Bettlach ist nicht die einzige Schweizer Gemeinde, die eine Lösung für ihre Bauverwaltung sucht. «Der Markt ist komplett ausgetrocknet», meinte Gemeindepräsidentin Barbara Leibundgut zu diesem Traktandum. Tatsächlich hatte Bettlach die Stelle der Nachfolge von Titus Moser als Bauverwalter/in schon zweimal ausgeschrieben und sich einige Kandidaten angeschaut. Aber entweder kamen diese nicht infrage oder haben ihre Bewerbung von sich aus zurückgezogen.

Mandat wird verlängert

Die Einwohnergemeinde hatte die Bauverwaltung auf Mandatsbasis an die Firma Geopunkt AG ausgelagert, eine auf solche Fälle spezialisierte Firma, die alle Arbeiten im Bereich Bauverwaltung für die Gemeinde erledigt. Im Februar hatte der Gemeinderat dafür einen Nachtragskredit in der Höhe von 125'000 Franken genehmigt. Geopunkt verrechnete Bettlach für die drei Monate März bis Mai 63'850 Franken. Doch weil sich in absehbarer Zeit keine Lösung abzeichnet, sprich, jemand Geeignetes gefunden wird, musste ein weiterer Nachtragskredit in der Höhe von 75'000 beantragt werden.

SVP-Gemeinderat Leonz Walker, Sitzungsleiter des Organisations- und Personalausschusses, erläuterte dem Gemeinderat, dass man nach der erfolglosen Stellenausschreibung einer externen Firma, der Pumag Consulting AG, einen Personalvermittlungsauftrag mit einem Kostendach von 12 000 Franken erteilt habe. Weil aber gut möglich sei, dass Kandidaten möglicherweise eine mehrmonatige Kündigungsfrist hätten, komme man um eine Verlängerung des Mandats mit Geopunkt um vorerst drei Monate nicht herum.

Die anfallenden Kosten warfen einige Fragen auf: Ein festangestellter Bauverwalter koste die Gemeinde inklusive aller Sozialleistungen rund 16 000 Franken im Monat, die externe Lösung komme aber auf rund 20 000 Franken pro Monat zu stehen, wurde festgestellt. Das sei nicht dramatisch, denn Geopunkt liefere ausgezeichnete Arbeit und rechne nur die effektiven Kosten ab. Natürlich sei man bestrebt, rasch eine Nachfolgelösung zu finden.

«Suchen wir falsch?», fragte SVP-Gemeinderat Patrick Gfeller. Woraufhin die Gemeindepräsidentin das Inserat präsentierte, das man bisher geschaltet hatte. Daran könne es nicht liegen, es sei tatsächlich vielmehr eine Frage des Marktes und der Verfügbarkeit geeigneter Kandidaten. Auch an einem zu tief angesetzten Gehalt könne es nicht liegen, da Bettlach sich mit seinen Vorstellungen im Bereich vergleichbarer Gemeinden bewege.

Arbeitsbedingungen verbessern

Leonz Walker meinte: «Ich bin jetzt 64, und wenn man mich jemals gefragt hätte, ob ich diesen Job machen wolle – niemals. Das ist ein Sch...job». Die Gemeinde suche ein Mädchen für alles. «Titus Moser ist da hineingewachsen, als ehemaliges Mitglied der Baukommission und des Gemeinderates. Und doch stand er nach kurzer Zeit mit 50 nicht bezogenen Ferientagen und Hunderten Stunden Überzeit da.» Wenn man einen Nachfolger finden wolle, müsse man andere Arbeitsbedingungen bieten und dem Bauverwalter nicht so viel aufbürden. «Wir müssen dafür sorgen, dass einer nicht schon nach dreiviertel Jahr den Bettel wieder hinschmeisst. Das heisst back to the roots, entflechten und runterschrauben.» Der Gemeinderat bewilligte den Nachkredit schliesslich mit einer Gegenstimme.

Die neue Leistungsvereinbarung 2020–2024 mit dem Verein Schuldenberatung Aargau Solothurn wurde vom Rat unter Vorbehalt der kantonalen Lösung einstimmig genehmigt. Bettlach stellt dafür jährlich 19'312 Fr. zur Verfügung.