Es ist Mittagszeit, trotzdem kommt er kaum zur Ruhe. Termine festlegen hier, Journalisten orientieren da. Andreas Wegier sitzt im Saal des Airport Hotels, das Handy griffbereit auf dem gedeckten Restauranttisch. Seit fünf Jahren amtet er als Flughafenchef in Grenchen und kennt alle Leute, die im und um das Gelände zu tun haben. Ansonsten liesse sich der Tagesablauf nur schlecht koordinieren. Das Airport-Team ist klein, die richtige Abstimmung unerlässlich.

Dem Luftverkehrsabkommen nach EU-Norm muss er ebenso Beachtung schenken, wie den Bestimmungen, die das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) erlässt. «Als Grösster der Kleinen und Kleinster der Grossen trifft es uns immer voll», sagt Wegier. Ein Flughafen, der von Privaten, Flugschulen und vom Businessverkehr, kaum aber vom Personenverkehr lebt, und dennoch den Gesetzen eines grossen Flughafens unterliegt. Der Airport Grenchen, ein Flughafen zwar, aber weder Fisch noch Vogel. Und Wegier leitet dieses schwer zu fassende Unternehmen.

«Es hat einfach alles gepasst»

Eigentlich hatte der 60-Jährige nie vor, Flughafendirektor zu werden. Pilot ja, das war ein Bubentraum. Vor sieben Jahren hat er damit begonnen, diesen Traum zu leben. Als dann sein Vorgänger kündigte, bewarb sich Wegier spontan für den Chefposten. Und als er schon gar nicht mehr damit rechnete, lud ihn der Verwaltungsrat zum Vorstellungsgespräch ein. Wegiers damaliger Arbeitgeber legte ihm keine Steine in den Weg, im Gegenteil: Er ermutigte ihn, das Angebot anzunehmen. «Es hat einfach gerade alles gepasst.»

Früher der Traum vom Pilot; jetzt ist er Chef über alle Piloten, die in Grenchen starten und landen. Er hält die höchsten Kompetenzen inne, ihm schauen sie aber auch alle auf die Finger. Von Gesetzes wegen den Kopf hinhalten sozusagen. Um den Durchblick in diesem Paragrafen-Dschungel zu bewahren, besucht er laufend Weiterbildungskurse. Nur zum Fliegen, dazu kommt Wegier heute viel zu wenig. Weniger als 25 Stunden pro Jahr, höchstens ab und an, um schneller an einen Sitzungsort zu gelangen.

Sprung ins kalte Wasser

Als Wegier im Juli 2006 seinen Posten antrat, musste er sogleich ins kalte Wasser springen: Er hatte eine Airshow auf dem Flughafen zu organisieren, für 100000 Besucher. Zeit: Zwei Monate. Seither hat sich der Aufgabenbereich des Direktors ausgeweitet: Er muss erboste Anwohner wegen des Fluglärms besänftigen, zwischen Piloten schlichten und mit der Stadtregierung im Reinen sein, was bis anhin hervorragend klappe. Daneben sollte er den Flughafen wirtschaftlich führen. Ohne staatliche Subventionen. Wegier aber ist von seinem Unternehmen überzeugt, er sieht es als Motor für Stadt und Region. Einen zweizylindrigen Motor, den er auf vier Zylinder bringen will.

In erster Linie gelte es den Flugbetrieb zu sichern, Infrastruktur falls nötig zu erneuern. Der Ostanflug soll bis Ende Jahr durchkommen, ansonsten den Status quo erhalten. Ganz wichtig sind die Flugschulen Grenchen und der Swiss, die zusammen an die 120 angehende Piloten bescheren. Und damit Arbeitsplätze. Auch für sich selbst muss Wegier Zeit finden. Denn es sei ein Phänomen, dass die Beziehungen vieler Flughafendirektoren zum Scheitern verurteilt seien. Das war auch bei ihm nicht anders. Während eines Treffens fand er heraus, dass von 60 Direktoren nur noch 2 mit derselben Frau wie vor dem Stellenantritt zusammen waren. Neue Beziehungen scheinen dagegen zu halten: Andreas Wegier ist wieder in festen Händen.