Standortmarketing
Gemeinden an der «Jurasonnenseite» werben um Zuzüger

Die Gemeinden Grenchen, Bettlach und Lengnau werben zusammen mit der Industrie um Zuzüger. Das Stichwort lautet «Jurasonnenseite».

Andreas Toggweiler
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Grenchen, Bettlach und Lengnau betreiben gemeinsames Standortmarketin
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Die Gemeinden Grenchen, Bettlach und Lengnau betreiben gemeinsames Standortmarketing
Die Stadt Grenchen (archiv)
Grenchen aus der Luft
Die Stadt Grenchen
Die Brüggmoos Industriezone mit Kehrichtverbrennugnsanlage, Amag, Sabag und Migroscenter.
Breitling Hauptsitz in Grenchen
François Scheidegger: «Unser Ziel ist es, aus Zupendlern Einwohner zu machen.» Dabei gelte es, regional und über die Kantonsgrenzen hinaus zu denken.
In der Umgebung soll es mehr Sonnenstunden geben als beispielsweise in Zürich
Der Grenchner Stadtpark
Der Flugfplatz als ein Magnet: Der Oldtimer «Dewoitine» im Flug.
Bettlach im strahlenden Sonnenschein bei der 200-Jahr-Feier der Feuerwehr
Bettlach mit Wandfluh (archiv)
Die Markuskirche in Bettlach
Luftaufnahme des in Bau befindlichen CSL-Behring-Werkes in Lengnau (Archiv)
Die Industriezone Moos in Lengnau (Archiv)
Schönes Wetter in Lengnau (archiv)
Schönes Wetter in Lengnau (archiv)

Grenchen, Bettlach und Lengnau betreiben gemeinsames Standortmarketin

Simon Dietiker

Dass die Gemeinden an Jurasüdfuss inzwischen mehr Sonnenstunden verzeichnen als beispielsweise Zürich, Lausanne und Luzern, ist unter anderem dem Klimawandel zu «verdanken». Jedenfalls ist das Stichwort «Jurasonnenseite», mit denen Grenchen, Bettlach und Lengnau neuerdings für sich Werbung machen, laut Messungen nicht aus der Luft gegriffen.

«Der Nebel ist erwiesenermassen rückläufig. Dies gab uns auch die Möglichkeit, eine Plattform zu kreieren, welche keine der Gemeinden speziell hervorhebt und die Gemeinsamkeiten betont», erklärte Silvan Granig anlässlich einer Medieninformation am Dienstag in Bettlach.

Der ehemalige Mitarbeiter des Grenchner Stadtmarketings hat mit seiner Firma KommFort Kommunikation zusammen mit Simon Klaus eine neue Website gestaltet, welche die drei Gemeinden als Wohnregion anpreist. «Dabei haben wir die Kooperation mit der Industrie gesucht, welche mit unseren Unterlagen bei der Personalrekrutierung einen Trumpf mehr in der Hand hat», betonte Granig. Dabei geht es nicht nur ums Wetter, sondern auch um die gute Verkehrsanbindung, günstigen Wohnraum, Schulen, Einkaufsmöglichkeiten sowie Sport-, Kultur-, Gastro- und Freizeitangebote.

In der Industrie arbeiten, in der Sonnenstube wohnen: Hänggi-Geschäftsführer Boris Wrobel, Personalchef Heinz Wyss, IHVG-Präsident Erwin Fischer und die Gemeindeoberhäupter Barbara Leibundgut (Bettlach), Max Wolf (Lengnau) und François Scheidegger (Grenchen, von links) bei der Lancierung der neuen Website.

In der Industrie arbeiten, in der Sonnenstube wohnen: Hänggi-Geschäftsführer Boris Wrobel, Personalchef Heinz Wyss, IHVG-Präsident Erwin Fischer und die Gemeindeoberhäupter Barbara Leibundgut (Bettlach), Max Wolf (Lengnau) und François Scheidegger (Grenchen, von links) bei der Lancierung der neuen Website.

Oliver Menge

Instrument für HR-Leute

Erwin Fischer (Lengnau), Präsident des Indutrieverbands Region Grenchen, betonte denn auch, dass nebst Position und Firma auch die Region ein wichtiger Faktor bei der Wahl des Arbeitsplatzes sei. Die Lancierung der Homepage «jurasonnenseite.ch» erfolgte denn auch in den Räumen der Bettlacher Firma Hänggi. Der im Rahmen der US-Mutterfirma Barnes Group weltweit tätige Automobilzulieferer mit 220 Angestellten braucht vorab Mitarbeiter, die an der Maschine stehen. «Home Office ist für uns kaum ein Thema», sagte Personalchef Heinz Wyss, «wir brauchen die Leute hier vor Ort und sind in diesem Sinne auch froh, wenn wir die Vorzüge der Wohnregion aufzeigen können.» Dies erfolgt mit einem originellen Flyer aus Holz, der auf die entsprechende Website verweist.

Das Angebot soll über die Wirtschafts- und Gewerbeverbände bekannt gemacht werden. «Wir haben aber auch auf der Gemeinde genügend Flyer vorrätig», sagte die Bettlacher Gemeindepräsidentin Barbara Leibundgut und gab ihrer Freude darüber Ausdruck, dass der Startschuss in Bettlach erfolgte.

Von Pendlern zu Einwohnern

Der Grenchner Stadtpräsident François Scheidegger, der die gemeinsame Homepage initiiert hatte, erklärte, dass die Neuansiedlung von CSL Behring in Lengnau Auslöser seiner Überlegungen gewesen sei. Das Wohnstandort- Marketing gehöre zudem neuerdings zum Businessplan der Stadt. «Unser Ziel ist es, aus Zupendlern Einwohner zu machen», sagte Scheidegger. Dabei gelte es, regional und über die Kantonsgrenzen hinaus zu denken.

Laut Angaben von Stadtschreiberin Luzia Meister pendeln täglich zwischen 5000 und 6000 Personen allein nach Grenchen. «Wenn die am morgen früh kommen und am Abend heimreisen, sehen sie gar nicht, wie schön es in unserer Region ist», sagte Lengnaus Gemeindepräsident Max Wolf. Wenn mehr Leute in der Region wohnen, sei das auch entlastend für die angespannte Verkehrssituation.