«Für die Integration der Asylbewerber in die Gesellschaft zählt inzwischen jede Minute. Zeitverschwendung können wir uns da nicht leisten», sagt Kurt Boner, Leiter der Sozialen Dienste Oberer Leberberg.

Er erklärt: «Das Asylwesen hat sich grundlegend verändert. Vor zehn Jahren blieb die Mehrheit dieser Leute nur einige Monate in den Gemeinden. Integrationsleistungen lohnten sich nicht. Heute hat sich die Einsicht durchgesetzt, dass die meisten, wahrscheinlich etwa 80 Prozent, hierbleiben werden. Das gilt vor allem für junge Leute, und Asylbewerber sind in der Regel jung.»

Menschlichkeit ist für Kurt Boner in der Asylfrage nur eine Seite der Medaille. Die andere sind die Kosten. «Heute geben wir für die Integration in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft bei einem Asylbewerber mehr aus als bei einem Sozialhilfebezüger. Deshalb müssen Asylbewerber so schnell wie möglich in den Arbeitsmarkt integriert werden, und dafür müssen sie Deutsch können und unsere gesellschaftlichen Normen kennen.» Entsprechend appelliert Kurt Boner an die Gesellschaft, Beziehungen zu Asylbewerbern aufzubauen.

Hoffnung auf die Unterstützung von Vereinen

Es ist dies ein Anliegen, das beim Asylbetreuerteam höchste Priorität geniesst. Eine der drei Frauen, die im Sozialkreis die Asylsuchenden betreuen, ist Bea Corti.

Sie erzählt von ermutigenden Ansätzen bei Fussballklubs: Die Idee sei von Asylbewerbern gekommen, die fragten, ob sie neben dem Deutschkurs irgendwo Fussball spielen könnten. «Also habe ich bei den Klubs gefragt und jetzt kicken diese Männer probehalber in einer Mannschaft mit», freut sich Bea Corti.

Es geht nicht nur um sportliche Aktivitäten. Wie bei der übrigen Bevölkerung sind bei den Asylbewerbern Interessen und Talente breit gestreut, sportlich, kulturell und sozial. Hoffnungen setzt die Asylbetreuerin generell auf die Vereine in Grenchen, Bettlach, Selzach und Lommiswil.

«Leider fehlt mir die Zeit, um bei jedem Verein persönlich vorbeizugehen und die Situation zu erklären. Doch wenn ein Verein auf mich oder sonst eine Asylbetreuerin zukommt, helfen wir gern mit Tipps und bei der Verständigung.»

Die Einbindung in einen Verein hilft Asylbewerbern nicht nur bei der Integration in die Kultur, sondern auch beim Deutschlernen. Nie lernt man eine Sprache schneller als in der Beziehung mit Menschen, die einem etwas bedeuten und von denen man verstanden werden will. Wichtig seien entsprechend auch die Nachbarschaft und das Wohnquartier, betont Bea Corti.

Unterforderung treibt seltsame Blüten

Da die Asylbewerber wenn möglich nach Nationalität in WGs eingeteilt sind, finden sie zwar Gesprächspartner. Doch weil die Asylstrukturen auf den Flüchtlingsansturm vom Sommer 2015 nicht vorbereitet waren, gab es Engpässe bei den Deutschkursen und Beschäftigungsangeboten.

Bis Anfang nächstes Jahr sollen diese Probleme behoben sein. Dann soll es nicht mehr vorkommen, dass eine Person nach drei Monaten Deutschkurs drei Monate aussetzen muss und fast alles wieder verlernt.

Dennoch wird die sinnvolle Einteilung der Zeit eine Herausforderung für Asylbewerber bleiben. Unterforderung und Langeweile treiben da gelegentlich kuriose Blüten. Das kann zu den unangenehmen Pflichten führen, auf die Bea Corti bei ihrer Tätigkeit als Asylbetreuerin gern verzichten würde.

Als Beispiel nennt sie das Phänomen der Fremdschläfer – Personen, die sich nachts widerrechtlich in einer Asylunterkunft aufhalten. Hinweise auf Fremdschläfer kämen meistens von Mitbewohnern, denen es zu bunt wird.

«Wenn ich nachts eine Wohnung kontrollieren muss, bitte ich immer die Polizei um Unterstützung. Die Patrouille weist die überzählige Person weg oder nimmt sie zur Kontrolle mit auf den Posten. Zum Glück kommen solche Einsätze nur selten vor», erklärt die Asylbetreuerin.

Eine Einschätzung, die sich mit der Erfahrung bei der Kantonspolizei deckt, wenn auch über Fremdschläfer-Einsätze keine Statistik geführt werde, wie Polizeisprecher Andreas Mock sagt: «Im ganzen Kanton sind es wohl kaum mehr als ein bis zwei Fälle pro Monat.»