Grenchen
Für Wirtschaft ist Flugplatz ein Standortvorteil – doch konkrete Zahlen gibts nicht

Die Wirtschaftsverbände unterstreichen die Notwendigkeit einer Pistenverlängerung. Doch um ihre Argumente zu untermauern, müssten sie konkrete Zahlen veröffentlichen. Doch das tun sie nicht.

Elisabeth Seifert
Drucken
Teilen
Der Airport Grenchen: Die Wirtschaft sieht ein hohes Potenzial.Archiv/Simon Dietiker

Der Airport Grenchen: Die Wirtschaft sieht ein hohes Potenzial.Archiv/Simon Dietiker

Simon Dietiker

In einigen Wochen steht der entscheidende Schritt rund um das Projekt Pistenverlängerung des Regionalflugplatzes Grenchen an. Im September wird der Regierungsrat darüber entscheiden, ob das Projekt eine Zukunft hat, oder endgültig in der Schublade der Initianten verschwinden wird. Getragen wird das Projekt neben den Flugplatzbetreibern von der regionalen und kantonalen Wirtschaft.

In einer gemeinsamen Mittelung haben die involvierten Verbände und Vereine ihre Argumente erneut unterstrichen. Die Mitteilung folgt praktisch im Wortlaut der ebenfalls gemeinsam verfassten Eingabe zuhanden des kantonalen Amtes für Raumplanung. Bis Anfang Juli hatten die befürwortenden und gegnerischen Interessengruppen Zeit, ihre Stellungnahmen einzureichen.

Den Interessen der Wirtschaft stehen jenen der Landwirte und der Umweltschutzverbände gegenüber. Die projektierte Verlängerung der Piste um 400 Meter beschneidet landwirtschaftlich genutztes Land und stellt einen weiteren Eingriff dar in die national und kantonal geschützte Grenchner Witi. Die Regierung wird abwägen müssen, ob der volkswirtschaftliche Nutzen des Projekts grösser ist als der Eingriff in die Landwirtschafts- und Naturschutzzone.

In ihrer Eingabe zuhanden der kantonalen Raumplanung fassen die Vertreter des Flugplatzes und der Wirtschaft im Wesentlichen ihre bereits bekannten Argumente zusammen. Auch das aktuelle Papier enthält dabei keinen konkreten – mit Zahlen und Fakten unterfütterten – Nachweis, dass die Pistenverlängerung der regionalen Wirtschaft wirklich etwas bringt.

Erhofft: «Beschleunigungseffekt»

«Der Airport Grenchen ist ein bedeutender Standortvorteil unserer Wirtschaftsregion, der mit einer Pistenanpassung zu einem echten Alleinstellungsmerkmal ausgebaut werden kann», sind die Vertreter der Wirtschaft überzeugt. Dieses werde bei Standort- und Expansionsentscheiden von international tätigen Firmen im nationalen und internationalen Wettbewerb in Zukunft eine bedeutende Rolle spielen. Auf Anfrage spricht Daniel Probst, Direktor der Solothurner Handelskammer, von einem «Beschleunigungseffekt» für die Wirtschaft. Ein solcher Effekt lasse sich aber nur schwer beziffern.

Eine «schnelle, direkte und unkomplizierte Punkt-zu-Punkt-Verbindung» ins Ausland sei ein wichtiges Anliegen für internationalen Exportunternehmen, schreiben die Verbände. Auf solche schnellen Direktverbindungen seien künftig zudem auch immer mehr KMU angewiesen. Um im aktuellen Umfeld der Frankenstärke bestehen zu können, seien diese Unternehmen nämlich gezwungen, einzelne Produktionsschritte zu internationalisieren. Und zwar gerade auch, «um die Aktivitäten der Produktionsbetriebe am Werkplatz Schweiz in Zukunft «sichern und ausbauen zu können.»

Ein regionalwirtschaftlicher Bedarf und der volkswirtschaftliche Nutzen der Pistenanpassung sowie der Geschäftsfliegerei in Grenchen seien «zweifellos vorhanden», heisst es weiter. «Die regionale Wirtschaft und die KMU profitieren direkt und indirekt von der Realisierung des Projekts, was im aktuellen Umfeld der Frankenstärke doppelt wertvoll und notwendig ist.» Eine Studie beziffert die direkte und indirekte Wertschöpfung des Flughafenbetriebs sowie der flughafennahen Unternehmen auf aktuell 25,3 Mio. Franken. Zudem seien 195 Vollzeitstellen direkt oder indirekt vom Flugplatz abhängig. Eine Verlängerung der Piste werde ein Plus von weiteren rund 3 Mio. Franken einbringen und auch einige neue Stellen generieren. Ohne eine Verlängerung der Piste sei die Funktionsfähigkeit des Flughafens eingeschränkt – und die Businessfliegerei am Standort Grenchen «grundsätzlich infrage gestellt».

*Die Stellungnahme unterzeichnet haben: der Industrieverband Solothurn und Umgebung (Inveso), der Industrie- und Handelsverband Grenchen und Umgebung (IVHG), die Sektion Biel-Seeland des Handels- und Industrievereins des Kantons Bern (HIV), der Kantonal-Solothurnische Gewerbeverband (KGV), die Solothurner Handelskammer (SOHK) und der Verein Pro Regionalflughafen Grenchen. Diese Verbände und Vereine vertreten die Interessen von über 4400 Unternehmen der Region.

Aktuelle Nachrichten