Wie kann es sein, dass in unserem Kanton jährlich zirka 300 Lehrstellen unbesetzt bleiben und 18 Prozent der Schulabgänger keine Lehrstelle finden? Liegt es an den gestiegenen Anforderungen der Wirtschaft, den zu wenig vorhandenen Lehrstellen für schwächere Schüler oder gar an den unrealistischen Berufswünschen der Schulabgänger?

Wer die Zahlen genau studiert, stellt fest, dass von den oben beschriebenen Schulabgängern, die keine Lehrstelle finden, 15 Prozent ein Brückenangebot* nutzen und 3 Prozent ohne Anschlusslösung auf der Strecke bleiben. Davon betroffen sind auch Jugendliche der Schulen Grenchen, was ein Blick in den Schulreport 2014/15 – 2016/17 zeigt.

Dabei wird ersichtlich, dass nur Schüler/Innen (SuS) aus der SEK-B und K davon betroffen sind. 42 von ihnen fanden in den vergangenen drei Jahren keine Lehrstelle, 39 davon suchten Unterschlupf in einem Brückenangebot und 3 SuS blieben ohne Anschlusslösung.

Diese Zahlen erscheinen im ersten Moment als geringfügig und vernachlässigbar. Setzt man den Fokus aber auf die Brückenangebote, stellt man fest, dass es sich um eine Zwischenlösung handelt, welche das eigentliche Problem nicht löst, sondern nur um ein Jahr hinausschiebt.

Garantie auf Erfolg gibt es dabei keine. Selbstverständlich sind Brückenangebote eine gute Sache und unterstützungswürdig. Diese verursachen zwar auch zusätzliche Kosten, sind aber sicher die besser und günstigere Lösung als Jugendarbeitslosigkeit.

Nun stellt sich hier die Frage, ob es sich nicht lohnen würde, in der SEK-B gleich wie in der SEK-K, die Berufswahl ins Zentrum zu stellen und dem alles unterzuordnen. Dies würde bedeuten, dass vom ersten Tag an die Berufswahl das zentrale Thema ist, welches sich während den folgenden drei Jahren in der Oberstufe wie ein roter Faden hindurchzieht.

Durch den frühen Miteinbezug der Eltern in den Berufswahlprozess, begleitet durch koordinierte Schnuppereinsätze in realistischen Berufsfeldern, sowie einer individuellen Betreuung der SuS durch die Lehrperson, sollte einer erfolgreichen Berufsfindung nichts im Wege stehen.

Apropos realistische Berufswahl, diese ist eine wichtige und zwingende Voraussetzung, denn nicht jeder kann Informatiker werden. Es empfiehlt sich daher, sich auf einen Beruf der 300 offenen Lehrstellen zu beschränken, welche aus folgenden Branchen kommen: Bau, Metall/Maschinen, Gebäudetechnik, Gastgewerbe, Elektrotechnik und Fahrzeuge. Wer sich für eine solche Branche entscheidet, erhöht seine Chance, eine Lehrstelle zu finden um ein Vielfaches.

Ich bin davon überzeugt, dass wenn wir frühzeitig Ressourcen und Zeit in die Berufsfindung unserer SuS der SEK-B investieren, jeder eine Lehrstelle findet und dadurch Sozialkosten eingespart und Jugendarbeitslosigkeit auf ein Minimum reduziert werden kann.
* Matthias Meier-Moreno, Gemeinderat CVP, Fraktionschef.

*Brückenangebote sind für Jugendliche da, die noch keine definitive Lösung nach der Schule gefunden haben und bezeichnen alle Angebote, die eine Brücke bauen zwischen der obligatorischen Schulzeit und einer Lehre oder weiterführenden Schule.

*der Autor Matthias Meier-Moreno ist Gemeinderat CVP, Fraktionschef.