Während Solothurn nachgerade im Geld schwimmt – es werden dort Überschüsse in doppelter Höhe des Grenchner Defizits geschrieben – muss Grenchen den finanziellen Gürtel enger schnallen. Mit drei Effizienzprogrammen versucht die Stadt, wieder finanziellen Spielraum zu gewinnen.

Demnächst wird die Finanzverwaltung kommunizieren, ob das für 2016 erwartete Defizit von fast 4,3 Mio. Fr. eingetroffen ist, ob die Lage schlimmer oder weniger schlimm ist. Fakt ist, dass auch für das Jahr 2017 ein Fehlbetrag in der Laufenden Rechnung von 4,2 Mio. Fr. prognostiziert wird.

Reagiert hat die Stadt mit einem Massnahmenpaket zur Reduktion des strukturellen Defizites. Die städtische Verwaltung wird von der Berner Firma «Implement» Bereich für Bereich auf Effizienzsteigerungsmöglichkeiten abgeklopft.

Von «Effibau» ...

Abgeschlossen wurde die Aktion bereits bei der Bauverwaltung. Das Projekt mit dem Namen Effibau hat dort zu Einsparungen geführt, die zu einer Entlastung der laufenden Rechnung von 856 000 Franken führen. Dies ist dem Schlussbericht von Effibau zu entnehmen, welcher dem Gemeinderat im März vorgelegt wurde.

Die grösste Massnahme war allerdings eine einnahmenseitige: Die Gemeindeversammlung hat am 22. Dezember Ja gesagt zu einer Gebührenerhöhung auf dem Friedhof, welcher nicht weniger als 270'000 Fr. zusätzlich in die Stadtkasse spülen soll. Doch es wurde auch eine Stelle abgebaut (110'000 Fr.) sowie zwei Stellen zusammengelegt: Die Stadtbaumeisterin amtet neu in Personalunion als Leiterin Hochbau (180'000 Fr.) und der Leiter Tiefbau ist gleichzeitig Tiefbauingenieur (140'000 Franken). 

Will die SWG die GAG schlucken?

Der «Effizienz-Trip» der GRK hat noch eine weitere Blüte getrieben. Kürzlich wurden die Einwohnergemeinden der Gemeinschaftsantenne GAG angeschrieben und gefragt, inwiefern sie sich Synergien zwischen der SWG und der GAG vorstellen könnten. Die Überlegung scheint auf den ersten Blick nicht abwegig. Beide Anbieter betreiben Infrastruktur-Leitungen für mehrere Gemeinden in der Region, nutzen mitunter gar dieselben Trassen. Man denkt laut dem Schreiben an Synergien beim Bau und Unterhalt von Netz-Infrastrukturen, aber auch im Bereich Administration und Marketing.

Stadtpräsident François Scheidegger (er ist auch Verwaltungsratspräsident der SWG) bestätigt diese Informationen. «Ja, wir haben den GAG-Gemeinden einen entsprechenden Brief mit Fragen geschickt. Es geht uns darum, festzustellen, inwiefern eine engere Kooperation bei diesen beiden Betrieben für die Gemeinden denkbar sind» erklärt Scheidegger. Schliesslich seien manche Gemeinden sowohl Strom- und Gaskunden bei der SWG, als auch Teilhaber der GAG, die ihre Zentrale ebenfalls in Grenchen hat. Aus Grenchner Sicht seien die erwähnten Synergien durchaus ersichtlich. Über Reaktionen auf das Ende März verschickte Schreiben wollte oder konnte Scheidegger noch nichts sagen.

Im gleichen Zug wurde auch die Gebührenrechnung entlastet mit dem Outsourcing der Multisammelstelle (275'000 Fr.) und einem Systemwechsel für die Glassammlung (60'000 Fr.). Noch pendent ist die Auslagerung der Bauverwaltung in ein Gebäude, das der Stadt gehört, was zu Einsparungen beim Mietzins von 90'000 Fr. führen könnte. Im Gespräch ist hier (zurzeit) das neue SWG-Gebäude, doch die Büroplanung der Stadt ist gelinde ausgedrückt ein ziemlich rollender Prozess. Was nicht nur an der Stadt allein liegt, sondern auch am Kanton.

