Im Kultur-Historischen Museum trug Rainer Werner Walter Texte aus der Geschichte des Bachtelenbades vor. Der ehemalige Lehrer im Bachtelen und passionierte Historiker entführte die Zuhörenden in eine Zeit des Umbruchs im 19. Jahrhundert, machte diese und ihre Exponenten (Ruffini, Mathy, Girard oder natürlich Mazzini) greifbar und sparte nicht mit Anekdoten, die ein Schmunzeln ins Gesicht der Anwesenden zauberte.

Gleichzeitig erfuhr man einiges über das Wesen unserer Vorfahren, die sich in ihrem Gerechtigkeitssinn auch von der (solothurnischen) Obrigkeit nicht stoppen liessen und die auch sonst die Grenzen der gängigen Konventionen sprengten, wenn es ihnen opportun erschien.

So war es für die katholischen Grenchner offenbar kein Problem, wenn ein deutscher Protestant – Karl Mathy eben – anlässlich seiner Einsetzung zum Bezirksschullehrer unter anderem auch über Religion redete. Und als eine Anfrage aus dem bernischen (protestantischen) Lengnau eintraf, man möge doch einige ihrer Zöglinge an Grenchens fortschrittlicher Schule den Unterricht besuchen lassen, wurde auch dies ohne weitere Umstände, und ohne Kostenfolge, gewährt. Ähnliches durften in der Folge auch Lernwillige aus Staad, Bettlach, Selzach oder gar dem Jura erfahren.

Walters Bemerkung, dass sich heutige Politiker von diesem Vorgehen ruhig inspirieren lassen könnten, traf auf breite Zustimmung.

Weitere Texte und erhellende Zwischenbemerkungen des Vortragenden befassten sich mit dem erfolglosen Versuch eines österreichischen Spions im Auftrag vom Aussenminister Metternich mehr über Mazzini und die revolutionäre Bewegung «Junges Europa» in Erfahrung zu bringen, mit den ersten automatischen Türen im «Schmiedehof», welche ein Gaudi für die junge Kundschaft, ein Ärgernis aber für die Verkäuferinnen darstellte, mit dem Innenleben im Bachtelenbad, der Animosität zwischen John Ruffini und Giuseppe Mazzini und vielem mehr.

Das äusserst bekömmliche literarisch-geschichtliche Menu wurde mit Kaffee und Mazzinikuchen noch zusätzlich versüsst. Und schliesslich liess es sich Rainer Werner Walter nicht nehmen, der Zuhörerschaft noch von einem geheimnisvollen Polenschatz zu erzählen, der irgendwo im weitläufigen Bachtelen-Gebiet versteckt sein müsse – und immer noch auf seine Entdeckung warte.