Grenchen
Gegen die Unterforderung: Schüler realisieren in Begabtenförderung wissenschaftliche Projekte

Zwölf Schulkinder realisierten im Rahmen der Speziellen Förderung wissenschaftliche Projekte zu diversen Themen. Sie befassten sich dabei unter anderem mit dem Klimawandel, den ägyptischen Pyramiden oder der griechische Götterwelt. Die Begabtenförderung soll Kindern mit hoher Leistungsbereitschaft zugutekommen.

Oliver Menge
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Die 12-jährige Leana hat sich intensiv mit dem Thema «Platzspitz» befasst und ein fiktives Tagebuch geschrieben.

Die 12-jährige Leana hat sich intensiv mit dem Thema «Platzspitz» befasst und ein fiktives Tagebuch geschrieben.

Oliver Menge

Die letzten Monate waren für die Schülerinnen und Schüler in Grenchen speziell: Die Schulen wurden wegen des Coronavirus geschlossen, man setzte auf Homeschooling. Auch im Kastels, wo im Rahmen der Speziellen Förderung 12 Kinder im Alter zwischen 9 und 13 Jahren an einem Projekt teilnahmen, in dem sie eigene wissenschaftliche Arbeiten zu selber gewählten Themen verfassten.

Spezielle Förderung befasst sich in erster Linie mit Kindern, die im normalen Unterricht Defizite aufweisen und deshalb in den Genuss von zusätzlichem Unterricht gelangen. In diesem Projekt im Kastelsschulhaus ging es um Begabtenförderung. Oder wie Maya Saurer, eine der drei Konzeptverfasserinnen ausdrückte, um die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit einer aussergewöhnlich hohen Leistungsbereitschaft und aussergewöhnlich guten Leistungen. Also Kinder, die Gefahr laufen, sich im normalen Unterricht zu langweilen, weil sie schlicht unterfordert sind.

Das Konzept zu dieser Förderung wurde von Maya Saurer, Jasmin Jäggi und Saskia Steiner entworfen und im Rahmen des Leitfadens zur speziellen Förderung der Schulen Grenchen durchgeführt. Die Aufgabe der Förderlehrperson dabei ist klar umschrieben.

Projektarbeit neben dem normalen Unterricht

Das Projekt, in dem es darum ging, dass jede Schülerin, jeder Schüler sich mit einem Thema intensiv auseinandersetzt, lief neben dem normalen Unterricht. Die Kinder aus verschiedenen Klassen von der 4. bis zur 6. wendeten also zusätzliche Energie und Zeit auf, um ihr Thema zu bearbeiten.

«Meine Aufgabe als Förderlehrperson war es, den Schülerinnen und Schülern das wissenschaftliche Arbeiten näher zu bringen», erklärt Maya Saurer. Beispielsweise, wie man Quellen verwendet, was gute und was schlechte Quellen sind und wie eine wissenschaftliche Arbeit aufgebaut ist. Dass sie einen theoretischen und einen praktischen Teil beinhalten sollte und man stets die eigene Zielsetzung nicht aus den Augen verlieren darf.

Die Kinder erhielten von ihr eine Einleitung in die Erarbeitung eines selbstständigen Projekts in acht Schritten – Mind-Map erstellen zum Thema, Fragen dazu stellen, Quellenangaben recherchieren und eigene Forschungsnotizen erstellen, Organisation des Projekts festlegen, Notizen ordnen, Präsentationsideen entwickeln, die Forschungsergebnisse präsentieren, das Produkt entwickeln und ein Rückblick auf die erledigte Arbeit. Danach, so Maya Saurer, sei sie lediglich als Coach tätig gewesen, der den Kindern bei Problemen zur Seite stand und sie auf den richtigen Weg führte oder das Ziel in Erinnerung rief.

Weiterarbeit im Homeschooling

Begonnen haben die Kids nach den Sportferien, noch im normalen Unterricht. Im Homeschooling ging die Arbeit an den verschiedenen Projekten weiter, unter erschwerten Bedingungen, da die Betreuung hauptsächlich online oder übers Telefon laufen musste.

