Stadtbummel Grenchen
Gemein im Mai

Brigitte Stettler
Brigitte Stettler
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«In Grenchen ist Wahlkampf und jede Kandidatin, jeder Kandidat, will gewählt werden, damit des Grenchners Zukunft besser werde. Jede Stimme zählt», schreibt die Autorin.

«In Grenchen ist Wahlkampf und jede Kandidatin, jeder Kandidat, will gewählt werden, damit des Grenchners Zukunft besser werde. Jede Stimme zählt», schreibt die Autorin.

Keystone/GIAN EHRENZELLER

Irgendwie stimmts schon, dass der Mai fast alles neu macht. Meine Grossmutter war da allerdings ganz anderer Meinung. Sie behauptete, dass zwar alles beim Alten bliebe, auch im Wonnemonat Mai, sich allerdings sämtliche in diesem Monat geäusserten Wünsche irgendwann erfüllen würden. Nun denn: diesen Mai sind Gemeinderatswahlen angesagt und noch wissen wir nicht, ob alles neu werden oder doch beim Alten bleiben wird. In Grenchen ist Wahlkampf und jede Kandidatin, jeder Kandidat, will gewählt werden, damit des Grenchners Zukunft besser werde. Jede Stimme zählt.

Ich wünsche mir also, dass die Stimmbeteiligung in einer Weise ansteigt, die niemand je für möglich gehalten hätte und meine Grossmutter Recht behalten wird! Gut, einige Aufklärungsarbeit wird da und dort noch zu leisten sein. Hörte ich doch kürzlich in einer Beiz ein Wortgefecht zwischen zwei Männern, das seinesgleichen sucht. Der eine beklagte sich über die gar unnötige Papierflut, schliesslich kenne er die zu wählenden «Gringe» gar nicht und zweitens würden die Politiker am Volk vorbei politisieren und demzufolge müsse sich niemand mehr darüber wundern, wenn die Stimmbeteiligung in Grenchen unter aller Kanone sei. Das gemeine Volk sei wichtig.

Diese Ausführungen hat sein Kollege leider in den völlig falschen Hals bekommen. Er sei nicht gemein und niemals wissentlich gemein gewesen. Das sei eine bodenlose Frechheit, ihm solches zu unterstellen. Da nützten dann auch keine Erklärungen mehr, dass in diesem Fall die Allgemeinheit, du und ich, wir alle zusammen gemeint sei. Nein, nichts half mehr. Ein neues Bier wurde bestellt, ein letztes «ich bin nicht gemein, ich ganz bestimmt nicht!» war noch zu hören und dann war Ruhe im Karton. Als Angehörige des gemeinen Volkes begab ich mich auf den Heimweg und dachte mir so dies und das, nicht nur Schönes war es, was ich dachte.

Schön ist es aber, dass wir nun die Gewissheit haben, auf der Jurasonnenseite zu wohnen. Dies wird mir in den nebligen Herbsttagen ein grosser Trost sein. Überhaupt sollte man das mit dem Nebel nicht so wörtlich nehmen. Die Sonne tragen wir auch im Herzen, ob’s stürmt oder schneit und wenn Sie dieses Liedlein an einem nebligen Tag vor sich hin trällern, werden Sie staunen, wie schnell der Nebel sich lichtet. Grenchen hat allen Grund, sich als tollen Wohn-und Lebensort zu präsentieren. Ich wünsche mir also, dass scharenweise begeisterte Neuzuzüger nach Grenchen kommen und sich an Ort und Stelle von der hiesigen Lebensqualität überzeugen lassen und es gar nicht fassen können, wieviel bezahlbare Wohnungen es hier noch gibt! Grenchen bietet enorm viel fürs gemeine Volk. Seien Sie also gemein im Mai, gehen Sie abstimmen und wählen Sie ein Gemeindeparlament, das dem gemeinen Volk gerecht wird.