Wohnzone Halden
Geht bald die «Baum-Guillotine» durchs Quartier?

Der Streit um Baumhöhe im Wohnquartier der Bangas spitzt sich zu. Einige Nachbarn konnten sich einigen und Kompromisse schliessen, andere stehen immer noch im Zwist. Nun will die Baudirektion durchgreifen.

Patrick Furrer
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An ihrem Haus haben Bangas ein «Mahnmal» angebracht – ihre Nachbarn seien schuld, dass ihr schöner Baum gefällt werden musste. fup

An ihrem Haus haben Bangas ein «Mahnmal» angebracht – ihre Nachbarn seien schuld, dass ihr schöner Baum gefällt werden musste. fup

Solothurner Zeitung

Zwischendurch durchbricht Vogelgezwitscher die Stille, und vom Nachbarsgrundstück ertönt das Scharren einer kleinen Gartenschaufel. Es bietet sich eine herrliche Aussicht vom Haus des Ehepaars Boris und Barbara Banga an der Haldenstrasse, das Grün weitverbreiteter Flora prägt das Bild. Doch die Idylle täuscht – denn im «Banga-Quartier» tobt ein Streit. Zahlreiche Bäume fallen einer über dreissig Jahre alten Sonderbauvorschrift zum Opfer, welche lange keinen interessierte, dafür jetzt vermehrt umgesetzt wird (siehe Kasten).

Im Zentrum der Streitigkeiten stehen das Ehepaar Banga und ihre südlichen Nachbarn, das Ehepaar Furigo. Stein des Anstosses war der Bergahorn in Bangas Garten. Wie viele andere Bäume im Quartier erfüllte er die Voraussetzungen nicht. Weil sich Furigos daran störten, forderten sie ein Zurückschneiden. Laut eigenen Angaben waren sie von Nachbarn auf die seit Anfang an gültige Vorschrift aufmerksam gemacht worden.

Im Einzelfall bilateral einigen

Das Quartier spaltete sich in zwei Lager – in diejenigen, welche die Vorschriften durchsetzen wollten und in jene, welche die prächtig gediehenen Baumgewächse erhalten wollten. Letztere stellten vor einem Jahr die Forderung an die städtische Baudirektion, den entsprechenden Passus im Gesetz aufzuheben, doch der Gemeinderat entschied sich im vergangenen Herbst dagegen. Die Bewohner der Wohnzone sollten sich stattdessen weiterhin im Einzelfall bilateral einigen (wir berichteten).

Bangas haben ihren Bergahorn deshalb im April «freiwillig» fällen lassen. Ein Zurückschneiden hätte keinen Sinn gemacht und wäre für den Baum letztlich der Todesstoss gewesen, erklärt Barbara Banga. Vom Baum wäre nicht viel übrig geblieben, da er neben einem Haus mit Flachdach steht.

Baudirektion wird durchgreifen

Ein grosser Teil der Anwohner hat sich geeinigt», weiss Stadtbaumeister Claude Barbey. So wurden unter anderem Kompromisse geschlossen, etwa, dass ein Baum nur halb so viel zurückgeschnitten werden musste, wie es die Vorschrift eigentlich vorgäbe. Doch nicht alle Nachbarn konnten sich finden. In vier Fällen musste die Baudirektion jetzt verfügen, dass die Bäume zurechtgeschnitten werden. In einem Fall weigert sich ein Anwohner so stur gegen die Vorschrift, dass der Stadtbaumeister inzwischen sogar erwägt, einen Mediator einzusetzen.

Sollten die Anwohner ihre Differenzen nicht beilegen können, steht für Claude Barbey – der vom Gestürm eindeutig genug hat – fest, dass die Baudirektion rigoros durchgreifen wird. «Dann wären wir gezwungen, das Zurückschneiden sämtlicher Bäume zu verfügen.» Kompromisse wären dann nicht mehr möglich.

Kein Ende in Sicht

Klar ist: Alles begann mit dem Streit zwischen den beiden Ehepaaren. Doch keine von beiden Parteien will angefangen haben. Furigos sagen, Bangas hätten ihnen schon vor acht Jahren versprochen, den Bergahorn zu entfernen, vor zwei Jahren ausserdem, sie würden den Baum bald stutzen, weil Falllaub in Furigos Garten fiel. Bangas wiederum stellen klar, dass die Nachbarn sich an ihrem Baum vergriffen und diesen widerrechtlich geschnitten haben.

Barbara und Boris Banga haben nach dem Fällen ihres Baumes an der Hausfassade ein Schild angebracht, auf dem sie ihre Nachbarn nun «zurechtstutzen». Darauf steht: Der Bergahorn habe fast 40 Jahre lang neben dem Haus gestanden. Doch «unser direkter, südlicher Nachbar fühlte sich gestört. Ohne Erlaubnis kappte er dicke Äste in der Vegetationszeit.» Als Mahnmal habe man nun das Schild platziert, «möge dieser nachbarliche Wahnsinn nun ein Ende haben». Furigos fühlten sich verleumdet und forderten das Entfernen des Schildes.

Baugesuch für Umgebungsgestaltung

Das Ehepaar Banga will aber nicht mehr diskutieren, wie Barbara Banga sagt. Elsbeth Furigo ihrerseits bedauert, dass es so weit gekommen ist. Eigentlich habe man nur sein Recht einfordern und etwas Ruhe wollen. «Uns ging es nur um das Zurückschneiden des Bergahorns, dessen Äste auf unser Grundstück überragten. Dass ein solches Gestürm losgeht, das war bestimmt nicht unser Ziel.»

Auch Barbara Banga sagt, sie hoffe, dass es jetzt wieder ruhiger werde im Quartier. Das Mahnmal-Schild werde man aber bestimmt nicht entfernen. Inzwischen haben Bangas ein Baugesuch für die Umgebungsgestaltung ihres Gartens eingegeben. Ein Zaun für die Hunde soll errichtet werden. Furigos aber wollen genauer wissen, was das Ehepaar Banga da wieder plane, und haben Einsprache erhoben.