Grenchner Kino Rex
Gardi Hutter verzauberte auch ohne Clownnase

Kino Rex Clownin Gardi Hutter ist eine Künstlerin mit Tiefgang. Am Montagabend war sie zur Vorstellung von Kuno Bonts Dokumentarfilm über ihre Person im Grenchner Kino zu Gast.

Patrick Furrer
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Kuno Bont und Clownin Gardi Hutter zu Gast im Kino Rex.

Kuno Bont und Clownin Gardi Hutter zu Gast im Kino Rex.

Isabel Mäder

In bald 27 Ländern ist Gardi Hutter, die als tapfere Hanna seit über 30 Jahren Menschen rund um den Globus begeistert, aufgetreten. Zu wichtig oder zu ernst nimmt sich die Clownin dabei nicht. Den Grund ihres internationalen Erfolges erklärte sie den Gästen mit der trockenen Feststellung: «Das ist eben der Vorteil, wenn man nicht spricht.»

Geredet wurde gleichwohl einiges, durchaus zum Vergnügen der knapp 30 Kinogäste. Hauptsache war die Aufführung des Dokumentarfilms «Gardi – Die Unendlichkeit des Spiels» von Kuno Bont. Vor dem 80-minütigen Film gab es beim Apéro Gelegenheit auf ein Treffen mit der Künstlerin und dem Filmemacher. Anschliessend stellte Barbara Pestalozzi Kohler, Leiterin Standortmarketing, Kultur und Sport, den beiden Gästen Fragen zu ihrer zweijährigen Zusammenarbeit. Ohne Clownnase und Strubbelperücke erklärte Hutter, wie sie Bont vor vier Jahren für das Projekt angefragt hatte. «Meistens scheitern solche Vorhaben an der Finanzierung», erklärte Gardi Hutter, «aber Kuno Bont bewies sich offensichtlich als hartnäckigerer Typ.»

So tragisch, dass man lacht

Der Regisseur und seine Protagonistin haben allerdings noch mehr gemeinsam als ihre Hingabe zu Kunst. Aufgewachsen sind sie in Nachbardörfern, ohne sich ein einziges Mal begegnet zu sein. Erst für die Realisation des Dokumentarfilmes – ein halbes Jahrhundert später – hatten sie sich getroffen. Und Kuno Bont lernte, wie ernsthaft das Leben eines Clowns sein kann. «Kreativsein besteht zu einem grossen Teil daraus, auszuhalten, dass man keine Ideen hat», erklärte Gardi Hutter im Gespräch aus ihrem Künstleralltag. Es brauche Disziplin, und eine Idee sei oft nur ein sehr flüchtiger Moment. Fasziniert zeigt sie sich bis heute vom «Paradoxon des Clowns» – darüber, wie Dinge so traurig werden können, dass die Situation kippt, und man auf einmal darüber lachen muss. Einen Umstand, den sie sich in ihrem Stück «Die Schneiderin» zunutze macht: Es ist die Geschichte einer Person, die sterben muss, aber nicht sterben will. Kaum eine Geschichte der guten Laune. Aber nur, wenn man die Rechnung ohne Gardi Hutter gemacht hat.

Nahe dran, aber nicht zu nah

Wie das Interview und die Filmvorführung zeigten, ist es Kuno Bont gelungen, nah an die Künstlerin heranzutreten, ohne ihr zu nah zu kommen. Die Doku erzählt die Geschichte der nimmermüden Künstlerin und davon, wie ihr neuestes Stück entstanden ist. Dabei erfährt man viel von der in Altstätten geborenen und im Tessin lebenden Gardi Hutter. «Kuno Bont habe ich als sehr interessiert erlebt, aber niemals als voyeuristisch.» Auch der Filmemacher ist zufrieden. Speziell beeindruckt habe ihn, dass Gardi Hutter immer auf Achse ist. «Dokumentarfilme sind keine Roadmovies. Dennoch glaube ich, ist doch ein halbes Roadmovie entstanden», so der Regisseur.

Da die beiden Künstler noch eine lange Heimreise hatten, verabschiedeten sie sich schliesslich noch vor Filmbeginn. Bei den Gästen hatte Kinobesitzer Walter Loosli definitiv ins Schwarze getroffen. Viele dankten es ihm am Ende des Abends mit den Worten: «Es war ein wunderbarer Abend. Merci für alles.»