Parkturm
Futuristische Idee fürs Parking am Südbahnhof

Der Südbahnhof Grenchen ist kein Aushängeschild der Stadt. Die Parksituation beie Taxis, Bussen und Velos ist unbefriedigend. Nun will ein neuer Player wissen: «Warum Autos in der Fläche parkieren, wenn es auch in der Höhe ginge?»

Oliver Menge
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Am heutigen Standort des Güterschuppens möchte die Skyline AG ihren Parkturm bauen – eine spannende, aber teure Idee. Fotomontage: om

Am heutigen Standort des Güterschuppens möchte die Skyline AG ihren Parkturm bauen – eine spannende, aber teure Idee. Fotomontage: om

Parkplätze sind ein Thema – vor allem Pendlerparkplätze sind gefragt. Zwar gibt es östlich des Güterschuppens einen Parkplatz, der gemäss SBB aber nicht die geforderte Infrastruktur bietet. Die SBB sind seit längerem mit der Stadt im Gespräch, wie Robert Brun, der Verantwortliche für Park&Rail bei den Bundesbahnen bestätigt. Allerdings stossen verschiedene Bedürfnisse aufeinander, die die Angelegenheit bisher zähflüssig werden liessen.

Nun ist eine Idee aufgetaucht, welche dem Bahnhofareal ein neues Gesicht geben könnte: Eine Winterthurer Firma bietet einen vollautomatischen Parkturm aus Stahl mit rund 20 Metern Höhe an, der gegenüber den herkömmlichen Parkmöglichkeiten auf derselben Fläche viermal mehr Fahrzeuge aufnehmen kann. Auf zehn Stockwerken könnten 160 Fahrzeuge parkiert werden.

Viele Vorteile...

Das Spezielle am futuristisch anmutenden System: Der Autofahrer fährt in die Einfahrt des Turmes, steigt aus – den Rest erledigt das System. Gewicht und Grösse des Fahrzeuges werden gemessen, ein elektrisch betriebenes Fördersystem «verräumt» das Fahrzeug in eine der 160 Boxen. Will man das Fahrzeug wieder holen, genügt es, einen Code über einen Kanal einzugeben – sogar per SMS – und das vollautomatische System holt das Fahrzeug und stellt es in die Ausfahrtsbox.

Vom ökologischen Standpunkt aus betrachtet fallen die CO2-Emissionen für die Parkplatzsuche und den Weg zum Parkplatz weg, werben die Hersteller. Übers Jahr gerechnet seien das bei einem herkömmlichen Parkhaus mit einer ähnlichen Anzahl Parkplätze zwischen 20 und 50 Tonnen CO2. Auch Parkschäden, welche häufig in Parkhäusern entstehen, fallen weg, da «menschliches Versagen» von vornherein ausgeschlossen ist. Nicht zuletzt ist auch die Sicherheit ein Thema: Mit dem neuen Parksystem kann man vollständig auf Sicherheitspersonal verzichten, Vandalismus und Diebstahl kann man weitgehend ausschliessen.

Grösster Vorteil ist aber die enorme Platzersparnis: Ein Parkturm benötigt etwas mehr als 5 Prozent der Fläche einer bodenebenen Parkfläche mit gleich vielen Parkplätzen. Interessant ist er also an Orten engen Verhältnissen und hohem Verkehrsaufkommen, wo man, laut der Dokumentation der Firma, auf kleinster Fläche ein Maximum an Gewinn erzielen könne. Die Skyline Parking AG, welche 2007 gegründet wurde, hat dieses Parksystem in Zusammenarbeit mit Hochschulen und der Innovationsagentur des Bundes entwickelt. Ein Prototyp steht bereits in der Ostschweiz.

...die nicht wenig kosten

Initiant der Idee, für Grenchen einen solchen Parkturm vorzuschlagen, ist Bernhard Schröder. Der pensionierte Berater lebt seit einiger Zeit in Grenchen. «Grenchen hat im Gebiet beim Südbahnhof grosses Entwicklungspotenzial. Für Grenchen wäre so ein Skyline-Parkturm ein Blickfang», sagt Schröder. Er sieht nebst dem Standort beim Südbahnhof auch andere Möglichkeiten, so zum Beispiel beim geplanten Velodrome. Er will sich demnächst mit Stadtbaumeister Claude Barbey treffen und dessen Interesse für das futuristische Projekt zu wecken. Schröder hatte vor einiger Zeit Frido Stutz, den Gründer der Skyline Parking AG, kennen gelernt und beschlossen, dem jungen Unternehmen unter die Arme zu greifen. Seither versucht er, Entscheidungsträger zu gewinnen. So auch die SBB.

«Wir wollen in Grenchen, wie an anderen Orten der Schweiz, ein attraktives Park&Rail-System auf die Beine stellen, wollen erreichen, dass die Pendler auch in Grenchen ihr Fahrzeug nahe beim Bahnhof abstellen können und mit dem Zug weiterfahren», meint der Verantwortliche Robert Brun. Ein Parkturm sei eine der vielen, möglichen Lösungen für Grenchen. Man kenne das System schon länger. Allerdings: Die Kosten, welche die SBB vollumfänglich übernehmen würden, seien pro Parkplatz beim Skyline-Parkturm mit rund 40000 Franken doch sehr hoch – ein Turm mit 10 Stockwerken und 160 Parkplätzen kostet rund 6,4 Mio. Franken. Normalerweise gebe man an Orten wie Grenchen etwa 15000 Franken pro Parkplatz aus, sagt Brun.

Da man vermuten kann, dass die SBB ihre Investitionen auf ihrem eigenen Land innert nützlicher Frist wieder zurückbekommen möchten – dies geschieht in der Regel über die Parkgebühren – muss wohl davon ausgegangen werden, dass diese Gebühren um ein Vielfaches höher sein würden als üblich. Dass das am Ende rentieren und funktionieren könne, bezweifelt Brun.