Grenchen

Fünf Künstler arbeiten mit Bewohnern der Rodania für eine Ausstellung

Zu der Feier des 30. Geburtstag der Rodania soll es in Grenchnen eine Kunstausstellung mit Werken von Rodaniabewohnern geben. Bei ihrem kreativen Schaffen wurden die Rodaniabewohner von fünf Künstlern aus der Region unterstützt.

Mitte Juni feiert die Rodania ihr 30-Jahre-Jubiläum. Im Rahmen der Festlichkeiten soll es im Foyer des Kunsthauses Grenchen eine Ausstellung geben mit Werken von Rodania-bewohnern. Diese werden von namhaften Künstlern der Region unterstützt.

Die Kunstwerke sind in einer zweiwöchigen Aktion entstanden. Die Verantwortlichen der Rodania hatten regionale Künstlerinnen und Künstler angefragt, ob sie bereit wären, zusammen mit den Bewohnern der Rodania zu arbeiten und ihnen ihre Sichtweise und Techniken weiterzuvermitteln, mit denen sie selber Kunst schaffen.

Kein einfaches Unterfangen, sind doch die Grade der Behinderung unterschiedlich und auch die Fähigkeit, selber an einem Bild zu arbeiten mehr oder weniger ausgeprägt. Doch alle Künstler, die an der Aktion teilnahmen, hatten sich schon vorgängig mit der Problematik auseinandergesetzt und die Arbeiten mit den Menschen mit Behinderung entsprechend geplant (siehe Kasten).

«Alles dient als Vorlage»

So auch Marc Reist, der in seinem Kunstschaffen Strukturen und Formen aus der Natur aufnimmt und weiterführt, in seine eigene Sprache übersetzt. Zusammen mit den Bewohnern der Wohngruppe Delfin untersuchte er die nähere Umgebung der Rodania und liess seine Kursteilnehmer Abdrücke von verschiedenen Oberflächen machen.

«Alles hier dient als Vorlage, als Unterlage. Denn selbst eine vermeintlich glatte Fläche hat eine Struktur, die bei einem Durchschlag sichtbar wird und die man dann weiter bearbeiten kann», erklärt der Schnottwiler Künstler.

Ausserdem werde oft erst beim Durchschlag die Struktur der Unterlage interessant. So hat er zusammen mit Myriam, einer Bewohnerin der Wohngruppe, das Riffelblech beim Spielplatz der Rodania entdeckt, welches Rollstuhlfahrern erlaubt, zur Schaukel zu gelangen.

Myriam legt ein Blatt Papier auf das Blech und reibt anschliessend mit einem Buntstift auf der Oberfläche des Papiers, sodass die Struktur darunter sichtbar wird. Sascha hat schon mehrere Abdrücke genommen, unter anderem von der Betonmauer, die den Innenhof umgibt und mit Holzstücken durchsetzt ist.

Auch er nimmt einen Abdruck vom Riffelblech. Patrick nimmt zusammen mit Jeremy, der hier Zivildienst leistet, einen Abdruck eines zylinderförmigen Lochblechs, das im Garten steht.

Jörg versucht sich derweil an einer strukturierten Glasscheibe, unterstützt von einer Betreuerin, die ihm das Blatt festhält und die Buntstifte reicht. Patrick hat sich die Oberfläche des Holztisches vorgenommen und Manfred die Oberkante einer Mauer, in der Metallstücke eingelassen sind. Die Ergebnisse sind schon mal erstaunlich und interessant.

«Ein Ziel wäre es, dass die Leute in dieser Gruppe einerseits ein Gefühl für Strukturen bekommen und auch erkennen, dass ihre eigene Umgebung über eine Vielzahl verschiedener Oberflächen und Strukturen verfügt, die man erleben, erfassen und mit ihnen arbeiten kann», sagt Marc Reist.

Enthusiastisch am Werk

Im Malraum werden die Abdrücke mit Wasser, Pinsel und verschiedenen Farben weiter bearbeitet. «Man kann so seine eigene Erfahrung der Umgebung einfügen, die Abdrücke ergänzen und verändern», erklärt Reist.

Der Künstler erklärt den Teilnehmern verschiedene Techniken, wie man zum Beispiel weitere Farben auf das Papier auftragen und mit ein wenig Wasser verwischen kann. Die Abdrücke erhalten so plötzlich ein völlig neues Gesicht und eine andere Aussage.

Die Begeisterung bei der «Delfingruppe» ist gross. Einige fragen, wann sie das nächste Mal mit Marc arbeiten können. Christoph will wissen, was mit seinen Bildern nun geschehe, er hat innert kurzer Zeit drei Abdrücke mit Wasser verändert und ihnen ein völlig neues Gesicht gegeben. «Beim nächsten Mal werden wir noch etwas malen und dann die Bilder rahmen», sagt Reist.

Auch Teilnehmer der anderen Gruppen zeigten sich hocherfreut über ihre Arbeiten, erzählt Angelika Wyss, Verantwortliche für Öffentlichkeitsarbeit bei Rodania. Rund 25 Personen- fast ein Drittel der gesamten Rodania-Bewohner - haben an den Projekten teilgenommen.

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