Kanton Solothurn dokumentiert werden. Das besondere Augenmerk galt in der Serie von drei Bildern dabei der Identität von Wohnquartieren, wie Stefan Rudolf, Präsident der SIA Sektion Solothurn betonte.

Regierungsrat Roland Fürst, der die Fotografie als sein liebstes Hobby bezeichnete, kam unter anderem auf die nicht ganz einfache Aufgabenstellung zu sprechen: «Denn wie dokumentiert man mit etwas Starrem etwas Dynamisches?» Die ausgezeichneten Werke seien ebenso unterschiedlich wie beeindruckend, zog er als Fazit.

Hochhäuser in Solothurn West

Zu sehen sind im Kunsthaus Fotografien, die in Solothurn, Gerlafingen, Dulliken und Lohn-Ammannsegg entstanden sind. Die Fachjury vergab den ersten Preis an das Duo Karin Gauch und Fabien Schwartz (Oberägeri) für ihre Auseinandersetzung mit dem Sonnenpark in der Solothurner Weststadt unter dem Titel «Habitus». «Die Gewissheit, welche die Architektur über die Nutzung von Räumen durch die Bewohnerinnen und Bewohner vorgebe, ein scheinbar uniformes Nebeneinander, wird hier befragt und eine neue Sichtweise eröffnet sich. In dieser Untersuchung des Gleichförmigen zeige sich erst die Identität des Ortes, nämlich dort, wo sich die Spuren der Bewohnerinnen zeigen, wo individuelle Nutzungen stattfinden, Grenzen des privaten und öffentlichen, kollektiven Raumes sich verwischen», wird im Jurybericht herausgestrichen.

Die Zugerin Patricia Jacomella begab sich in Gerlafingen auf Spurensuche, einer Ortschaft, die von der Stahlindustrie geprägt einer neuen Nutzung entgegensieht. Die bewusste Wahl der Schwarzweiss-Fotografie betont dabei das Historische und Dokumentarische.

Regine Giesecke (Zug) beschäftigte sich mit einer Reihenhaussiedlung in Dulliken. «Was diese Fotoreihe auszeichnet, ist die Zurückhaltung und die Empathie, mit der die Fotografin den Ausdruck menschlicher Identität innerhalb einer vermeintlich gleichschaltenden Überbauung herausarbeitet», wird hervorgehoben.

Unheimliche heile Welt

Mit einer Anerkennung ausgezeichnet wurde schliesslich auch die Arbeit des Witterswiler (Bezirk Dorneck) Künstlers Thomas Woodtli. Der Titel «Heile Welt» darf getrost als provokativ bezeichnet werden. Denn eine brüchige, pessimistisch anmutende Landschaft eröffnet sich in der Horizontalen über drei Bilder erzählt. Grünflächen werden von Grauflächen gebrochen. Betonierte Flächen treffen auf Siedlungen. Die Einfamilienhäuser, die Gärten und Grünflächen verschwinden in Abgründen, Einsenkungen unter der Autobahn. Es ist ein sonniger Tag am Aufnahmeort Lohn- Ammannsegg. Aber die Stimmung ist unheimlich.

Der Künstler wirft ganz offensichtlich die Frage nach dem Verhältnis von natürlichem und gestaltetem Lebensraum auf, eine Frage, die von höchster Brisanz und Aktualität ist.

Kunsthaus Grenchen, bis 11. November: Do-Sa 14-17 Uhr, So 11-17 Uhr