Grenchenberglauf
Für Roger Gerber ist der Grenchenberglauf bis heute ein «Genusslauf»

Was ist das nur, das Roger Gerber am 17. Juni zum nunmehr 13. Mal auf den Grenchenberg treibt? «Als der Lauf im Jahr 2000 zum ersten Mal ausgetragen wurde, gab es im Ziel ein Frühstück», sagt Gerber. Dadurch wurde er damals auf den Lauf aufmerksam.

Beat Geier
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Roger Gerber läuft beim Grenchenberglauf mit, seit es diesen gibt.

Roger Gerber läuft beim Grenchenberglauf mit, seit es diesen gibt.

Solothurner Zeitung

Dass der passionierte Marathonläufer aber nicht nur für Verköstigung an Läufen teilnimmt, zeigt seine bald 30-jährige Sportlerlaufbahn. Der Duathlonläufer aus Biberist und regelmässige Anwärter auf Podestplätze - darunter den 5. Platz des Zürich Marathon dieses Jahres - begann seine Sportlerlaufbahn mit Jugend- und Volksläufen.

Weil er beim Grenchenberglauf der Jura-Top-Tour-Serie von Anfang an dabei war, mit persönlicher Bestzeit von einer Stunde und 3 Minuten, will er dort auch so lange wie möglich mitlaufen. «Der Grenchenberg ist für mich ein Genusslauf», der Wettkampf findet anderswo statt. Sein grösstes sportliches Husarenstück leistete er sich 2005: Schon am Tag nach seinem 4. Platz an den 100-Kilometern von Biel bewältigte er die 12 Kilometer des Grenchenberglaufs.

«Ich nahm nie Urlaub und ging immer arbeiten nach den Läufen, man muss halt ein wenig die Zähne zusammenbeissen.» Ob das nicht ungesund ist? «Für mich ist genug Erholung wichtig, der Sport ist keine Droge für mich», findet der Marathonläufer. «Ich kann auch einmal sagen: Jetzt mache ich drei Tage lang gar nichts.» 50 bis 80 Kilometer absolviert er wöchentlich.

Laufen war Freizeit

«300 Meter von unserem Hof lag das Schwimmbad, aber schwimmen stand nicht zur Debatte», entsinnt sich Roger Gerber seiner Kindheit auf dem Bauernhof. Es war selbstverständlich, dass er und seine Geschwister überall mit anpackten. Freizeit - das hatten die anderen.
Durch den Anschluss an eine Clique von Laufbegeisterten erkämpfte sich Gerber mit 13 Jahren ein erstes Stück Selbstbestimmung. Trotz seines offensichtlichen Talents hielt sich die Begeisterung zu Hause in Grenzen. «Oft habe ich mir Gedanken gemacht, wie es heute wohl wäre, wenn man uns damals mehr gefördert hätte», blickt Roger Gerber in die frühen 80er-Jahre zurück.

Gerne hätte er die Ausbildung zum Sportlehrer gemacht. Auf seinen Traumberuf musste er zugunsten der landwirtschaftlichen Schule verzichten. Die Emanzipation von der väterlichen Land- und Planwirtschaft kam nach der Rekrutenschule, da habe er sich dann auch mal auf die Hinterläufe gestellt. Er ging und arbeitete für zehn Jahre in der Spedition.

Bieten, was nicht geboten wurde

Geeicht vom elterlichen Bauernbetrieb konnte die Schwerstarbeit des Spediteurs Roger Gerber nicht erschüttern. «Ich experimentierte viel in dieser Zeit», bekennt er seine Versuche, während dieser harten Zeit auch seine sportlichen Ambitionen zu pflegen. «Oft mussten drei bis vier Stunden Schlaf reichen», eine Belastung, die ihren Preis forderte. Irgendwann konnte er nicht mehr durchschlafen. Gerber musste seinen Rhythmus ändern.

Heute ist er zuständig für den Service des Innendienstes bei der Helsana: «Diese Arbeit ist ein Lottosechser», begeistert sich der Läufer, der endlich in den Genuss eines geregelten Achtstundentages kommt. «Zu 95 Prozent arbeite ich im Postdienst, zu 5 Prozent bin ich Seelsorger», schildert er seine Arbeit im Umgang mit den Sekretärinnen der Versicherung. Als Aussenstehender werde er oft bei privaten Händeln ins Vertrauen gezogen. Gerbers soziale Ader tritt auch bei seinem Engagement als Vizepräsident und Platzsprecher des Emmenlaufs zutage: «Die Leute wollen unterhaltet sein.

Auch Kinder sind nicht mehr ohne Preise zum Laufen zu bewegen», rückt er die Gegenwart ins Verhältnis zur eigenen Kindheit, als er dankbar um jede Abwechslung mit Gleichgesinnten um die Wette lief. Mit seinem ehrenamtlichen Einsatz leistet Gerber der jungen Generation Schützenhilfe, die er in der eigenen Jugend vergeblich suchte.
Der Läufer engagiert sich auch in den «Fit Holidays» des Ferienvereins, einer genossenschaftlichen Institution, wo er für Kost und Logis als Laufleiter die Feriengäste auf Trab hält.

Trotz seiner gemeinnützigen Arbeit findet Gerber im Laufsport auch privat ein beheimatendes Umfeld: Jeden Montag trainiert er mit Sportsfreunden in Utzensdorf, und auch auf seine Partnerin kann er sich verlassen: «Ohne das Verständnis und den Rückhalt in der Beziehung könnte ich all das nicht bewältigen», gesteht er und bestätigt: Hinter jedem schnellen Mann steht eine starke Frau.