Am 12. Juli 1945, zwei Monate nach der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands, besuchte der Oberbefehlshaber der Schweizer Armee, General Henri Guisan, auf Einladung der Offiziersgesellschaft die Stadt Grenchen. Zuerst besichtigte er die Ebauchesfabrik A. Schild AG (ASSA) und wurde anschliessend von rund 7000 Grenchnerinnen und Grenchnern auf dem Schulhausplatz zwischen den beiden Schulhäusern I und II empfangen.

Gemeindeammann Adolf Furrer hielt die Begrüssungsansprache und der General wandte sich in deutscher und französischer Sprache an die Bevölkerung. Kinder schwenkten rote Fähnchen mit der Aufschrift «Grenchen ehrt den General Henri Guisan». Eine von Peter Travaglini geschaffene Bronzetafel am Schulhaus I erinnert noch heute an diesen Besuch. Der Platz zwischen den Schulhäusern erhielt den Namen «Guisanplatz». Ursprünglich sollte Peter Travaglini zur Ehren des Generalbesuchs einen abgestuftengrossen Gamellenbrunnen errichten, das Projekt scheiterte aber an den fehlenden Finanzen.

«Wie sieht unser damaliger Platz nur aus?»

Viele Grenchnerinnen und Grenchner gingen im 1846 erbauten Schulhaus I zur Schule. Und viele, die ihre ersten Schuljahre dort verbrachten, sind darüber entrüstet, wie sich Schulhaus und Platz jetzt präsentieren: Abgesehen von den Sprayereien, welche auf jeder Seite des Gebäudes zu finden sind, blättert die Farbe und der Verputz der Fassade an diversen Stellen grossflächig ab, das Gebäude hat Risse im Mauerwerk, an manchen Stellen beult die Farbe von der Feuchtigkeit, die sich darunter staut, regelrecht aus. Die Sonnenstoren sind zum Teil verbeult und kaputt, das Gedenkschild aus Bronze ist inzwischen fast schwarz und an der Fassade sind Verfärbungen deutlich sichtbar.

Platz ist auch sanierungsbedürftig

Um den Platz steht es nicht viel besser: Zwar wurden Geräte des Kinderspielplatzes im Zuge des Baus der neuen Holzschnitzel-Heizzentrale weiter westwärts verlegt, der Platz zwischen Schulhaus I und Schulhaus II präsentiert sich aber in traurigem Zustand: Risse und Löcher im Asphalt, der kleine Brunnen südlich vor dem Schulhaus ist versprayt. Den Platz ziert ein in die Jahre gekommener Veloständer, der grösste Teil der Fläche dient als Parkplatz für das Lehrpersonal.
Gleich nebenan ist die neue Holzschnitzel-Heizzentrale fast fertig gebaut.

Laut Architekt Ivo Erard soll sie am 28. November in Betrieb genommen werden und wenig später feierlich eingeweiht werden. Die Denkmalpflege hatte sich im Vorfeld mit dem Bau befasst und befunden, dass sich das moderne Gebäude gut ins Ensemble der Gebäude südlich der Lindenstrasse einfügt und den Raum neu definiert und begrenzt.

Wie Stadtbaumeister Claude Barbey erklärt, steht das Gebäude des Schulhauses I selber nicht unter Schutz, wohl sei aber das Ensemble, welches sich vom Parktheater bis zur Eusebiuskirche hinzieht, schützenswert.

Sanierung mehrfach verschoben

Barbey ärgert sich auch über den Zustand des Schulhauses I und des Platzes zwischen dem bereits renovierten Schulhaus II und dem maroden Schulhaus I. Mehrere Male war eine Innen- und Aussensanierung fürs Budget der Stadt in Betracht gezogen worden, letztmals letztes Jahr in der Höhe von einer halben Million Franken. Aber der Posten sei jedes Mal bereits in den Budgetberatungen in der Gemeinderatskommission rausgeflogen, wie Barbey sagt.

Man wollte zuerst einen umfassenden Nutzungsplan für das Gebäude, bevor man Geld in die Finger nimmt. 2011 erarbeitete die Baudirektion einen Konzeptvorschlag, welcher es jedoch nicht weiter als zur Budgetrunde schaffte, deshalb ist die Zukunft des Gebäudes noch ungewiss: Untergebracht sind die Stadtbibliothek, die Ludothek und im Dachgeschoss ein Probelokal für die Musikschule und die Stadtmusik. Einige der Schulzimmer dienen noch heute als solche, allerdings nur für Einzellektionen. Noch ist nicht klar, was mit der Stadtbibliothek geschehen soll, und auch ungewiss ist, wie viel Schulraumreserve zukünftig benötigt wird.

Vorerst wird nur Fassade saniert

«Für nächstes Jahr ist jetzt wenigstens die dringend notwendige Sanierung der Fassade im Voranschlag», sagt Barbey. Das heisst, auf eine Innensanierung wird man weiter warten müssen. Eine Sanierung und Umgestaltung des Platzes wird ebenfalls ins Auge gefasst. Ihm schwebe ein grosser, freundlicher Platz ohne Autos vor. Barbey sind die Parkplätze für das Lehrpersonal nämlich auch ein Dorn im Auge:

Es braucht ein Bewirtschaftungskonzept

«In Grenchen besteht die Angewohnheit, Pausenplätze verschiedentlich als Parkplätze zu missbrauchen; diesbezüglich fehlt ein Bewirtschaftungskonzept. Jemandem, der in Grenchen wohnt, muss man zumuten können, mit dem öV, dem Velo oder zu Fuss zur Arbeit zu kommen.» Man sei auch daran, ein entsprechendes verwaltungsinternes Konzept auszuarbeiten.

Allerdings: «Der Platz wird erst zu einem späteren Zeitpunkt saniert», der entsprechende Posten sei erst fürs Budget 2014 vorgesehen.