Gemeinderat
Grenchen beschliesst Leitbild für Kinder- und Jugendpolitik

Alle Projekte der Stadt sollen auch auf ihre Kinderfreundlichkeit geprüft werden.

Andreas Toggweiler
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Grenchen soll noch kinderfreundlicher werden.

Grenchen soll noch kinderfreundlicher werden.

Lisan Vugts

«Die Stadt Grenchen prüft interdisziplinär bei allen anstehenden Projekten die Anforderungen und Bedürfnisse der Kinder/Jugendlichen und berücksichtigt dies bei der Lösungsfindung in Koordination mit der Jugendkommission (im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten)». So lautet kurz und bündig das Leitbild Kinder- und Jugendpolitik, das der Gemeinderat gestern Abend verabschiedet hat.

Das Leitbild wurde von der Jugendkommission erarbeitet, gestützt auf Erkenntnisse einer Projektarbeit von Studierenden der FHNW. Einbezogen wurden auch Vertreterinnen und Vertreter der Spielgruppen, der ISG und der kirchlichen Jugendarbeit.

Re-Zertifizierung bis 2022 geplant

Kommissionspräsidentin Vanessa Meury stellte dem Rat die den Werdegang des Leitbildes vor und die Roadmap für die Rezertifizierung als kinderfreundliche Stadt. Diese soll im Frühjahr 2022 durch Unicef erfolgen.

Das Leitbild wurde in allen Fraktionen wohlwollend aufgenommen und die Vorlage samt Zeitplan und Kosten für die Rezertifizierung (5500 Fr.) wurde einstimmig genehmigt. Dabei wurde auch die Erwartung geäussert, dass der Kanton sich an den Kosten beteiligen soll, nachdem er inzwischen auch andere Gemeinden bei diesem Prozess unterstütze.

Als leise Kritik war auch herauszuhören, dass es jetzt an der Zeit sei, Projekte zu konkretisieren und zu priorisieren. «Wir müssen jetzt vom Papier zur Umsetzung kommen und dabei die Kosten im Auge behalten», meinte Fabian Affolter (SVP), vormaliger Präsident der Jugendkommission.

Gelungene Jugendarbeit trotz Corona

Der Rat hat gestern ebenfalls den Jahresbericht der offenen Jugendarbeit (Lindenhaus/ISG) zur Kenntnis genommen. Die Jugendarbeit habe wegen Corona unter schwierigen Bedingungen stattfinden müssen. So war das Lindenhaus im Frühjahr 2020 für zwei Monate ganz geschlossen und musste danach die Anzahl der Besucherinnen und Besucher plafonieren. Anderseits wurde im Sommer aufgrund der Reisebeschränkungen unplanmässig geöffnet. Insgesamt resultierte ein Besucherrückgang von 28 Prozent.

«Es war ein herausforderndes Jahr», bilanzierte Meury. Das Lindenhaus-Team habe aber «viel Unmögliches möglich gemacht». Auch seitens der Ratsmitglider gab es viel Lob für die Jugendarbeit in Coronazeiten. Mit Fantasie und Kreativität und einer gehörigen Portion Digitalisierung habe man den wichtigen Kontakt zu den Jugendlichen aufrecht erhalten können.

«Anstiftung zur Amtsgeheimnisverletzung»

«Jetzt kommt mein Lieblingstraktandum», meinte Stadtpräsident François Scheidegger leicht sarkastisch zur Behandlung der überparteilichen Gemeindeversammlungsmotion «Transparentere Gemeinderatskommission und Verwaltung». Der Stadtpräsident liess durchblicken, dass er von diesem Vorstoss wenig hielt: «Man könnte ihn sogar als Anstiftung zur Amtsgeheimnisverletzung verstehen.»

Die Gemeindeversammlung sei jedenfalls der falsche Ort, um den Informationsfluss zwischen GRK und Gemeinderat zu regeln, meinte Scheidegger. Erstunterzeichnerin Angela Kummer (SP) betonte, dass es ihr fern liege, Amtsgeheimnisse zu verletzen. Es sei ihr auch klar, dass die Stadt nicht über alles und jedes informieren könne. Es sei für ein Nichtmitglied der GRK einfach zu schwierig, die Geschäfte auf dem Radar zu behalten. Unter dem Motto «man könnte, wenn man wollte» könne man dennoch eine bessere Information über die verschiedenen Dossiers gewährleisten, meinte Kummer.

In Absprache mit dem Mitunterzeichnern wandelte Kummer die Motion in ein Postulat um. Was letztlich wenig half. Es wurde vom Gemeinderat mit 8 gegen 6 Stimmen bei einer Enthaltung zur Ablehnung empfohlen. Die nächste Gemeindeversammlung ist für den 28. September anberaumt.

Mehr Geld für Lehrerlöhne nötig

Der Gemeinderat musste auch diverse Kreditüberschreitungen genehmigen, davon über 700 000 Fr. im Bereich Schule. Gesamtschulleiter Hubert Bläsi räumte ein, dass die Lohnkosten schwer zu budgetieren seien und man zu knapp budgetiert habe; insbesondere bei den Lohnstufenanstiegen des Lehrpersonals, die allein 370 000 Fr. ausmachen. Dazu kamen diverse Mehrkosten wegen Corona.

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