Nun sind die Projekte fertiggestellt und diese Zeitung kam in den Genuss einer zweistündigen, exklusiven Vorstellung der Arbeiten. Die Kids haben sich in die Materie eingearbeitet und viel Wissen erlangt dabei. Sie präsentierten ihre Arbeiten mit viel Engagement.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Was die Kinder geleistet haben, ist beeindruckend. Viele haben quasi als kleines Surplus noch Modelle gebaut, um ihre Erkenntnisse zu veranschaulichen. Jetzt überlegen sich die verantwortlichen Lehrerinnen, ob die Projekte nicht wenigstens einem Teil der restlichen Schülerinnen und Schülern im Kastelsschulhaus vorgestellt werden könnten. Denn die offizielle Schulschlussfeier wurde abgesagt und die Eltern kennen nur das Projekt des eigenen Kindes.

Das waren die 12 Projekte

Die 10-jährige Leticia beschäftigte sich mit dem Sonnensystem und den einzelnen Planeten, die die Sonne umkreisen. In einer Powerpoint-Präsentation lieferte sie Kurzbeschreibungen eines jeden Planeten und machte sich am Schluss auch einige philosophische Gedanken über die Möglichkeit von extraterrestrischem Leben. Die 12-jährige Erona beschäftigte sich mit verschiedenen Theorien zum Bau der ägyptischen Pyramiden bei Gizeh sowie den verwendeten Materialien. Das Steckenpferd des 12-jährigen Timeo ist die griechische Götterwelt. Er entwickelte ein Kartenspiel, vergleichbar mit den Spielen, wo Autos oder Flugzeuge gegeneinander gemessen werden. Auch die Götter haben ihre Eigenschaften und Stärken, die es gegeneinander auszuspielen galt. Febia, 11-jährig, befasste sich in ihrem Projekt mit dem Klimawandel und dessen Auswirkungen auf die Natur und die Tierwelt. Dazu zeigte sie auch auf, was jeder Einzelne beitragen kann, um den Klimawandel zu stoppen.
Timon, 11-jährig, demonstrierte anhand eines kleinen, selbstgedrehten Videos den Einsatz verschiedener Spezialeffekte im Film und den Einsatz einer sogenannten Greenscreen.
Pascal, ebenfalls 11, ist begnadeter Zeichner. Er beschäftigte sich mit verschiedenen Maltechniken und probierte diese selber aus. Die Resultate waren wirklich beeindruckend. Der 10-jährige Lennox ist fasziniert von der chinesischen Mauer. Nebst einigen grundsätzlichen Fakten zu diesem monumentalen Bauwerk interessierte er sich ganz speziell für die Zusammensetzung des Mörtels, der beim Bau verwendet wurde. Diesem wurde nämlich Reismehl beigemischt, um die Stabilität und Festigkeit zu verbessern. In einem wissenschaftlichen Experiment erstellte Lennox Prüflinge mit und ohne Reiszusatz und setzte diese einem Belastungstest aus. Sein Experiment scheiterte zwar, denn die Resultate entsprachen nicht den Erwartungen, aber der Schüler liess sich nicht beirren und suchte nach dem Grund für das Scheitern. Eines der beeindruckendsten Projekte war jenes der 12-jährigen Leana. Sie eignete sich viel Hintergrundwissen zur offenen Drogenszene auf dem Platzspitz in den 90er-Jahren an, durch Lektüre verschiedener Bücher und diversen Dokumentar- und Spielfilmen. Basierend auf diesem neuen Wissen schrieb sie ein fiktives Tagebuch eines fiktiven Mädchens, das diese Zeit mit einer drogenabhängigen, alleinerziehenden Mutter erleben muss. Das Abtauchen in die düstere Gefühlswelt des Mädchens anlässlich der Lesung Leanas verursachte buchstäblich Hühnerhaut. Neele, 12-jährig, stellte in Diagrammen und Tabellen dar, was es braucht, um die Ausbildung zum Skilehrer zu absolvieren, dies auf den verschiedenen Stufen. Die 12-jährige Ceyda demonstrierte mit einfachen und überraschenden Mitteln, wie sich das neue Coronavirus über Oberflächen verbreiten kann, wenn man sich die Hände nicht wäscht.
Der 13-jährige Yannic befasste sich in seinem Projekt mit der Funktionsweise von Atomkraftwerken und der diversen Probleme, die beim Rückbau eines AKW auftreten. Der 12-jährige Julien schliesslich demonstrierte, wie in der Molekularküche kleine Cola-kugeln erstellt werden, die dann zusammen mit Glacé serviert werden.