... zu «Effi de ville»

So oder so war «Effibau» eine grössere Übung, die zu Beginn auch einige Unruhe ins Personal brachte. Am Ende legten sich aber die Wellen. Einzig die SP fragte, warum man eigentlich nicht die ganze Verwaltung einer solchen Überprüfung unterziehen könne. Die GRK liess sich nicht zweimal bitten und lancierte ein Projekt unter dem Arbeitstitel «Effi de ville». Der Name sagt schon, dass die Zielsetzung eine ähnliche ist wie bei der Bauverwaltung.

Das Projekt wurde am 13. Januar lanciert und soll innerhalb vier Monaten «die gesamte Stadthaustätigkeit auf Effizienz und Einsparpotenzial» überprüfen. Grundsätzlich sollen alle im Stadthaus erbrachten Dienstleistungen hinterfragt werden, auch «suboptimale Prozesse», welche sich durch die wiederholte Umstrukturierung der Abteilung Standortmarketing, Kultur und Sport (SMKS) ergeben hätten. Der Stadtpräsident macht beispielsweise keinen Hehl daraus, dass er das Standortmarketing der Stadt am liebsten nach dem Vorbild Biels mit der (externen) Wirtschaftsförderung zusammenlegen würde.

Schlussbericht bis 3. Mai

Auch die Schulverwaltung wird einbezogen. Steuerungsausschuss des Effi de ville-Projektes ist unter anderem die GRK und die Firma Implement, welche schon Effibau begleitet hat. Den Vorsitz des Steuerungsausschusses hat Vize-Stadtpräsident Urs Wirth (SP). Inzwischen wurden bereits diverse Interviews und Workshops durchgeführt und gemäss Terminplan hat auch die GRK bereits Resultate behandelt. Ein Schlussbericht soll am 3. Mai vorliegen.

Ganz im Stillen hat überdies bereits eine Organisationsüberprüfung bei den Sozialen Diensten Oberer Leberberg (SDOL) stattgefunden. Sozialamtschef Kurt Boner hatte diese selber beantragt. Hintergrund sei, so Boner, dass er in etwa zwei Jahren in Pension gehen werde und seinem Nachfolger eine betriebswirtschaftlich optimal organisierte Dienststelle übergeben wolle.

Das Leitgemeinde-Modell des Sozialamtes, bei welchem Grenchen für eine ganze Gruppe von Gemeinden zuständig ist, sei dabei für Boner in Zukunft nicht sakrosankt. Denkbar ist für ihn auch eine Verselbständigung der Dienststelle, welche dann im Auftrag der beteiligten Gemeinden mit einem Leistungsauftrag tätig wäre.

Arbeitsamt neu im «Netzwerk»

Ähnlich macht das heute das «Netzwerk Grenchen», welches hauptsächlich im Auftrag des Kantons Arbeitslose betreut und qualifiziert. Das Netzwerk Grenchen soll denn auch künftig das sogenannte Arbeitsamt von Sozialamt übernehmen. Dies ist ein Ausfluss der dortigen Organisationsanalyse.

Es handelt sich dabei laut Netzwerk-Leiter Reto Kämpfer um eine eher kleinere Tätigkeit, im Wesentlichen um das Ausfüllen der Formulare für die RAV-Anmeldung zusammen mit den Betroffenen. Danach ist das RAV Ansprechpartner für Personen auf Stellensuche.

Diese Tätigkeit wird ab Ende April das Netzwerk Grenchen wahrnehmen. Im Ebosa Areal, wo sich die Büros des «Netzwerks» befinden, wird am 27. April der Eingangsbereich umgestaltet. Einerseits wird dort der «Netzwerk»-Laden eröffnet, anderseits erlaube die Präsenz beim Eingang des Gewerbezentrums auch einen Schalterbetrieb für das «Arbeitsamt». Dieses soll damit auch wieder ganztägig geöffnet sein.