Grenchen
Gemeinderat schiebt dringend notwendigen Kindergarten auf

Schulen beschäftigen den Grenchner Gemeinderat gleich mehrfach – am stärksten ein 14. Kindergarten. Dafür wollte man rund eine halbe Million Franken aufwenden, jedoch nicht alle.

Patrick Furrer
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Ob auf diesem Grundstück an der Lingerizstrasse ein 14. Kindergarten entsteht, bleibt vorerst offen.

Ob auf diesem Grundstück an der Lingerizstrasse ein 14. Kindergarten entsteht, bleibt vorerst offen.

Patrick Furrer

Für die Kinder in Grenchen gibt es 13 Quartierkindergärten. Im Schulhaus Eichholz wird seit dem Schuljahr 2011/12 zusätzlich ein temporärer Kindergarten geführt, weil der Kanton die Klassengrössen geändert hat. Doch weil das «Eichholz» im Sommer saniert wird, verfällt diese Variante. Ohnehin handelte es sich nur um eine Notlösung. Daher erhielt die Baudirektion den Auftrag, auf das Schuljahr 2013/14 eine Lösung im Westen zu finden. «Der Bedarf an einem zusätzlichen, 14. Kindergarten bleibt noch für mindestens fünf Jahre bestehen», führte Roger Kurt, Vorsitzender der Geschäftsleitung Schulen Grenchen, vor dem Gemeinderat aus. Gerade das Westquartier sei attraktiv für junge Familien, die Distanz zum «Eichholz» von bis zu 1,5 Kilometern aber kaum zumutbar.

Die Baudirektion hat mehrere Kauf- und Mietvarianten geprüft. Dennoch wird nun vorerst kein neuer Kindergarten realisiert. Favorisiert war ein provisorischer Bau mit modularen Elementen im Dreieck Friedhof-, Karl Mathy- und Lingerizstrasse, vor dem Lingerizspielplatz. Diese Lösung auf dem Land der Fondation d’Ébauches mit Kosten von 470 000 Franken hatte aber – auch wenn der grundsätzliche Bedarf nicht bestritten wurde – keine Chancen. Renato Müller (FDP) stellte beispielsweise fest, dass eine so hohe Ausgabe Kompensationsmassnahmen erfordert. Thomas Marti (CVP) fand, es müsse doch bessere Lösungen geben, und Ivo von Büren (SVP) sprach von einer Frechheit gegenüber den Steuerzahlern. «Da weiss die Baudirektion seit Mai 2012 Bescheid und kommt dann mit einem derart unausgereiften Vorschlag.» Diesen vermeintlichen Versäumnissen widersprachen Stadtbaumeister Claude Barbey und Alex Kaufmann (SP). Bapluk-Vizepräsident Kaufmann erklärte im Weiteren: «Es geht hier um unsere Kleinsten, da sollten wir nicht ‹schmürzelen›.» Sein Parteikollege Urs Wirth sprach sich zwar klar für die Vorlage aus, während der Diskussionen zeichnete sich aber rasch der bleibende Widerstand der bürgerlichen Fraktionen ab. Erst nach einem knapp halbstündigen Time-out kam dann das Zugeständnis der Baudirektion: Claude Barbey schlug vor, den Ablauf der Sanierung des «Eichholz» so zu ändern, dass der temporäre Kindergarten bis im Herbst weitergeführt werden kann, damit man nochmals über die Bücher kann. Darauf stiegen die Bürgerlichen ein. Die Vorlage geht zurück in die Verwaltung. Das Geschäft soll im April erneut behandelt werden.

Schuldirektor bleibt Variante

Diskussionsstoff bot auch die im September 2011 eingereichte Petition der FDP «Ordnung in den Schulen Grenchen: Eine Schule – ein Chef», die die Einführung des Schuldirektorenmodells fordert. Das Modell der Geleiteten Schulen Grenchen wurde am 29. Juni 2006 an der Gemeindeversammlung beschlossen, seitdem sucht allen voran die FDP immer wieder den Weg zurück zum Schuldirektor. Der aktuelle Vorstoss ist bereits der vierte – aber auch der bisher «erfolgreichste». Denn: Wie der Gemeinderat entschied, wird das Leitungsmodell der Grenchner Schulen mit Blick auf anstehende Veränderungen nun durch eine externe Projektleitung auf Verbesserungsmöglichkeiten überprüft. Das heisst zwar nicht, dass das Schulsystem geändert wird, dennoch bezeichnete Aldo Bigolin (FDP) den Vorschlag als «Balsam auf die offene Wunde». Die Sek-1-Reform, die Aufhebung des Schulkreis Bezirksschule mit dem Zusammenzug der Oberstufe im «Zentrum» und diverse Pensionierungen legten eine Überprüfung so oder so nahe. Für die erste Phase des Projekts wurde ein Kostendach von 15 000 Franken genehmigt. Die Ergebnisse sollen noch vor dem Schuljahr 2016/17 der Gemeindeversammlung vorgelegt werden.

Extrabatzen für die Spielgruppen

Grund zur Freude hatte Chef-Schulverwalterin Maya Karlen: Die Spielgruppen der Vereinigung Spielgruppen Grenchen werden für 2013, 2014 und 2015 mit einem zusätzlichen Beitrag unterstützt. 7500 Franken insgesamt wurden dafür bewilligt. Hubert Bläsi (FDP) und Thomas Marti (CVP) stützten die Ausführungen von Urs Wirth (SP), der das Anliegen mit einer Motion erneut aufs Parkett gebracht hatte. Wie es nach 2015 weitergeht, wird erst später entschieden.

Aktuell beteiligt sich Grenchen am schweizweiten Projekt Primokiz, das die Vernetzung der Frühen Förderungsangebote stärkt. Die Ergebnisse daraus sollen erst abgewartet werden. Ein Antrag der SVP, vor dem Vorliegen dieser Ergebnisse auch keine Zwischenlösung zu genehmigen, scheiterte mit 3 zu 12 Stimmen klar.