Gemeinderat Bettlach
Campus Technik am Jurasüdfuss: Gibt es bald ein Leichtbaulabor namens Bettlach?

Der Gemeinderat spricht einen Beitrag von 45'000 Franken an den geplanten Campus Technik Grenchen.

Andreas Toggweiler
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Campus Technik Grenchen: So sieht das Siegerprojekt der Stähelin Partner Architekten AG aus Basel aus.

Campus Technik Grenchen: So sieht das Siegerprojekt der Stähelin Partner Architekten AG aus Basel aus.

Zvg / sol

Die Verantwortlichen des Projekts Campus Technik Grenchen waren im Bettlacher Gemeinderat zu Besuch. So erläuterten Erwin Fischer, Vize-Verwaltungsratspräsident der Höheren Fachschule für Technik Mittelland (hftm), Enzo Armellino, Geschäftsführer der Swissmechanic Solothurn, und Michael Benker, Direktor der hftm und VR-Präsident der Campus Technik AG, den Gemeinderätinnen- und -räten das Projekt beim Südbahnhof Grenchen, das ab 2023 die hftm und das Ausbildungszentrum für überbetriebliche Kurse von Swissmechanic Solothurn unter einem Dach vereinen soll.

«Schweizweit einzigartiges Projekt»

«Es ist ein wichtiges Projekt und schweizweit einzigartig. Ein privater Investor baut für 22 Millionen Franken eine Ausbildungsstätte für Technikberufe, von der die ganze Region profitieren wird», sagte Fischer. Der Investor ist der Grenchner Unternehmer Ernst Thomke bzw. eine Firma seiner Familie, Thomke Invest. Der Spatenstich soll gemäss Armellino im April 2022 erfolgen, der Bezug bereits im Juni 2023. Swissmechanic Solothurn wird dann seinen Standort in den ehemaligen von Roll-Lehrlingswerkstätten Gerlafingen aufgeben, die hftm wird vom Berufsbildungszentrum Grenchen in die neuen Räume umziehen.

Die beiden Ausbildungsstätten für Lernende und technische Weiterbildung wollen dannzumal auf dem neuen Technik-Campus Synergien nutzen und ein technikaffines Umfeld schaffen, das auch noch weitere Firmen oder Schulen anzieht.

Gemeinderat Heinz Randegger (FDP) erläuterte die Überlegungen des Bettlacher Ausschusses für Gemeindeentwicklung. «Das Projekt bringt zwar keinen direkten Nutzen für Bettlach, ist aber wichtig für den Industriegürtel am Jurasüdfuss, zu dem Bettlach auch gehört.»

Von 60'000 auf 45'000 Franken reduziert

Der Campus Technik hatte zunächst einen Beitrag in der Höhe von 60'000 Franken aus Bettlach erwartet. Man einigte sich danach auf einen neuen Antrag in der Höhe von 45'000 Franken, wie Randegger erläuterte. Dies aufgrund der finanziellen Situation in Bettlach, und weil man vermeiden wolle, einen Beitrag in die Investitionsrechnung aufnehmen und abschreiben zu müssen.

Beim Beitrag Bettlachs ans ZeitZentrum Grenchen habe man zudem für eine konkrete Anschaffung gespendet.

Ein Leichtbaulabor namens Bettlach?

Das soll auch diesmal wieder möglich sein, wie Michael Benker erläuterte. So würde der Beitrag für die Ausstattung eines Leichtbaulabors verwendet, eine Zukunftssparte mit grossem Potenzial, dem die hftm schon heute Augenmerk schenke. «Es ist durchaus denkbar, dass eines der zwei vorgesehenen Labors nach Bettlach benannt wird», stellte Benker in Aussicht.

Der Gemeinderat stimmte in der Folge der Anschubfinanzierung in der Höhe von 45'000 Franken zu.

Ratlosigkeit in Sachen Coronahilfen

Wenig weiter gekommen ist der Gemeinderat im Dossier Unterstützung vom durch Corona speziell betroffenen Gewerbe in Bettlach. Es war bereits die dritte Sitzung, in welcher er das entsprechende Thema wälzte. Der zuständige Ausschuss für Gemeindeentwicklung hatte – für manche überraschend – beantragt, nun doch auf eine Auszahlung von Beiträgen zu verzichten. Dies, nachdem der Rat in der letzten Sitzung beschlossen hatte, eine Variante «Direktzahlung» auszuarbeiten.

«Wir haben festgestellt, dass es einfach nicht möglich ist, ein gerechtes System auszuarbeiten, das ohne grossen bürokratischen Aufwand umsetzbar ist», sagte Markus Ulrich (CVP) namens des Ausschusses. Grenchen habe kürzlich gleich entschieden und der an sich zuständige Kanton habe sich inzwischen bewegt und das System verbessert.

«Wir sind uns bewusst, dass wir zwar einen Auftrag hatten, und wir haben es uns nicht leicht gemacht. Wir haben aber schlicht keine Lösung gefunden.»

Thomas Fessler (CVP) wollte das nicht hinnehmen. «Es ist ein peinliches Eingeständnis unserer Hilflosigkeit – oder vielleicht sogar eines, das wir gar nicht wollen», meinte Fessler. Doch als Politiker sei man da ja in bester Gesellschaft, da es auf anderen Ebenen auch nicht besser laufe. «Es kann doch nicht sein, dass wir zunächst Lippenbekenntnisse abgeben und dann die Sache ad acta legen», meinte Fessler.

«Ich finde es nicht okay, dass jetzt einfach nichts kommt», meinte auch André von Arb (FDP). Da er mit seiner Firma (Eventtechnik, Anm. d. Red) Erfahrung habe beim Einreichen von Hilfedossiers, sei er gerne bereit, zu helfen bei der Suche nach Kriterien. «Es gibt etliche, die nicht als Härtefälle anerkannt sind und die dennoch sehr leiden», meinte von Arb. Gerade solchen soll die Gemeinde helfen.

Neuer Anlauf nach Rückweisung

Der Rat einigte sich darauf, das Dossier mit dem entsprechenden Auftrag an den Ausschuss zurückzuweisen. Von Arb soll als Fachmann beigezogen werden.

Der Gemeinderat hat ferner zwei neue Reglemente zuhanden der Gemeindeversammlung beschlossen. Gemäss Anna Nardini Rüegsegger (FDP) vom Bildungsausschuss wurden das Reglement über die Schulzahnpflege und das Reglement über den schulärztlichen Dienst gemäss dem neuen kantonalen Gesundheitsgesetz überarbeitet und präzisiert. Materiell gebe es keine Änderungen. Schliesslich hat der Rat die Teilnahme von Bettlach am 4. Agglomerationsprogramm formell beschlossen.

Lästige Werbetafeln verhindern

Eine Firma aus Lyss hat Baugesuche eingereicht für das Aufstellen grosser Werbetafeln am Strassenrand von Bettlach, wie sie bereits heute in Bellach oder Grenchen (mobil) sichtbar sind. Der Gemeinderat ist einstimmig der Meinung, dass ortsfremde Grosswerbung möglichst ferngehalten werden soll, und hat eine entsprechende Planungszone verhängt. Damit können die Werbetafeln, für die bis anhin nur das Einverständnis der Grundeigentümer nötig ist, vorerst verhindert werden. Im Rahmen der laufenden Ortsplanungsrevision sollen allenfalls Standorte festgelegt werden, wo das Aufstellen grosser Werbetafeln statthaft sein soll.