Flughafen Grenchen
Für mehr Piste in Richtung Westen gibt es Spielraum

Eine Pistenverlängerung auf dem Flughafen nach Westen ist in Grenchen grundsätzlich möglich. Allerdings gilt es die Interessen abzuwägen und die Auswirkungen - beispielsweise auf die Anzahl der Flugbewegungen - zu klären.

Marco Zwahlen
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Die Pistenverlängerung ist eine planungstechnische Herausforderung

Die Pistenverlängerung ist eine planungstechnische Herausforderung

AZ

Richtung Westen und nicht Richtung Osten: Diese Ankündigung des Regierungsrates in Sachen Pistenverlängerung Flughafen Grenchen rief Anfang Jahr Natur- und Umweltschutzverbände unmittelbar auf den Plan. Auch nach Ansicht von Kantonsrätin Barbara Wyss (Grüne Solothurn) ist eine Pistenverlängerung Richtung Westen «nicht möglich». Dies aufgrund «geltender Schutzbestimmungen», wie sie in ihrer Interpellation schreibt.

In seiner Antwort stellt der Regierungsrat aber klar: Die Pistenverlängerung würde zwar das in der Verordnung über die Wasser- und Zugvogelreservate von internationaler und nationaler Bedeutung (WZVV) verzeichnete nationale Reservat Witi am Rande tangieren. Aber: Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) sei befugt, im Einvernehmen mit dem Kanton den Perimeter des Reservates gegebenenfalls um höchstens fünf Prozent der Fläche zu ändern. Es sei sogar eine Verkleinerung des Perimeters um höchstens 10 Prozent der Fläche des Objekts möglich, wenn der Perimeter mit einem mindestens gleich grossen neuen Gebietsteil erweitert werde (Art. 3 lit. a und lit b. WZVV).

Der Regierungsrat kommt zum Schluss, dass mit einer Verlängerung der Piste in Richtung Westen «keine der im Bundesinventar formulierten Ziele direkt betroffen wären». Zu berücksichtigen gelte es aber Art. 5. Demnach dürfen Tiere nicht gestört oder vertrieben werden. Und: Das Starten und das Landen mit zivilen Luftfahrzeugen aller Art sowie der Betrieb von Modellflugzeugen ist verboten, «wobei der Betrieb von bestehenden Flugplätzen ausdrücklich vorbehalten ist».

Flugbewegungen neu aushandeln

Laut den Zonenvorschriften zur kantonalen Landwirtschafts- und Schutzzone Witi wiederum sind Bauten und bauliche Anlagen nur zulässig, wenn diese zonenkonform sind und in die Nähe der Bauzonengrenze oder von bestehenden Häusergruppen zustehen kommen. «Sie dürfen das Bild der offenen Ackerlandschaft nicht beeinträchtigen», so der Regierungsrat. Eine Pistenverlängerung nach Westen käme zwar in die Nähe der Bauzonengrenze zu liegen, «wäre aber in der Schutzzone selber nicht zonenkonform». Somit müsste im Rahmen einer umfassenden Interessenabwägung eine Anpassung des Perimeters der Schutzzone geprüft werden.

Wyss will in ihrem Vorstoss wissen, welche Absprachen mit dem von einer Pistenverlängerung Richtung Westen betroffenen Kanton Bern getroffen worden seien. Keine, zumindest «keine konkreten Absprachen», so der Regierungsrat. Welche Auswirkungen hätte eine längere Piste auf die Flugbewegungen?, lautet eine weitere Frage. Der Regierungsrat geht davon aus, dass «die Gesamtzahl der Flugbewegungen neu auszuhandeln ist.» Insbesondere sollte die Verteilung zwischen Geschäftsfliegerei, Ausbildungsfliegerei und Freizeitfliegerei neu geregelt werden. «Wir streben insgesamt eine Reduktion der Lärmbelastung für die vom Flugverkehr betroffene Bevölkerung an», so die Regierung.

Flugplatz AG ist gefordert

Eine Pistenverlängerung ist also grundsätzlich möglich. An die Adresse der Regionalflugplatz Jura-Grenchen AG (RFP) hält der Regierungsrat aber fest: «Die planungsrechtlichen Rahmenbedingungen erfordern, dass die rechtsgültigen Schutzbestimmungen und Schutzwerte bei der weiteren Planung von den Projektanten sehr sorgfältig ermittelt werden müssen.» Der RFP ist gefordert, fachliche Grundlagen zu erarbeiten, «die es uns ermöglichen, die Auswirkungen einer Pistenverlängerung nach Westen detailliert zu beurteilen und einer umfassenden Interessenabwägung zu unterziehen.» «Eine Interessenabwägung, die nach Art. 6 WZVV im Einzelfall ausdrücklich möglich ist.»