Stadtbummel
Generationenwechsel

Roger Rossier
Roger Rossier
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Auf Marco Wölfli muss im Match gegen Dynamo Kiew Verlass sein

Auf Marco Wölfli muss im Match gegen Dynamo Kiew Verlass sein

KEYSTONE/PETER SCHNEIDER

Marco Wölfli, der Grenchner Torhüter im Young-Boys-Dress, feierte vor vier Tagen seinen 35. Geburtstag. In diesem für Fussballer fast biblischen Alter hütete Wölfli im Rückspiel gegen Dynamo Kiew das Tor und brachte YB mit teils unglaublichen Paraden in der Champions League eine Qualifikationsrunde weiter. Leider setzte der Trainer auf die Karte Generationenwechsel und liess in den folgenden Partien gegen ZSKA Moskau den talentierten Emmentaler Goalie David von Ballmoos spielen. Das Ausscheiden der Berner lag nicht am jungen Torwart. Doch vielleicht wäre es anders herausgekommen, wenn Trainer Adi Hütter sich an die Sportweisheit «never change a winning team» gehalten hätte.

Seit einer gefühlten Ewigkeit bot der Kiosk an der Centralstrasse, eingeklemmt zwischen Britannia Pub und Kino Palace, seine Zeitungen, Illustrierten, Raucherwaren, Lottoscheine und Süssigkeiten an. Auch hier zeichnet sich ein Generationenwechsel ab. Bescheiden und still zogen vor knapp zwei Wochen Lotti und Walter Neuhaus ein letztes Mal den in die Jahre gekommene Rollladen herunter. Die im Rentenalter stehenden Kioskbetreiber hatten immer ein offenes Ohr für ihre Kunden. Sei es für den Randständigen, der mit dem erbettelten Geld und auf den grossen Gewinn hoffend, Lose kaufte. Sei es für die Alleinstehenden, die sich am Stehtisch vor dem Kiosk trafen und über Gott und die Welt diskutierten. Sei es für den gestressten Gewerbetreibenden, der schnell Geld wechseln oder Zigaretten kaufen wollte. Sei es für den Zweitklässler, der in stoischer Ruhe ausrechnete, wie viele Süssigkeiten er für einen Franken erwerben konnte. Für sie alle und auch für mich hatten die Geschwister Neuhaus ein offenes Ohr. Ich werde den Kiosk vermissen.

Die Stadtpolizei zeigt sich innovativ und verkündet das baldige Ende der Parkuhren-Geldautomaten. Eine App mit dem Namen Parkingpay soll das mühsame Hervorkramen des Kleingelds und das Suchen des Geldautomaten-Standorts überflüssig machen. Das Umsteigen auf Parkingpay wird belohnt, indem die ersten fünfzehn Minuten auf dem Parkplatz gebührenfrei sein werden. Erwartungsvoll habe ich die neue App heruntergeladen, um festzustellen, dass der grösste Parkplatz im Zentrum (noch) nicht Bestandteil dieses Projektes ist. Die Umstellung auf Parkingpay wäre eine Gelegenheit, das Coop-Parkhaus neu zu positionieren. Schon eine Umbenennung in «Parkhaus Zentrum» würde allen bewusst machen, dass wir in unmittelbarer Nähe des Gewerbes ein öffentliches Parkhaus besitzen. Mit dem neuen Namen würde die Stadt für die geleisteten Millionen einen bescheidenen Gegenwert erhalten. Wegen des Generationenwechsels bei den Parkuhren werden diejenigen Autofahrer umdenken müssen, die sich bis heute erfolgreich gegen die Anschaffung eines Handys, das mehr als nur telefonieren kann, gewehrt hatten. Es sei denn, mit der neuen App würden auch die ungeliebten orangen Zettel unter den Scheibenwischer verschwinden. Vermissen würde sie niemand. Doch vermutlich wird bereits fleissig an der neuen App Strafzettelpay gearbeitet ...