Bahnhofplatz Grenchen
Gemeinderat entscheidet: Dieses Projekt am Südbahnhof oder gar keines?

Die Ausmarchung für den Busbahnhof und die Gestaltung des Südbahnhof-Areals in Grenchen ist einen Schritt weiter. Ein Workshop brachte die Lösung.

Andreas Toggweiler
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Von der Stadt favorisierte Variante «Teilweise Verkehrsentflechtung» zur Neugestaltung des Bahnhofplatzes. Sagt die Politik am Dienstag Ja dazu?

Von der Stadt favorisierte Variante «Teilweise Verkehrsentflechtung» zur Neugestaltung des Bahnhofplatzes. Sagt die Politik am Dienstag Ja dazu?

zvg

Ist das Ringen der Grenchner Politik um die Gestaltung des Südbahnhof-Areals bald zu Ende? Die Stadt präsentiert zuhanden der Gemeinderatssitzung vom nächsten Dienstag eine Vorlage mit einem Projekt, das sie als mehrheitsfähig bezeichnet. Favorisiert wird ein Entwurf namens «Teilweise Verkehrsentflechtung» mit einem neuen Busbahnhof zwischen Migros und Kunsthaus. Taxis und Autos könnten weiterhin im Einbahnregime wie bisher vor dem Bahnhof vorfahren. Für den Busbahnhof würde ein älteres Gebäude im Besitz der Stadt abgerissen.

Einigung auf eine Variante

Dass man sich nun auf eine Variante geeinigt hat, ist alles andere als selbstverständlich. Über die Gestaltung des Bahnhofplatzes mit neuem Busbahnhof wird schon seit (mindestens) 2007 diskutiert. Ein Projekt wurde 2009 erarbeitet, aber wegen Kritik und aus Kostengründen nicht umgesetzt. Es gab immer wieder Vorstösse, aber auch Unsicherheit, weil lange nicht klar war welche (Ausbau-)Pläne die Migros hegte. Inzwischen hatte die SBB den Güterschuppen abgerissen für eine P+R-Anlage und auch neue Veloparkplätze erstellt.

Die Velofahrer wünschen sich zudem eine Unterführung in der Verlängerung der Girardstrasse in die Brühlstrasse und damit in die Sportzone. Ein Projekt dafür besteht nicht, doch soll diese Möglichkeit planerisch sichergestellt werden. Man hofft, diese später im Rahmen eines Agglomerationsprogramms mit Subventionen bauen zu können.

Als das neue Kunsthaus vor 10 Jahren eröffnet wurde, sah es am Südbahnhof so aus. Und so ist es seither geblieben.

Als das neue Kunsthaus vor 10 Jahren eröffnet wurde, sah es am Südbahnhof so aus. Und so ist es seither geblieben.

Oliver Menge

Das Chaos mit Autos, Bussen, Fussgängern, Taxis wurde in den folgenden Jahren nicht kleiner und ein überparteiliches Postulat brachte 2014 das Projekt wieder ins Rollen. Im vergangenen Juni wurden dem Gemeinderat vier Varianten vorgelegt, dies mit der ehrenvollen Absicht, dass man zuerst einmal Einigkeit über das Verkehrsregime erzielen wollte, bevor Planungsgelder ausgegeben werden für Projekte, die am Ende keine Mehrheit finden.

Zu viele Ideen

Doch die Meinungen an der Gemeinderatssitzung vom 5. Juni waren zu unterschiedlich für ein mehrheitsfähiges Projekt. Fast jeder Gemeinderat fühlte sich als kleiner Bahnhofplatzplaner. Die GRK beschloss in der Folge, dass die Firma Metron Verkehrsplanung AG die vorliegenden Varianten zusammen mit Gemeinderäten und der Bau- und Planungskommission evaluieren soll, um gemeinsam das «beste» Projekt herauszudestillieren.

Bereits vorher waren die Bedürfnisse der Anrainer am Bahnhofplatz abgefragt worden: Der BGU plant zurzeit keinen Ausbau des Netzes, wünscht sich aber behindertengerechte Haltekanten von 50 m Länge je Fahrtrichtung und gedeckte Warteräume. Die SBB möchte lediglich, dass die Belieferung ihrer Mieter sichergestellt ist. Für die Migros ist der Erhalt der südlichen Anlieferung zwingend.

Systematische Diskussion

Die Evaluierung erfolgte in zwei Workshops, mit einem standardisierten und transparenten, ja fast wissenschaftlichen Vorgehen. Im ersten Workshop wurde entsprechend den Eindrücken, Anliegen und Wünschen der Teilnehmer ein gemeinsames Zielsystem mit Indikatoren erarbeitet. Anschliessend erfolgte durch die Metron AG die Beurteilung der vorliegenden Varianten anhand der aufgestellten Ziele und Indikatoren. Im zweiten Workshop wurde das erarbeitete Zielsystem durch die Teilnehmer gewichtet sowie die die Beurteilung der Varianten gemeinsam diskutiert und festgelegt. Und siehe da: «Grösstenteils herrschte Einigkeit», heisst es in der Vorlage.

Nur in wenigen Punkten habe es unterschiedliche Haltungen gegeben. In den beiden Workshops habe sich gezeigt, dass eine Mehrheit der Teilnehmer die Zulassung von Autos und Taxis bis vor das Bahnhofgebäude wünscht. Dies in einer Begegnungszone und im Einbahnverkehr, also wie bisher. Es wird in Kauf genommen, dass im Bedarfsfall zukünftig eine zweite Bushaltestelle südlich der Migros erstellt werden müsste.

Stadtbaumeister optimistisch

«Noch ist das Projekt nicht beschlossen, doch der Verlauf der Workshops lässt hoffen, dass auch die bisherigen Skeptiker dieser Lösung zustimmen werden», meint Stadtbaumeister Aquil Briggen. Denn auch bei einer unterschiedlichen Gewichtung der Kriterien habe das Projekt «Teilweise Verkehrsentflechtung» zu den besten Resultaten geführt», erklärt er. Eine solche «Sensitivitätsanalyse» zeige, ob auch bei anderer Gewichtung der Kriterien die Resultate stabil bleiben.

Ein Ausfluss der Workshops war offenbar auch, dass nicht mehr zwingend ein möglichst kostengünstiges Projekt erarbeitet werden soll, sondern die Ästhetik ebenfalls eine Rolle spielen darf. Die Kostenschätzung des favorisierten Projektes belief sich bisher auf 4,6 Mio. Fr. (+/– 25%). Beantragt wird nun ein Projektierungskredit in der Höhe von 290'000 Fr. für alle Planungsarbeiten bis zur Schlussabstimmung an der Urne. Es wird mit einer Ausführung ab 2021 gerechnet.