Grenchen
Gehts um die Schule, zwingt der Kanton den Grenchnern auch «Furzideen» auf

Die steigenden Anforderungen an die Schulen des Kantons Solothurn und der Stadt Grenchen waren zentrales Thema der letzten Sitzung des Grenchner Gemeinderats. Die Anforderungen lösen für einige Politiker eine regelrechte «Planeritis» aus.

Patrick Furrer
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Das Schulprogramm der Schulen Grenchen – Segen oder Fluch?

Das Schulprogramm der Schulen Grenchen – Segen oder Fluch?

Nicht etwa die Erhöhung der Schulleiterpensen für 2013/2014 gab zu reden – diese wurde kritiklos von 444 Prozent auf 446 Prozent genehmigt. Zu diskutieren gab das Schulprogramm 2012 – 2016. Es ist ein aufwendiges und ausführliches Planungstool, gibt Übersicht über die Umsetzung laufender kantonaler und kommunaler Projekte und ist eine Folge der Leistungsvereinbarung der Stadt Grenchen mit dem Kanton.

Kritik übte Andreas Kummer (CVP), der angesichts der recht technischen Unterlagen warnte, dass vor lauter Administration der Unterricht leiden könnte. «Das erfüllt uns mit Sorge», sagte er. Für ihn führt das Thema sogar so weit, dass man Geschäftsleitungsmodell in Grenchen wieder hinterfragen dürfte. Verblüfft zeigte sich Heinz Müller (SVP). Weil Alexander Kaufmann (SP) und Aldo Bigolin (FDP) zuvor die Planung ausschliesslich lobten, meinte er zynisch: «Ich bin erstaunt, dass alle sich so geäussert haben, als wenn sie alles verstanden hätten.»

Mit dem Papier sei noch niemanden geholfen, stellte Müller fest. Das Wichtigste sei, dass die Schule junge Menschen heranbildet, die auch die Wirtschaft später einmal gebrauchen kann.

Roger Kurt, Geschäftsleitungsvorsitzender der Schulen Grenchen, entgegnete, durch die Planung würden die Lehrer im Gegenteil entlastet, damit sie optimale Bedingungen für das Unterrichten haben. Das Kind stehe dabei selbstverständlich im Zentrum allen Tuns. Dass man durch den Kanton aufgezwungenen Mehraufwand akzeptieren muss, bestätigte die Aussage aus der Ratsrunde, dass es sich bei Teilen der Projekte – wie konkret der Ausarbeitung einer Schulvereinbarung zwischen Schule und Eltern – auch nur um eine «Furzidee» handle.

Eine Präsentation der Ressortverantwortlichen der Schulen zeigte noch einmal, dass die Arbeit nicht weniger wird. Stichworte sind: Weiterentwicklung Spezielle Förderung, Präventionsprojekte, Qualitätsleitbilder, 9. Schuljahr, oder die Bildung des Oberstufenzentrums in Bezug auf die Sek-1-Reform. Trotz Kritik am Kanton und der «Planeritis» stellte sich schliesslich keine Fraktion gegen die Arbeit der Grenchner Schulen. Die Schulplanung wurde gutgeheissen.

Im Weiteren genehmigte der Rat gestern ebenfalls einstimmig die Jahresrechnung und Bilanz der städtischen Pensionskasse. Diese schliesst bei einem effektiven Gewinn von 1,305 Mio. Franken mit einem Deckungsgrad von 102,4 Prozent. «Eine gute Überdeckung», stellte der Vorsorgeexperte Michael Weidmann von der LCP Libera AG fest.