Grenchen
Gerade auch Betagte brauchen Freunde

Der Altersanlass der Stadt Grenchen und von Pro Senectute im Parktheater überraschte mit einem riesigen Publikumsaufmarsch.

Oliver Menge
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Der Anlass im Parktheater fand unter dem Motto ‹Tue Gutes und sprich darüber› statt
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Altersanlass der Stadt Grenchen im Parktheater
Wer sich fit hält, bleibt länger gesund: Das Parktheater war bis auf den letzten Platz besetzt.
Älter werden in Grenchen
 Älter werden in Grenchen im Parktheater

Der Anlass im Parktheater fand unter dem Motto ‹Tue Gutes und sprich darüber› statt

Oliver Menge

«Ich bin überwältigt vom Publikumsaufmarsch», so Stadtpräsident François Scheidegger anlässlich seiner Begrüssung im Parktheater. Statt der rund 100 Erwarteten hatten sich über 250 Personen für den Anlass angemeldet. Von den 17500 Einwohnern Grenchens seien knapp 4000 über 65 Jahre alt. Mit anderen Worten, rund 20 Prozent oder jeder fünfte Grenchner ist bereits im Rentenalter.

Scheidegger nannte dies eine Herausforderung für die Gesellschaft, der man in Grenchen Rechnung trage. «Wir haben ein gutes und umfangreiches Angebot für die älteren Semester. Nach dem Motto ‹Tue Gutes und sprich darüber› hat die Stadt gemeinsam mit Pro Senectute eine Broschüre und einen Fragebogen erarbeitet.» Letzteren, um die daraus gewonnenen Resultate in die Alterspolitik der Stadt einfliessen zu lassen. Die Veranstaltung wurde ebenfalls gemeinsam organisiert.

Kampf gegen Einsamkeit

Im ersten Teil der Referate sprach Ida Boos, Geschäftsleiterin Pro Senectute Kanton Solothurn, über Herausforderungen im Alter. «Je besser man informiert ist, desto besser kann man sich helfen.» Das Leben eines älteren Menschen werde geprägt durch seine gesundheitliche Verfassung, seine finanzielle Lage und seine sozialen Kontakte. «‹Massgebend dafür, ob man aktiv oder hilfebedürftig ist, ist nicht das kalendarische Alter, sondern die Gesundheit.»

Boos ging auf konkrete Schwierigkeiten im Alter und ihre Bewältigung ein. Beispielsweise im Bereich Beziehungen und soziale Kontakte müsse man frühzeitig daran denken, dass es mehr als nur die Partnerschaft mit dem langjährigen Partner gebe. Weitere soziale Beziehungen werden möglich, indem man etwa mit anderen Seniorinnen und und Senioren an altersgerechten Angeboten der Stadt teilnimmt.

Um Schwierigkeiten zu vermeiden, wenn man dereinst den Autoausweis abgeben muss, sollte man sich frühzeitig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vertraut machen. Weiter forderte Ida Boos die Anwesenden auf, sich auf die digitale Welt einzulassen. Diese biete nämlich gerade auch immobilen Personen eine Möglichkeit, mit der Welt zu kommunizieren und den Kontakt zwischen den Generationen zu pflegen.

Der 68-jährige Hans Kurt, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ist Präsident des Seniorenrats der Stadt Solothurn. In seinem Referat befasste er sich mit Gesundheitsaspekten und Risikofaktoren. «Alter ist keine Krankheit.» Durch die hohe Lebenserwartung, mit der man heutzutage rechnen kann, treten häufiger Alterserscheinungen und Krankheiten auf wie Krebs, Knochenbrüche, künstliche Gelenke etc. als vor hundert Jahren.

Schädlinge für die Gesundheit

Kurt benannte sechs Schädlinge für die Gesundheit: Suchtmittel (Rauchen, Alkohol, Medikamente), Übergewicht, Zucker (Diabetes), Bluthochdruck, Bewegungsmangel und psychische Belastung. Nebst einer gesunden Ernährung und viel Bewegung, müsse man auch zu Seele und Geist Sorge tragen, so Kurt. «Kreuzworträtsel lösen, eine Sprache erlernen, viel auswendig lernen und singen, sind nicht nur gut für den Geist, sondern eben auch für die Seele.» Auch das Stressmanagement sei ein wichtiger Faktor.

Nach einer Bewegungspause mit Pia Stampfli gab der Sozialfachmann Remo Waldner Auskunft über Alter und Geld. Den Durchblick bei AHV, EL und Pensionskassen zu behalten, ist nicht immer einfach. Hier biete Pro Senectute eine kompetente Beratung an. Waldner erläuterte die gesetzlichen Ansprüche, beispielsweise bei Beiträgen an Hilfsmittel oder Prämienvergünstigungen.

Der Rechtsanwalt Reto Gasser von Gasser und Partner, Grenchen und Solothurn, informierte über die gesetzlichen Grundlagen von Vorsorgeauftrag, Patientenverfügung, Vollmacht und Generalvollmacht, Testament und Erbvertrag. Gasser wies auf einige pikante Details hin. Zum Beispiel muss ein Vorsorgeauftrag von Hand geschrieben werden. In einem Vorsorgeauftrag setzt der Auftraggeber jemanden als Bevollmächtigten, gesetzlicher Vertreter oder Beistand ein für den Fall, dass er handlungs- und urteilsunfähig werde.