Seit mehreren Monaten hat eine Arbeitsgruppe mit Vertretern von Gewerbe, Polizei und Baudirektion Ideen diskutiert und geprüft, wie man das Stadtzentrum von Grenchen wieder lebendiger machen kann – vorab den Marktplatz.

Silvan Granig, der die Arbeitsgruppe im Auftrag des Stadtpräsidenten leitete, hat kürzlich der Gemeinderatskommission die Resultate der Beratungen vorgestellt. «Unsere Vorschläge stiessen auf Zustimmung, und wir erhielten grünes Licht für die ersten Projekte», freut sich Granig.

Vorbild Sechseläutenplatz

Wie sehen diese aus? «Es geht in einer ersten Phase primär darum, den Leuten zu zeigen, dass der Marktplatz ihnen gehört, dass sie hier nicht nur vorbeigehen können, sondern sich hier aufhalten dürfen und sollen», erklärt Granig. Als Vorbild konnte die Arbeitsgruppe der Stadt den Sechseläutenplatz Zürich schmackhaft machen. Der riesige Platz vor dem Zürcher Opernhaus wurde vor einigen Jahren neu gestaltet – bzw. eben nicht gestaltet. Er ist nämlich nichts anders als eine freie Fläche aus Steinplatten. «Damit ist die Situation durchaus mit Grenchen vergleichbar», erklärt Granig. Der Zürcher Platz wird für Veranstaltungen, Circus Knie, Weihnachtsmarkt oder natürlich das Sechseläuten (ein Zürcher Volksfest) benützt, und ist die restliche Zeit leer.

Um die Leute auch in dieser Zeit auf den kahlen Platz zu locken, hat Zürich 2014 den Platz mit 100 Stühlen möbliert. Immer zwei und zwei sind zusammengekettet und können vom Publikum frei auf dem Platz verschoben werden. Die Aktion war ein grosser Erfolg, und die Zürcher haben den Platz umgehend in Beschlag genommen. Auch wurden die Stühle in Ruhe gelassen. «Die oft geäusserte Befürchtung, die Stühle würden innert kurzer Zeit wegkommen, hat sich nicht bestätigt.», sagte ein Mediensprecher des Zürcher Stadtbauamtes ein gutes Jahr später zum «Limmattaler Tagblatt». Auch habe es kaum Vandalismus gegeben.

Open-Air-Gemeinderatssitzung

2015 wurden deshalb weitere 100 Stühle angeschafft. Inzwischen flammen sogar regelmässig Diskussionen auf, wenn der Platz durch Veranstaltungen belegt wird. Die Stadt musste eine bestimmte Anzahl Tage «freier Sechseläutenplatz» garantieren.

Zu diesen Diskussionen dürfte es in Grenchen kaum kommen. «Aber wenn solche Stühle dazu dienen können, auch unseren Marktplatz zu beleben, dann ist das Ziel erreicht», erklärt Granig. So könnten zum Beispiel auch Schulunterricht, eine Musikprobe, eine Gemeinderatssitzung oder eine Lesung spontan auf dem Platz stattfinden. «Der Marktplatz soll gerade in den Sommermonaten zu einer Art offenes Wohnzimmer der Grenchnerinnen und Grenchner werden», dadurch erhofft man sich auch eine Attraktivierung für mobiles Kleingewerbe wie z. B. Glace- oder Marroniverkäufer. Bodenspiele wie Schach oder Mühlestein sollen unter dem Stadtdach ebenfalls aufgemalt werden – die GRK habe deshalb diesem Projekt für Grenchen zuggestimmt.

Bis im Sommer anschaffen

Noch ist offen, wie viele Stühle angeschafft werden und wie sie aussehen. «Ideal wären Modelle im 50er-Jahre-Look», meint Granig. Denn schliesslich will Grenchen heuer das zweite Stadtfest unter diesem Motto feiern. «Auch wäre es schön, wenn wir sie schon diesen Sommer anschaffen könnten, denn im Herbst macht es kaum mehr Sinn.»

Ein oft geäusserter Wunsch am Ideenwettbewerb dieser Zeitung zur Gestaltung des Grenchner Marktplatzes war das Bedürfnis nach mehr Schatten. Zur Diskussion stehen laut Granig Sonnenschirme oder ein fix montiertes Sonnensegel.

Granig hat noch viele weitere Ideen: ein Einbezug der Gastro- und Gewerbeszene rund um den Marktplatz, die «Rückeroberung» des Pärklis durch Pétanque-Spieler, eine Rutschbahn für Kinder hinunter in die geschlossene Unterführung am Zytplatz usw. – «Doch das sind erst Ideen», meint er.

Wasser und Begrünung

Klar sei, dass auch in Sachen Begrünung etwas kommen müsse, mit mobilen Trögen, die von Veranstaltern weggeräumt werden können, damit die vielseitige Nutzbarkeit des Platzes erhalten bleibt. Diskutiert wurden Pflanzkübel für «Urban Gardening». Diese könnten beispielsweise von verschiedenen Vereinen betreut werden unter dem Motto wer zieht die schönsten Rüebli auf dem Marktplatz.

Doch alles schön der Reihe nach. Die GRK hat erst das Stuhlprojekt bewilligt und auch dafür noch nicht den Kredit. Sie will sich aber am 4. April mit einer zweiten Tranche von Massnahmen befassen, welche vor allem die leeren Schaufenster im Visier haben.

Auch hinsichtlich einer autofreien Bettlachstrasse tut sich was. Weil dieses Jahr wieder Fussball-WM ist, wird für das Public Viewing beim «Baracoa» wiederum für Autos dichtgemacht. Der Stadtpräsident hat Granig und die Stadtpolizei beauftragt, diesen schon zur Tradition gewordenen Event dazu zu nutzen, die Auswirkungen einer Teilsperrung der Strasse auf das ansässige Gewerbe und die Anwohnerschaft zu evaluieren.