Die Gemeinderäte staunten nicht schlecht, als gestern Abend eine Überraschungsdelegation aus über 20 Ju-nioren und Funktionären die Sitzung unterbrach, um darauf aufmerksam zu machen, dass sich die Fussballer von der Politik nicht genügend ernst genommen fühlen, weil diese für den Bau des Velodrome Suisse einen Trainingsplatz opfern will. Offenbar sitzt der Schock über den abgeschifften Kunstrasen noch tief in den Knochen. Die Protestaktion verlief jedenfalls absolut friedlich.

Christian Schlup, Ehrenpräsident des FC Wacker, erklärte die Anliegen und Fragen der Fussballer. Er sei besorgt, dass - würden diese Bedenken nicht bereinigt - die Gemeindeversammlung den Velodromekredit ablehnen könnte, sich Grenchen lächerlich machen würde und erst noch Mandatsträger und Sponsoren aus der Fussballszene ihr Engagement einstellen könnten. Die Aktion richtete sich nicht gegen das Velodrome an sich. «Wir appellieren aber an euch, dass wir auch künftig anständig trainieren können», formulierte Schlup die Sorge der vier Vereine.

Noch genügend Trainingsressourcen vorhanden

Slogans wie «Warum habe ich keinen Platz mehr zum Trainieren?» oder «Ein Süchtiger kostet über eine Million. Ich möchte nur ein Stück Rasen» hielten die Junioren auf orangefarbenen »Denkzetteln» in die Runde - doch die war parat: Stadtbaumeister Claude Barbey, der an der letzten Sitzung vor der Gemeindeversammlung ohnehin auf die in Fussballkreisen schwelenden Bedenken eingehen wollte, beschwichtigte. Anhand von eigenen Berechnungen zeigte er auf, dass mit den vorhandenen sechs Plätzen (Westfelder, südliches Hauptfeld, Neumatt, Bachfeld West und Riedern Nord) und geschickter Planung noch genügend Trainingsressourcen vorhanden sind.

Sogar einen provisorischen Benutzungsplan legte er vor, den er mit den Vereinen auch konkretisieren würde. Jedenfalls finde sich bestimmt eine Lösung, «wir haben sie eigentlich schon fast». Auch Finanzverwalter David Baumgartner war vorbereitet. Er demonstrierte den Fussballern, dass die Stadt wohl Millionenbeträge in den Fussball investiere, und Stadtpräsident Boris Banga schliesslich versprach, dass Grenchen eine Fussballstadt sei und es auch bleibe. Die Protestler zogen schliesslich ohne Murren wieder davon. Wie viel die Kleinen von all den Zahlen verstanden haben, muss gleichwohl offenbleiben.

Zickzack-Kurs beendet?

Auch keine rote Karte gab es für die Petition, die nach dem Zickzack-Kurs der Stadt in Sachen Schulferienregelung wieder eine einheitliche Lösung für die Schulen Grenchen und Bettlach forderte (wir berichteten). Seit gestern nun ist klar: Ab dem Schuljahr 2012/2013 soll es in Grenchen nun doch jeweils zwei Wochen Sport- und Frühlingsferien geben.

Unbestritten war, dass es auch gute Argumente für die Version 1:3 gäbe. Wichtiger sei jedoch, dass zwischen Bettlach, Grenchen als Sek-P-Standort und auch Selzach keine Disharmonie herrscht, meinte Stadtpräsident Boris Banga. Rolf Glaus, Ressortverantwortlicher der Schulen Grenchen, erklärte, dass mit der nun getroffenen Lösung Probleme für Familien, deren Kinder in unterschiedlichen Gemeinden zur Schule gehen, verhindert werden.

Thema erledigt?

FDP und CVP stellten hinter diese Erläuterungen. Urs Wirth (SP), auf dessen Konto das erste Wiedererwägen im März geht, gab zu, dass eine «verlässliche Partnerschaft wichtiger ist als die triviale Frage 1:3 oder 2:2.» Er sei sich bewusst, dass es in dieser Sache «keine Blumentöpfe mehr zu gewinnen gibt.» Doch die SP war nicht ganz einig. So stellte Parteikollege Daniel Trummer klar, dass er den Willen der Eltern, welche sich vor Jahren in einer Umfrage für Variante 1:3 aussprachen, höher gewichte.

Auch die SVP war uneins. Heinz Müller sagte, für einen Teil der Fraktion sei nicht ersichtlich, warum man die Anliegen der protestierenden Eltern nicht mehr gelten sollten. Kritik gab es für Wirth, der doch noch einen Weg gefunden habe, «sich aus der Affäre zu ziehen.»

Mit 10 Ja- und 3 Neinstimmen bei 2 Enthaltungen wurde die Regelung 2:2 beschlossen. Viele Räte dürften zumindest innerlich mit dem Kopf genickt haben, als Stadtpräsident Banga abschliessend bemerkte: «Ich hoffe, das Thema ist für immer erledigt.»