Überprüfung
Genug geärgert: Endlich kommt der Stein weg

Zderwischen dem EPA-Parkplatz und der Bettlachstrasse steht ein grosser Steinblock, der immer wieder die Gemüter der Grenchner erhitzte. Nun soll er 2012 entfernt werden – allerdings nur zu Testzwecken.

Patrick Furrer
Drucken
Teilen
Ehemaliger EPA-Parkplatz in Grenchen

Ehemaliger EPA-Parkplatz in Grenchen

Grenchner Tagblatt

Der Steinblock, der seit dem neuen Erschliessungsplan die Durchfahrt zwischen dem ehemaligen EPA-Parkplatz und der östlichen Bettlachstrasse versperrt, wird nächsten Frühsommer für einige Wochen entfernt. In der Vergangenheit hatte der «Stein des Anstosses» immer wieder für Ärger gesorgt. Vor allem Gewerbetreibenden war und ist er ein Dorn im Auge, weil er Kundenfrequenz raube. Auch politisch wurde der Stein hinterfragt, unter anderem in einem älteren Vorstoss der SP oder letztes Jahr, als die SVP mit einem Postulat anregte, die Parkplatzsituation in der Innenstadt erneut zu überprüfen.

Das Gewerbe kann einen Erfolg feiern. Stadtbaumeister Claude Barbey erklärt, der Stein werde nun für zwei oder drei Monate entfernt, um zu prüfen, ob diese Massnahme sich positiv für das Gewerbe auswirkt. Autos werden wieder auf die Bettlachstrasse fahren können. «Es geht lediglich um einen Test», hält Claude Barbey fest, «und weil es sich um eine verkehrstechnische Massnahme handelt, die auch dem gültigen Erschliessungsplan widerspricht, muss sie publiziert werden.» Die Ausführung liegt bei der Stadtpolizei, die Kriterien für die Überprüfung ausarbeiten wird. Noch sind die Kriterien nicht bekannt, möglich ist aber vieles, auch eine Videokamera-Beobachtung. Bereits sicher ist, dass die Parkuhr entfernt und mindestens ein Parkplatz aufgehoben werden muss.

«Wertvoll» oder «Zwängerei»?

Die Gewerbetreibenden zwischen Dosenbach und Kastelsstrasse freuen sich. Agnes Mülchi von der Team-Papeterie ist gespannt, zu welchem Ergebnis Polizei und Baudirektion nach der Testphase kommen werden. «Ob wir allein deshalb mehr Kunden haben werden, wage ich zu bezweifeln, aber den Versuch ist es wert.» Bruno Bertini von der Bijouterie Bertini ist überzeugt, dass die Aktion mehr Kundenfrequenz bringen wird. «Man muss der Sache eine Chance geben.» Wer nicht versucht, der nicht gewinnt, ist er überzeugt.

Die Ausfahrt auf die Bettlachstrasse soll nur nach rechts und nicht in Richtung Marktplatz möglich sein. Nicht alle freuen sich über den Versuch. Die Stadtpolizei befürchtet, dass der Durchgang künftig als Schleichweg benutzt werden könnte, vor allem in Stosszeiten, wenn an der Solothurnstrasse Beinahestillstand herrscht. Auch Stadtbaumeister Barbey ist skeptisch. «Ich fürchte, das Entfernen des Steins wird sich eher negativ auswirken. Dem Versuch stehen wir aber positiv gegenüber.» Um viel mehr als Zwängerei von einzelnen Gewerblern und Politikern gehe es dennoch nicht, meint Barbey.

Wenn Lidl und Raiffeisen eröffnen

Der Stein des Anstosses soll erst nächstes Jahr entfernt werden, wenn die neuen Lidl- und Raiffeisen-Filialen in unmittelbarer Nähe eröffnet werden, da diese den Kundenstrom beeinflussen werden. Lidl wird nach Verzögerungen diesen Herbst eröffnet werden. Raiffeisen will seinen Standort Mitte Juni 2012 beziehen. «Würden wir den Stein jetzt schon entfernen, ergäbe das kein verlässliches Bild über die künftigen Ströme», erklärt Barbey.

Der Stadtbaumeister ergänzt, dass die Eröffnung von Lidl noch etwas anderes zeigen wird: Vereinbarungen zwischen der Stadt und Lidl haben dazu geführt, dass der Discounter seinen Hauptzugang in Richtung Bettlachstrasse erstellt hat. «Dadurch sollen zusätzliche Fussgänger- und Kundenströme vom Zentrum durch die Bettlachstrasse gelenkt werden.» Das Entfernen des Steins werde sich darauf negativ auswirken. Dennoch: Ob es sich bei der Massnahme um eine kontraproduktive Aktion, einen Tropfen auf den heissen Stein oder doch einen Mosaikstein für ein besseres Verkehrskonzept, handelt, wird erst der Test zeigen.

Aktuelle Nachrichten