Kleintheater Grenchen

Frölein Da Capo scheut sich nicht vor Kraftausdrücken

Frölein Da Capo im typischen Petticoat inmitten ihrer Instrumente und «Choreograf» Erwin.

Frölein Da Capo im typischen Petticoat inmitten ihrer Instrumente und «Choreograf» Erwin.

Frölein Da Capo bescherte den Zuschauern im Kleintheater in Grenchen am Samstag einen äusserst vergnüglichen Abend.

Irene Brügger-Hodel alias Frölein Da Capo hats wirklich drauf. Ihre Stimme ist schlicht eine Wucht, Klavier und Gitarre beherrscht sie meisterlich, an Trompete und Euphonium weiss sie sich ebenfalls auszudrücken. Ihre selbst geschriebenen Lieder kommen nun nicht gerade tiefgründig-philosophisch daher. Das ist aber auch nicht der Anspruch. Vielmehr bestechen sie mit bodenständigem Humor.

Das burschikos-freche Geplauder zwischen den Stücken, ihr unvergleichlicher Charme, das Kokettieren mit dem Publikum und eine gehörige Portion Selbstironie erlauben es der Künstlerin zudem, auch bitterböse Spitzen anzubringen gegen die holde Männlichkeit, deren Eigenarten und Unarten, gegen den Mief der Provinzialität. Dies alles gepaart mit liebevollen Milieubeschreibungen bescherte den Zuschauern im proppenvollen Kleintheater einen äusserst vergnüglichen und amüsanten Abend.

Und dann wäre da noch dieser Loop-Sampler, den das Frölein so meisterhaft beherrscht. Damit kreiert sie ihren Chor, ihr Orchester und das Publikum kann ihr bei der Komposition dieser Background-Musik fasziniert zuschauen; ein Publikum, das übrigens schon sehr schnell der Faszination dieser Ein-Frau-Band erlegen ist.

Die Frau scheut sich nicht

Die bekennende Willisauerin reizt die ganze Bandbreite musikalischer Sparten aus. Sie rockt, was das Zeug hält, spielt den Blues, wie er eben gespielt werden muss, singt sich durch Balladen und Country-Stücke, ergeht sich in einem herzerfrischenden Jodeln und verleiht diesem eine erotische Note, die der ihres Tangos in nichts nachsteht. Herrlich auch, wenn sie die Zuschauer mit ausladender Gestik und entsprechender Mimik in die Schlager-Welt entführt und ebenso, angereichert mit stimmiger Lautmalerei, «Mama Africa» Konkurrenz macht.

Ihre Texte haben es in sich, auch weil sie sich nicht scheut, schon einmal einen Kraftausdruck zu gebrauchen, da dieser eben am besten zum Ausdruck bringt, was sie gerade vermitteln will. Einige Rosinen aus dem prallen Programm seien hier herausgepickt: Ein Musikfest in passendem Moll gerät zur Tragödie, die unsäglichen Trainerhosen des Partners werden vernichtet, die Schöpfungsgeschichte wird aus der Sicht Evas mit einem weiblichen Gott erzählt oder es gibt eine pädagogische Anleitung, um die Denkweise der Frauen zu verstehen. Ganz zum Schluss intoniert sie Janis Joplins «Me and Bobby McGee». Und verabschiedet sich so mit einer weiteren Kostprobe ihrer urwüchsigen Stimmkraft.

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