Gemeinderat Grenchen
Gemeinderat setzt auf Kunstrasen - Kreisel an «Unfallkreuzung» ist zu teuer

Der Grenchner Gemeinderat hat sich gegen einen Umbau der Löwenkreuzung entschieden und verschiebt das Vorhaben. Dafür soll jetzt der Fussball-Kunstrasen für rund 3 Millionen Franken erneuert werden. Über den Kredit entscheidet das Volk.

Patrick Furrer
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Noch wird an der Löwenkreuzung kein Kreisel gebaut – doch gestorben ist die Idee damit nicht. Oliver Menge

Noch wird an der Löwenkreuzung kein Kreisel gebaut – doch gestorben ist die Idee damit nicht. Oliver Menge

Solothurner Zeitung

Die Probleme und Unfälle an der Löwenkreuzung gefallen keinem, auch nicht den Gemeinderäten der Stadt Grenchen. Dennoch entschieden sie sich gestern gegen die Umgestaltung in einen Kreisel. Mit Kosten von rund 380000 Franken sei die Verkehrsmassnahme unverhältnismässig, lautete der Grundtenor. Stadtbaumeister Claude Barbey hatte zuvor die gleiche Skepsis geäussert, zudem wird befürchtet, dass ein Kreisel wieder mehr Verkehr anziehen könnte.

Die Empfehlung für einen Kreisel war von einer Arbeitsgruppe mit Vertretern von Kanton, Stadt, Stadtpolizei und einem Verkehrsplanerbüro erarbeitet worden (wir berichteten). SP und FDP fanden, man solle mit dem Bau noch zuwarten, zumindest so lange, bis die Umgestaltung der oberen Bahnhofstrasse fertiggestellt ist und man basierend darauf eine erneute Analyse der Situation erstellen könne.

«Sicherheit ist uns wichtig»

SVP und CVP zeigten sich von der hohen Investition zwar beeindruckt, wollten den Kreisel aber nicht gleich aufgeben. Andreas Kummer (CVP) meinte, es brauche eine Lösung, «aber die Kosten sind doch massiv». Marc Willemin (SVP) setzte sich noch stärker für den Kreisel ein, allerdings wenn möglich in einer günstigeren Variante. «Sicherheit ist uns wichtig», erklärte Willemin.

Da der Kanton als Strassenbesitzer gegenwärtig 50 Prozent der Kosten übernehmen würde, stellte Andreas Kummer zudem die Frage, ob das auch bei einer allfälligen Projektverschiebung noch der Fall sein werde. Stadtbaumeister Claude Barbey zeigte sich diesbezüglich zuversichtlich.

Letztlich entschied der Gemeinderat mit 10 zu 5 Stimmen, dass der Kreisel noch nicht gebaut wird, die Empfehlung aber zur Kenntnis genommen und das Projekt im Hinterkopf behalten wird. Zudem muss die Baudirektion die Situation nach Fertigstellung der Bahnhofstrasse erneut überprüfen und abklären, ob der Kanton weiterhin die Hälfte der Kosten trägt.

Zwischenlösung für Mia nötig

Der Gemeinderat hätte gestern auch über die Kostenbeteiligungen an den Sanierungen der Schlachthausbrücken und der Stützmauern an der Solothurnstrasse entscheiden sollen. Die Öffentlichkeit wurde aber kurzfristig ausgeschlossen – wahrscheinlich, um die Verhandlungen zwischen Stadt und Kanton nicht zu gefährden. Verhandelt wird darüber, wer wie viel an die Sanierungen zahlt, da in beiden Geschäften sowohl die Stadt wie auch der Kanton involviert sind. Bezweckt wird eine Art Kompromisslösung. Entschieden wurde aber gestern noch nichts.

Der Kunstrasen für die Fussballer hingegen ist auf gutem Weg. Der Gemeinderat genehmigte einstimmig Projekt und Kostenvoranschlag für den Allwetterrasen, der auf dem heutigen «mia-Feld» erstellt werden soll. Claude Barbey erklärte, man könnte das Feld im besten Fall bereits im Frühling 2012 einweihen. Über die Vorteile eines Kunstrasenfelds waren sich die Parteien einig. Allerdings wurde auch betont, dass für die mia eine Ersatzlösung her muss. Möglicherweise wird diese im geplanten Velodrom einquartiert werden können (wir berichteten).

Will Grenchen den Kunstrasen?

Letztlich wird das Grenchner Stimmvolk über den Kunstrasen entscheiden. Die Projektkosten betragen zwar «nur» 1,63 Mio. Franken, da das Land aber einem öffentlichen Zweck zugeführt wird, muss es ins Verwaltungsvermögen umgebucht werden. Das belastet die Stadtkasse zwar nicht zusätzlich, ergibt aber dennoch einen urnenpflichtigen Gesamtkredit von 2,98 Mio. Franken. Damit hat das Volk in dieser Sache das letzte Wort.

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