Grenchen
Für die alte Landi beim Bahnhof gibt es Ideen zuhauf – aber auch viele Hindernisse

Wie soll es mit der Liegenschaft alte Landi am Bahnhof weitergehen? Der neuste Vorschlag: Ein Eventlokal.

Andreas Toggweiler
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Die alte Landi beim Bahnhof.

Die alte Landi beim Bahnhof.

AZ

Seit dem Auszug in den Neubau an der Neckarsulmstrasse steht der Landi-Laden beim Bahnhof teilweise leer und wird nur noch als Lager genutzt. Gemeinderat Alex Kaufmann (SP) schlägt in einer Interpellation vor, das Gebäude als Eventlokal zu nutzen. «Besteht die Möglichkeit, dass die Stadt das Gebäude kauft?», fragt Kaufmann in einem Vorstoss der SP Fraktion.

«Ich bin der Meinung, dass Grenchen ein mittelgrosses Konzertlokal für ein jüngeres Publikum braucht», begründet Kaufmann den Vorstoss. Ihm schwebt ein Lokal im Stil des Solothurner Kofmehl oder der Lysser Kufa vor. Für kleine Konzerte im intimen Rahmen habe man zwar in Grenchen die Musigbar, die auch gut funktioniere. Und theoretisch komme für grössere Veranstaltungen das Parktheater infrage. Dieses entspreche aber mit seiner Mehrfachnutzung und dem eher arrivierten Umfeld nicht den Erwartungen des jungen Konzert- und Party-Publikums. «Das alte Landi-Gebäude ist dafür meines Erachtens ideal geeignet und auch gut gelegen – verkehrsmässig und vom Quartierumfeld her», meint Kaufmann. «Es wäre gut, wenn die Stadt hier aktiv werden könnte.»

Für Konzerte nicht optimal

Die Stadt ist diesbezüglich schon aktiv geworden und habe den bekannten Solothurner Partybetreiber Markus Moerler (ex «Eleven») mit einer Beurteilung der Lokalität betraut. Dieser habe allerdings eher abgewinkt, erklärt Stadtpräsident François Scheidegger. Die räumliche Situation, so wie sie sich heute präsentiere, sei nicht optimal als Konzertlokal. Kommt hinzu, dass die Landi die Liegenschaft weiterhin als Kornspeicher nutzt und teilweise auch weitervermietet hat.

«Ein Verkauf der Liegenschaft ist für uns zurzeit nicht erste Priorität», sagt Alfred Laffer, Chef der Landi Region Solothurn. Man sei sich durchaus im Klaren, dass die Liegenschaft im städtischen Planungsperimeter des Bahnhofareals liege und zeige sich grundsätzlich offen für neue Entwicklungen. «Wir haben allerdings von der Stadt seit einer ersten Orientierung ziemlich genau vor einem Jahr nichts mehr gehört», meint Laffer. Für die Landi sei zurzeit am wichtigsten, einen Mieter für das leerstehende Ladenlokal zu finden.

Was plant die Migros?

Spekuliert wird auch über die Pläne der Migros, nebst der SBB der wichtigste Player im Bahnhofquartier. Die Stadt hatte denn auch die Planung eines neuen Busbahnhofs auf Eis gelegt, bis dass sich die Migros Aare über ihre Zukunftspläne am Standort Grenchen ausgesprochen hatte. Dies ist nun im letzten Herbst erfolgt. Konkret lässt sich allerdings Migros-Sprecherin Andrea Bauer nicht allzu viel entlocken, ausser dass man mit dem Standort Grenchen «sehr zufrieden» sei und zurzeit keine grössere Veränderung plane. Insbesondere äussert sich die Migros nicht darüber, ob sie Verhandlungen mit der Nachbarin Landi führt über die Arrondierung des Areals. Davon ist immerhin auszugehen. Man prüfe die Optionen und plane so oder so ein Facelifting für die Filiale, meint die Migros-Sprecherin. Für konkretere Informationen sei es aber noch zu früh. Zwischen Landi und Migros steht überdies noch ein Mehrfamilienhaus in Privatbesitz. Über die Pläne des Eigentümers ist nichts bekannt.

Gute Ideen hin oder her: Am Ende steht und fällt alles mit den Prioritäten der privaten Grundeigentümer. Das musste letztes Jahr auch Nicole Hirt erfahren. Die GLP-Gemeinde- und Kantonsrätin hatte in einem Vorstoss vorgeschlagen, dass die Stadt die alte Jugendstil-Villa gleich gegenüber der alten Landi kauft und eine Jugendherberge einrichtet. Doch die (gute) Idee kam zu spät. Das zum Verkauf stehende Gebäude wurde privat verkauft und genutzt.

Stadt sucht weiter

Die Idee eines Eventlokals will die Stadt aber so oder so weiterverfolgen, wie der Stadtpräsident versichert. «Wir sind ebenfalls der Meinung, dass ein Bedürfnis besteht», meint Scheidegger und spricht damit ein eigenes Wahlversprechen an. Denkbar und von der Lage her geeignet wäre auch das ehemalige Mikrojet-Gebäude gleich nördlich des Velodrome. Während der Bahn EM haben hier die After-Hour-Partys stattgefunden und das Gebäude steht zum Verkauf (wir berichteten). Und schliesslich stehe die Stadt auch in Kontakt mit Investoren, die Gewerbezentren planen. Denkbar wäre, dass die Stadt dort ein Stockwerk kauft und als Eventraum vermietet.