Grenchen/Bettlach
Für die Feiertage mussten die Alters- und Pflegeheime schwierige Entscheide treffen

Während die Alterszentren Kastels und Weinberg sowie das Alters- und Pflegeheim Baumgarten in Bettlach geschlossen bleiben, macht der Sunnepark Grenchen über die Feiertage Besuche möglich.

Oliver Menge
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Die Besucherbox beim Alterszentrum Kastels ermöglicht gefahrlosen Kontakt zwischen Bewohnern und Angehörigen.

Die Besucherbox beim Alterszentrum Kastels ermöglicht gefahrlosen Kontakt zwischen Bewohnern und Angehörigen.

Oliver Menge

Am 10. Dezember verhängte der Kanton Solothurn für Alters- und Pflegeheime ein generelles Besuchs- und Ausgangsverbot. Befristet bis zum 22. Dezember. Ab diesem Datum und über die Feiertage sollte den Heimen die Möglichkeit gegeben werden, dass sie Aussenstehenden den Besuch ihrer Angehörigen im Heim wieder ermöglichen.

In einem Schreiben des Amts für Soziale Sicherheit vom 18. Dezember heisst es dazu: «Die Fallzahlen in den Alters- und Pflegeheimen im Kanton Solothurn sind nach wie vor hoch. Angesichts der Tatsache, dass die Heime sehr unterschiedlich stark betroffen sind, rechtfertigt es sich jedoch,
von einer Verlängerung des Besuchs- und Ausgehverbots gegenüber sämtlichen Pflegeheimen abzusehen.» Die Heimleitungen seien angehalten, eine Risikoeinschätzung vorzunehmen und im begründeten Fall das Heim für externe Besuchende zu schliessen und ein Ausgehverbot zu verhängen.

Besuche sind laut Kanton wieder erlaubt

Im Grundsatz gelte jedoch, dass Besuche und Ausgang unter strikten Schutzmassnahmen wieder möglich sein sollen. Dabei würden die verschärften Besuchsregelungen gelten, welche Ende Oktober 2020 erlassen worden seien, also Registrierungspflicht, die Einhaltung von Hygiene- und Verhaltensregeln, Maskenpflicht und Angaben über den Gesundheitszustand der Besucherinnen und Besucher.

Weiter empfiehlt der Kanton, dass Heimbewohnerinnen und -bewohner auch die Fest­tage im Heim verbringen und nicht bei ihren Angehörigen. Andernfalls gelte eine Quarantänepflicht für zehn Tage.
Von der erleichterten Besuchsmöglichkeit Gebrauch macht in der Region Grenchen einzig der Sunnepark, der in seinem Newsletter dazu informiert.

Wie Geschäftsführer Jörg Mummen­they schreibt, können sich Angehörige per E-Mail melden und angeben, an welchen Tagen über Weihnachten und Silvester/Neujahr sie nicht kommen können. Das Heim nimmt dann eine Einteilung vor und organisiert die maximal einstündigen Besuche. An den Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr seien hingegen keine Besuche möglich. Auch Mummenthey empfiehlt den Angehörigen, die Bewohnerinnen und Bewohner nicht nach Hause zu nehmen. Ansonsten sie in Quarantäne müssten.

Die Mutation des Virus bereitet Sorgen

Anders in den Alterszentren Grenchen mit den beiden Häusern Kastels und Weinberg. Dort hat die Geschäftsleitung nach langer Diskussion und mit Einverständnis des Stiftungsrats kürzlich beschlossen, die Häuser für Besucher auch über die Festtage nicht zu öffnen. Insbesondere bereite die Mutation des Sars-CoV-2 Sorgen und lasse keine Zeit zum Aufatmen.

Bekanntlich ist eine um bis zu 70 Prozent ansteckendere Version des Virus entdeckt worden, die sich in Europa ausbreitet. «Ein Ausbruch in den Institutionen wäre einfach zu fatal, sodass wir dieses Risiko nicht eingehen können», schreibt Gesamt­leiterin Sonja Leuenberger in einem Brief an die Angehörigen. Und auf Anfrage sagt sie: «Wir hatten bisher grosses Glück und keinen einzigen Coronafall unter den Bewohnern. Dieses Glück wollen wir jetzt nicht strapazieren.»

Man appelliere an die Verantwortung der Angehörigen und bitte darum, auf Treffen ausserhalb der Alterszentren zu verzichten, sprich keine gemeinsamen Weihnachtsfeiern durchzuführen. Für all diejenigen, die nicht darauf verzichten können und wollen, gelte nach der Rückkehr in die Alterszentren die zehntägige Quarantänepflicht im Zimmer.

Für alle anderen bestehe nach wie vor die Möglichkeit, dass sie mit ihren Liebsten via Telefon, Besucherbox oder Skype in Kontakt treten könnten. Termine zum Skypen oder für die Reservierung der Besucherbox müssen im Voraus vereinbart werden. Bisher hätten sowohl Bewohnerinnen und Bewohner als auch Angehörige Verständnis für den Entscheid gezeigt, sagt Sonja Leuenberger.

Auch das Alters- und Pflegeheim Baumgarten in Bettlach bleibt über die Feiertage für Aussenstehende geschlossen, wie Geschäftsführerin Monika Eichelberger auf Anfrage mitteilt. «Wir hatten insofern Glück, als dass wir unseren Weihnachtsgottesdienst und die Weihnachtsfeier mit unseren Bewohnerinnen und Bewohnern bereits feiern konnten.» Aber jetzt das Haus zu öffnen, wäre fahrlässig, sagt Eichelberger.

«Wir haben eine heftige Zeit hinter uns, denn wir hatten positive Fälle unter den Mitarbeitern und mussten einen ganzen Stock durchtesten lassen. Zum Glück hatte sich niemand der Bewohnenden angesteckt.» Das Risiko sei einfach zu gross, wenn sie daran denke, wie in anderen Heimen gleich Dutzende von Bewohnerinnen und Bewohnern wegen des Virus gestorben seien. Deshalb werde man den Kontakt auf die Besucherbox und die Möglichkeiten beschränken, wie sie auch während des Besuchs- und Ausgehverbots möglich waren.

Weihnachten wird aber trotzdem gefeiert

Auch wenn man in den Alterszentren Grenchen dieses Jahr auf die gemeinsamen Weihnachtsfeiern verzichten musste – die Formation I Quattro wäre unter anderem aufgetreten –, werden die Mitarbeitenden der beiden Häuser an Heiligabend mit den Bewohnerinnen und Bewohnern stationsweise Weihnachten feiern, sagt Sonja Leuenberger. Es gibt Geschenke für jeden Bewohner, jede Bewohnerin, und auch kulinarisch werden die beiden Küchenchefs die Leute verwöhnen: Im Kastels wird nach dem Solothurner Weinsüppchen ein am Stück gebratenes Kalbsfilet mit Eierschwämmli und Portweinjus mit gebratenen Kartoffeln und Gemüse serviert, im Weinberg gibt’s ein Selleriesüppchen und das Kalbsfilet an einer Sauce béar­naise mit Gratin und Gemüse. Das Dessert bleibt in beiden Häusern eine Überraschung.

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