Türsteher-Mord in Grenchen
Gericht musste Milde zeigen - Richter sieht Verfahrensmängel

Im Fall des Türsteher-Mordes von einer Grencher Disco sind weitere Urteile gefallen. Ein angeklagter Serbe profitiert dabei von Fehlern der Ermittler und bekommt nur 18 Monate bedingt. Ein zweiter Angeklagter muss 30 Monate ins Gefängnis.

Hans Peter Schläfli
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Das Amtsgericht hat zwei Männer verurteilt, die am Mord eines Türstehers im Grenchner Luxory Club 2011 beteiligt waren

Das Amtsgericht hat zwei Männer verurteilt, die am Mord eines Türstehers im Grenchner Luxory Club 2011 beteiligt waren

Felix Gerber

Da die zuerst gemachten Einvernahmen wegen Verfahrensfehlern nicht verwertbar sind und sich vor Gericht die Zeugen konsequent an nichts mehr erinnern konnten, sprach das Amtsgericht Solothurn-Lebern Kadri R.* von der Anklage des Angriffs auf den Türsteher frei, der am 3. April 2011 im Luxory Club mit sieben Messerstichen getötet wurde.

Der 28-jährige Serbe mit kosovarischen Wurzeln wurde «nur» wegen Begünstigung und mehrerer weniger schlimmer Delikte schuldig gesprochen und zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 18 Monaten verurteilt. Staatsanwältin Melanie Wasem hatte 34 Monate gefordert.

Der zweite Angeklagte, Besim H.*, muss dagegen eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten verbüssen. Eine einzige Zeugin hatte den Mut, die Mauer des Schweigens zu durchbrechen und ihre Beobachtungen an der Hauptverhandlung zu wiederholen, was dem Gericht zur Verurteilung wegen Angriffs genügte (wir berichteten).

Einvernahme nicht verwertbar

Die Mauer des Vergessens, die rund um die tödliche Messerstecherei im Luxory Club von den Angeklagten und Zeugen schon in den früheren Prozessen aufgebaut worden war, bedeutete für Kadri R. wohl die Rettung vor dem Gefängnis. «Bei den ersten Zeugenbefragungen durften weder die Beschuldigten teilnehmen noch wurde ein Pflichtverteidiger beigezogen», erklärte Gerichtspräsident Rolf von Felten, warum solche Einvernahmeprotokolle nicht verwertbar sind. So habe die Verteidigung die Zeugen nie mit Gegenfragen konfrontieren können. «Solche Einvernahmen dürfen nur verwertet werden, wenn die Zeugen an der Hauptverhandlung ihre Aussagen wiederholen. Wenn sich die Zeugen, wie in diesem Fall, an der Hauptverhandlung nicht mehr erinnern können, ist dem Konfrontationsanspruch nicht genügt worden.»

Die Taktik des Verteidigers, Dominik Schnyder, war aufgegangen: Für Kadri R. gab es einen Freispruch im schwersten Anklagepunkt. Schuldig gesprochen wurde er der Begünstigung, weil er das Messer, mit dem der bereits zu 16 Jahren Gefängnis mit anschliessender Verwahrung verurteilte Saban B.* den Türsteher getötet hatte, in die Aare warf. Schuldsprüche gab es auch wegen Vergehens gegen das Waffengesetz und der Beschäftigung einer Ausländerin ohne Bewilligung in Kadris Grenchner Lokal.

Weniger Glück hatte Besim H., der zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten verurteilt wurde. Die Taktik seiner Verteidigerin Sabrina Palermo, die einzige Zeugin zu verunglimpfen, die den Mut hatte, ihre Aussagen vor Gericht zu wiederholen und den Angeklagten zu denunzieren, schlug fehl. «Das Gericht ist nicht überzeugt von der Annahme der Verteidigung, dass sie dem Angeklagten aus zurückgewiesener Liebe schaden will», erklärte von Felten.

Endlich volle Härte spüren lassen

«Die verwerfliche Tat zeugt von grosser Feigheit und Skrupellosigkeit», begründete der Gerichtspräsident die Verurteilung wegen Angriffs. «Er hat einer wehrlosen Person, die bereits tödlich verletzt war, noch mit einem Schlagwerkzeug den Rest gegeben, statt dieser Person zu helfen.» Angesichts der schlechten Prognose und der einschlägigen Vorstrafen ist das Gericht überzeugt, dass Besim H. nun endlich die volle Härte des Gesetzes spüren muss.

Name von der Redaktion geändert